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Arzneiverordnungsreport:Patienten zahlen zu viel für Medikamente

Milliarden für die Pharmaindustrie: Eine Studie sieht erhebliche Sparpotentiale für die gesetzlich Versicherten. Manche Medikamente seien viel zu teuer.

Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Arzneiverordnungsreport 2013 hervor. Etwa 3,7 Milliarden Euro hätten gespart werden können, ohne dass Patienten schlechter versorgt worden wären, sagte Herausgeber Ulrich Schwabe. Der Report erscheint beim wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse AOK.

Alleine 2,5 Milliarden Euro überflüssige Kosten seien dem Bericht zufolge durch teure, sogenannte Analog-Präparate entstanden, die nur geringfügig anders wirken als frühere Mittel. Zwar würden immer mehr neue Mittel vom dafür zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken offiziell daraufhin überprüft, ob sie wirklich mehr helfen als ältere. Bereits im Frühjahr hatte der Gemeinsame Bundesausschuss sechs Gruppen von Medikamenten gegen Schmerzen, Herzleiden, Diabetes und andere Krankheiten mit einem Umsatzvolumen von geschätzt rund fünf Milliarden Euro überprüft.

Die Anstrengungen, so die Autoren des Arzneiverordnungsreportes, reichten jedoch nicht aus, um das politisch gewollte Sparziel von zwei Milliarden Euro zu erreichen.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Report ist jedoch, dass Medikamente in Deutschland relativ teuer sind. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern müssten Patienten deutlich zu viel zahlen. Seit 2010, so die Herausgeber, habe man durch exemplarische internationale Preisvergleiche hohe Einsparpotenziale festgestellt, insbesondere bei Medikamenten, die schon einige Zeit auf dem Markt seien, aber noch Patentschutz hätten. Im Vergleich mit Schweden waren es 4,1 Milliarden Euro, mit Großbritannien ebenfalls 4,1 Milliarden Euro und mit den Niederlanden 1,6 Milliarden Euro.

Für den aktuellen Report wurden mehr als 700 Millionen Rezepte der Gesetzlichen Krankenversicherung analysiert, die im Jahr 2012 von etwa 140.000 Vertragsärzten ausgestellt worden sind.

© Süddeutsche.de/dpa/olkl/bbr

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