Affäre um Ex-BayernLB-Vorstand "Komm, lass gut sein, wir gehen"

Anwalt, Steuerberater, Autor und Professor: Gerald Toifl gilt als juristischer Tausendsassa. Er ist auch der Anwalt des Ex-Vorstands der BayernLB Gribkowsky. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Mancher Anwalt gibt sich gern allgegenwärtig, ist lautstark und beherrscht die Kunst, in die Schlagzeilen zu kommen - Figaro hier, Figaro da. Der österreichische Anwalt Gerald ("Geri") Toifl, 41, hingegen ist ein eher stiller Mann, er drängt sich nicht vor. Auch beim Gespräch in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung Ende Dezember strahlte er, selbst wenn die Fragen etwas härter wurden, eine fast stoische Freundlichkeit aus. Als sein Mandant Gerhard Gribkowsky, 52, der in die Schlagzeilen geratene frühere Vorstand der Bayerischen Landesbank, nach etwa einer Stunde sichtlich genervt zum Aufbruch drängte: "Komm, lass gut sein, wir gehen jetzt", blieb Toifl ruhig sitzen und gab noch ein paar Auskünfte. Er sagte substantiell nichts Wesentliches, aber er blieb umgänglich und nett.

Von wem und wofür bekam Gribkowsky, der damals bei der Landesbank arbeitete und eine halbe Million Euro brutto im Jahr verdiente, im Jahr 2006 fünfzig Millionen Dollar überwiesen?

(Foto: dpa)

Der Anwalt könnte vermutlich die Antworten auf all die Fragen geben, die sich in einer der größeren Affären der skandalreichen letzten Jahre aufdrängen: Von wem und wofür bekam sein Mandant Gribkowsky, der damals bei der Landesbank arbeitete und eine halbe Million Euro brutto im Jahr verdiente, im Jahr 2006 fünfzig Millionen Dollar überwiesen? Stammte das Geld aus dem Formel-1-Betrieb oder aus einem anderen Geschäftsbereich? Solche Summen werden gewöhnlich nur gezahlt, wenn jemand etwas ganz Besonderes leistet oder wenn er über Druckmittel verfügt. Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat sich vor vier Jahren mit der Frage beschäftigt, ob Geldwäsche vorliege. Dieses Verfahren wurde, wie der Wiener Kurier berichtete, im April 2007 eingestellt.

Juristischer Tausendsassa

Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft München den Fall. Es geht nicht um Geldwäsche, theoretisch zumindest kommen bei Gribkowsky Straftaten wie Untreue und Bestechlichkeit in Betracht. Auch die Ermittler elektrisiert die Höhe des plötzlichen Vermögenszuwachses des Bankers. Das Geld brachte er mit Hilfe seines Anwalts Toifl in seine im Mai 2007 gegründete österreichische "Sonnenstein Privatstiftung" ein. Die Stiftung residiert an der Salzburger Büroadresse Toifls, der zudem Geschäftsführer aller drei der Stiftung gehörenden Gesellschaften (GREP, GFU, Zeitgeschenk) ist. Im November vorigen Jahres hat Toifl für die GREP den Jahresabschluss gefertigt. Unter Aktiva wies sie ein Firmenvermögen in Höhe von 25,6 Millionen Euro auf. Aufgeführt wird auch eine Beteiligung an einer Firma in Bremen sowie an einer Immobilien-Gesellschaft in Berlin.

Gribkowsky und der Anwalt, der auch Geschäftsführer ist, haben sich, wie beide erklären, im Jahr 2006 kennen gelernt. Genaueres sagen sie nicht. Geschäftsgeheimnis? Damals flossen die ominösen 50 Millionen Dollar zunächst auf die Konten einer GG Consulting. Geschäftsführer waren Gribkowsky und Toifl. Diese Firma wurde 2008 liquidiert.

Toifl gilt als juristischer Tausendsassa, der auch das Grobe sehr fein bewältigen kann. Der Jurist arbeitet als Steuerberater in der renommierten Kanzlei Leitner + Leitner, er ist Mitautor des Sachbuchs "Steuerstrafrecht international" und hat seit 2009 eine Professur in Salzburg inne. Stiftungen sind seine Spezialität. Im vergangenen Frühjahr diskutierte er mit Dieter Ondracek, dem Chef der deutschen Steuergewerkschaft, im österreichischen Fernsehen über "Staaten und Steuern - Hört beim Geld die Freundschaft auf?" Gute Frage. Der sonst so zurückhaltende Toifl könnte in eine der großen österreichischen Affären verstrickt sein, die unter dem Kürzel Buwog-Affäre bekannt ist. Vor etlichen Jahren wurden 58.000 Bundeswohnungen privatisiert. Die Staatsanwaltschaft wittert Gaunereien und ermittelt gegen Dutzende Verdächtige.

Seit Spätsommer 2010 ermittelt die Wiener Staatsanwaltschaft auch gegen den Anwalt Toifl, weil er, so ein Sprecher der Behörde, "im Verdacht steht, dazu beigetragen zu haben, dass Urkunden, die im Buwog-Verfahren als Beweismittel dienen sollten, gefälscht" worden sein könnten. Genauer: Im Herbst 2009 soll er eine Vereinbarung erstellt haben, die auf den 12.März 2006 rückdatiert worden sei. Ein unangenehmer Fall für einen seriösen Anwalt. Bewiesen ist nichts. Toifl bestreitet die Vorwürfe.

Breite Spur von Skandalen

Österreich wird von vielen Affären erschüttert. Es sind so viele, dass neulich das Magazin Profil zur besseren Übersicht ein Netzwerk der Affären veröffentlichte. Vor allem der 2008 verstorbene Rechtspopulist Jörg Haider hat eine breite Spur von Skandalen hinterlassen. Alles hing irgendwie zusammen. Er habe mit Haider nichts zu tun gehabt und ihn nicht einmal getroffen, sagt Toifl.

Bis vor einigen Monaten gehörte Haiders früherer Generalsekretär Walter Meischberger ("Meischi") zu Toifls Mandanten. Meischberger, der Trauzeuge bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser war, soll beim Verkauf der Bundeswohngesellschaften rund 7.7 Millionen Euro Provision kassiert haben. Das Geld landete in Liechtenstein. Als Treuhänder setzte Meischberger den Anwalt Toifl ein, der die Selbstanzeige für den früheren Parteimann formuliert hat.

Auch bei diesem Toifl-Klienten drängt sich die Frage auf: Für was hat er das Geld bekommen? Überliefert ist ein Abhörprotokoll, das sich wie das Textbuch eines Kabaretts liest. Meischberger, Typ Tiroler Ski-Lehrer, fragt Grasser, gegen den auch ermittelt wird, wie er sich denn bei der Staatsanwaltschaft einlassen soll, wenn diese nach der Herkunft des Geldes fragen sollte. Grasser gibt ihm den Tipp, im Internet zu recherchieren, um festzustellen, wo die Firma, von der dieser viel Geld bekommen habe, überhaupt tätig geworden sei. Meischberger antwortet verzweifelt: "Da bin ich jetzt supernackt". So weit ist Toifls Mandant Gribkowsky doch noch nicht.