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Support-Ende:Was Windows-7-Nutzer jetzt tun sollten

A man plays his bagpipe in front of a decorated house during the presentation of Windows 7 in the small village of Sietes

Letzter Marsch für Windows 7: Das System bekommt bald keine Updates mehr. Auf vielen Millionen Rechnern läuft es aber noch.

(Foto: Eloy Alonso/Reuters)

Am 14. Januar stellt Microsoft den Support für Windows 7 ein. Rechner werden dann zu Zeitbomben - mit jedem Tag steigt das Risiko. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von kommender Woche an werden Dutzende Millionen Menschen auf digitalen Zeitbomben sitzen. Am 14. Januar endet der Support für Windows 7. Danach veröffentlicht Microsoft keine Updates mehr für das Betriebssystem. Das gilt für Treiber, Fehlerbehebungen und auch für Sicherheitslücken.

Microsoft versucht seit Jahren, Nutzer von Windows 10 zu überzeugen. Dennoch läuft der Vor-, Vorgänger immer noch auf Hunderten Millionen Rechnern. Je nach Statistik hat Windows 7 einen Marktanteil von 25 bis 30 Prozent. Ein Teil davon entfällt auf Unternehmen und Behörden. Diese Geschäftskunden können sich aber zumindest eine Gnadenfrist von drei Jahren erkaufen, indem sie für den erweiterten Support bezahlen - ein Glücksfall für Städte wie Berlin, wo nicht nur Flughäfen, sondern auch IT-Projekte etwas länger dauern.

Für Privatnutzer gibt es dagegen keinen Aufschub. Wer immer noch Windows 7 nutzt, sollte deshalb einige Dinge wissen.

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Was genau passiert am 14. Januar?

Windows 7 bleibt funktionsfähig. Man kann die Rechner weiternutzen - nur eben auf eigenes Risiko. Zusätzlich wird Microsoft einen ungeliebten alten Bekannten reaktivieren: das Upgrade-Pop-up. Nach jedem Login und täglich um 12 Uhr Mittag erscheinen Fenster, die den ganzen Bildschirm bedecken und auffordern, auf Windows 10 zu wechseln.

Wie gefährlich ist es, nicht zu wechseln?

Bei dem alten Betriebssystem öffnet sich nicht sofort ein Scheunentor für Kriminelle und Geheimdienste. Doch je mehr Zeit vergeht, desto dringender wird der Umstieg. Bislang stopft Microsoft Monat für Monat etliche Schwachstellen, über die Hacker sonst Daten erbeuten oder Schadsoftware installieren könnten. Bleiben diese Patches aus, steigt das Risiko täglich.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät Nutzern deshalb, auf aktuellere Betriebssysteme umzusteigen. "Da öffentlich bekannte Schwachstellen nicht mehr geschlossen werden, birgt die weitere Nutzung von Windows 7 hohe Risiken für die IT-Sicherheit", heißt es. Das gelte insbesondere für Geräte, die mit dem Internet verbunden seien.

Was können Windows-7-Nutzer tun?

Es gibt drei Möglichkeiten: gar nichts tun, Linux installieren oder auf Windows 10 wechseln. Die erste Variante ist die schlechteste. Wer partout nicht umsteigen will, sollte besonders vorsichtig sein, wenn er unbekannte Webseite öffnet, Dateien herunterlädt oder Anhänge öffnet. Selbst diese Maßnahmen helfen aber nur zum Teil, über kurz oder lang werden Angreifer Sicherheitslücken finden.

Die meisten Alltagsaufgaben lassen sich mit Linux genauso gut erledigen wie mit Windows. Ein solches System eignet sich für Menschen, die Erfahrung mit Technik haben oder bereit sind, etwas Zeit zu investieren. Einfacher ist es, in der Microsoft-Welt zu bleiben. Offiziell ist die Frist für das Gratis-Upgrade zwar schon seit Jahren abgelaufen. Tatsächlich funktioniert das Upgrade aber immer noch kostenlos mit einer Seriennummer von Windows 7.

Wie funktioniert der Umstieg?

Windows-7-Nutzer können ihr Betriebssystem automatisch aktualisieren lassen oder Windows 10 neu installieren. Beim Upgrade bleiben Programme und Daten erhalten, auch die meisten Einstellungen werden übernommen. Allerdings kann es zu Problemen mit veralteten Treibern kommen.

Eine Neuinstallation ist deshalb die saubere Lösung, bei der keine Reste des alten Systems übrig bleiben. Dafür müssen Nutzer die Installationsdateien auf einem USB-Stick speichern, den Rechner neustarten und den externen Datenträger als sogenanntes Bootlaufwerk auswählen. Wichtig in beiden Fällen: vorher alle Daten sichern.

Warum wird Windows 7 noch genutzt?

Den Upgrade-Aufforderungen konnte niemand entkommen: Erst kamen Erinnerungen, dann zunehmend penetrante Pop-ups, von denen sich viele Menschen bevormundet fühlten.

Microsoft ist zum Teil selbst schuld, dass es zu solch radikalen Methoden greifen musste. In der Anfangszeit kam Windows 10 mit fragwürdigen Voreinstellungen: Standardmäßig wurden eine Menge Daten an Microsoft übertragen. Verbraucherzentralen rüffelten Microsoft, Medien warnten vor dem "Spion im Wohnzimmer". Das war übertrieben, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Diesen schlechten Ruf ist Windows 10 immer noch nicht ganz losgeworden. Datenschützer gehen davon aus, dass Behörden, Schulen und Universitäten gegen den Datenschutz verstoßen, wenn sie Microsoft-Software nutzen. Auch normale Nutzer können nicht völlig verhindern, dass sogenannte Telemetriedaten übertragen werden.

Immerhin bündelt Microsoft die wichtigsten Datenschutzoptionen in einem separaten Punkt in den Einstellungen. Wer dort die Werbe-ID deaktiviert und die meisten Schalter auf "Aus" stellt, kann Windows 10 nutzen, ohne sich allzu große Sorgen um seine Privatsphäre machen zu müssen.

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