Wetter-Apps Warum Wetter-Apps oft falsch liegen

Manche Menschen verlassen sich auf Wetterprognosen einer App, bevor sie das Haus verlassen.

(Foto: Josep Lago/AFP)
  • Wetter-Apps sind unterschiedlich genau, die Suche nach der zuverlässigsten App gestaltet sich oft schwierig.
  • Das liegt vor allem an den verwendeten Daten: US-Wetterdaten sind oft weniger genau als die globalen Modelle des Deutschen Wetterdienstes.
  • Die DWD-Daten kosten allerdings meist Geld - weshalb die genaueren Apps oft nicht kostenlos verfügbar sind.
Von Caspar von Au

Wenn die ersten Schneeflocken vom Himmel taumeln, wenn der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Unwetterwarnung ausruft oder wenn einfach nur Ferienbeginn ist, dann stürmt eine Gruppe von Apps in den Charts nach oben: Die Wetter-Apps. Auf den meisten Smartphones ist eine Wetter-App schon vorinstalliert. Wem die nicht genügt: Es gibt Wetter-Apps speziell für Skifahrer, für Landwirte und für Segler. Es gibt Apps, in denen Hundewelpen oder Kätzchen je nach Wetterlage glücklich oder traurig vom Smartphone-Bildschirm blicken. Was aber sollte eine Wetter-App wirklich können? Warum regnet es, obwohl meine App behauptet, es hätte draußen 21 Grad und Sonnenschein?

"Eine gute Wettervorhersage muss vor allem aktuell sein und für den Standort des Nutzers stimmen", sagt Diplom-Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität (FU) Berlin. Was zunächst nach Binsenweisheit klingt, ist keineswegs selbstverständlich. Wie gut die Wettervorhersage ist, hängt davon ab, woher die Wetterdaten für die App stammen.

Entscheidend für Wetter-Apps ist die Datenbasis

Dazu muss man verstehen, wie eine Wettervorhersage grob entsteht: Jede Prognose, die über 24 Stunden hinausgeht, beruht zunächst auf einem globalen Wettermodell. Das Modell ist notwendig, um aus den Hoch- und Tiefdruckgebieten, die oft Tausende Quadratkilometer groß sind, eine lokale Prognose zu berechnen. Dafür wird eine Art Gitter auf die Wetterkarte gelegt; je feiner die Maschen des Gitters sind, desto präziser ist die lokale Wettervorhersage. Die drei für Vorhersagen in Deutschland am häufigsten genutzten globalen Wettermodelle sind das sogenannte amerikanische Wettermodell (GFS), das europäische Wettermodell (ECMWF) und das deutsche Wettermodell (ICON).

Die App-Anbieter erhalten von den Wetterdiensten vorberechnete globale Wetterdaten. Der Anbieter hat dann zwei Möglichkeiten: Entweder berechnet er aus den numerischen Daten der Wettermodelle eine Vorhersage, die jeweils an die lokalen Begebenheiten angepasst ist. Jeder Wetteranbieter hat dafür sein eigenes Verfahren, genannt "Model Output Statistics" (MOS). Oder er visualisiert nur die Daten des globalen Modells. "Das ist die schlechteste aller Lösungen", sagt Dümmel. Das ist immer dann der Fall, wenn von einem "Direct Model Output" (DMO) gesprochen wird. Dabei hat das amerikanische Modell einen entscheidenden Vorteil vor allem für kleinere Firmen: Die Daten stehen für jedermann kostenlos zur Verfügung. Gleichzeitig ist es aber auch am ungenauesten, denn die Maschen für die Berechnung sind etwa 20 Kilometer groß. "Da rutscht ein Sommergewitter schon mal durch", sagt Uwe Kirsche vom DWD. Das ICON-Modell dagegen, das der DWD berechnet und verkauft, böte europaweit eine Auflösung von sieben Kilometern, für Deutschland seien es sogar nur zwei bis drei Kilometer pro Masche. Es ist damit viel genauer als das amerikanische Wettermodell.

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Da die Wetterdaten des ICON-Modells jedoch Geld kosten, schrecken viele Anbieter davor zurück. Dazu kommt: Viele Wetter-Apps, wie die vorinstallierten Apps bei Android und iOS, kommen von US-amerikanischen Entwicklern. Die berechnen die Vorhersage anhand des GFS-Modells, ohne dabei Rücksicht auf europäische Begebenheiten zu nehmen.

Welche Daten für eine gute Wettervorhersage?

Wetter-Apps haben gegenüber Wettervorhersagen, die man im Radio oder Fernsehen, auf Websites und in Zeitungen findet, einen entscheidenden Vorteil: Man kann das Wetter auch von unterwegs, vom Badesee oder von der Skipiste aus abrufen. "Nur ein Wolkensymbol reicht nicht, wichtiger zu wissen ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit Regen fällt", sagt Thomas Dümmel. Für ihn ist daher vor allem eine Funktion in Apps entscheidend: das Wetter- beziehungsweise Niederschlagsradar. "Das ist ein absolutes Muss."

Viele Apps haben bereits eine solche Radarfunktion eingebaut - so auch die App von Wetter Online, eine der am häufigsten heruntergeladenen Wetter-Apps in Deutschland. Das Wetterradar der App lässt die Nutzer zum einen ablesen, wohin die Regenwolken ziehen. Zum anderen kann man den Ist-Zustand auf dem Radar nachvollziehen. Das sei sehr wichtig, sagt Matthias Habel, Meteorologe bei Wetter Online. So könne der Nutzer feststellen, ob die App in der Lage ist, das aktuelle Wetter zu erfassen.

Aber außer Niederschlagswahrscheinlichkeit, Anzahl der Sonnenstunden und Temperatur, die man aus den meisten Apps ablesen kann, gibt es auch Wetterdaten, die in den meisten Prognosen in Deutschland keine Rolle spielen. "Die wichtigsten Daten werden überhaupt nicht verwendet", sagt Uwe Kirsche vom DWD. Als Beispiele nennt er Taupunkt und Luftdruck. Der Taupunkt bezeichnet diejenige Temperatur, an dem die relative Luftfeuchtigkeit hundert Prozent beträgt. Kennt man den Taupunkt, kann man zum Beispiel sagen, ob es Gewitter geben könnte oder ob es zu Bodenfrost kommt. Aus der Veränderung des Luftdrucks, also den Hoch- und Tiefdruckgebieten, kann man wiederum ableiten, ob es in den kommenden Tagen stürmt oder nicht. Für viele Verbraucher offenbar zu detailliert: "Der normale Nutzer möchte einfach wissen: Stürmt's, regnet's? Wie warm ist es?", sagt Kirsche.