US-Wahl 2016 Wie Clinton die E-Mail-Affäre zum Verhängnis wurde

Ein Skandal gegen Dutzende. Aber der hat Clinton bis zum Ende begleitet.

(Foto: AFP)

Während Trump Skandale sammelte wie Fußballbildchen, hatte Clinton hauptsächlich mit einem Eklat zu kämpfen. FBI-Chef James Comey wurde dabei zum Königsmacher.

Von Marvin Strathmann

Der neue US-Präsident Donald Trump packt Frauen laut eigener Aussage gerne an die "Pussy", will eine Mauer zu Mexiko bauen, beleidigte die Eltern eines toten Soldaten, zahlt keine Steuern, wird von mehreren Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt, möchte Muslimen die Einreise verweigern und hat Probleme mit seiner Stiftung.

Das sind nicht einmal alle Skandale, die Trump in seinem Leben angehäuft hat. Sie dürften ausreichen, um die Karrieren vieler Politiker zu zerstören, aber Trump ist kein normaler Politiker. "Ich könnte jemanden erschießen und würde keine Wähler verlieren", prahlte er im Januar. Das hat er dann doch nicht ausprobiert.

Trumps Gegnerin Hillary Clinton erlebte dagegen während des Wahlkampfes nur einen Skandal, doch der hat wohl dazu beigetragen, dass sie nun nicht Präsidentin wird: die E-Mail-Affäre.

Clinton war von 2009 bis 2013 Außenministerin der Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit war sie beruflich per Mail unter hdr22@clintonemail.com zu erreichen, das ist eine private Adresse, die über einen privaten Server bei ihr in New York gelaufen ist. Zusätzlich nutzten enge Vertraute von ihr eine private E-Mail-Adresse, statt einer staatlichen. Und das ist ein Problem.

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Kein Zugriff auf Dienst-E-Mails

Denn Briefe und E-Mails, die Bundesbeamte erhalten und verschicken, sind amtliche Unterlagen. Sie werden archiviert und können dann beispielsweise von Journalisten eingesehen werden, solange sie nicht als geheim gelten. Außerdem gelten staatliche Adressen als sicherer und generell besser gegen Angriffe von Hackern geschützt.

So konnte das Außenministerium beispielsweise nicht auf Clintons E-Mails zugreifen, als sie 2014, nach Ende ihrer Amtszeit, zum Anschlag in Bengasi befragt wurde. Zwei Jahre zuvor wurde in der libyschen Stadt unter anderem der US-Botschafter getötet, die Republikaner drängten darauf, Clintons Verantwortung zu klären. Ihre Anwälte mussten ihr Postfach durchgehen und übergaben 30 000 Arbeits-E-Mails an das Ministerium. Die privaten Mails löschten sie aber, es waren mehr als 30 000. Sie hatten die Kontrolle darüber, was öffentlich wurde und was nicht.

Im März 2015 machte die New York Times die E-Mail-Affäre publik, mit einem Artikel auf der Titelseite. "Clinton ist nicht die erste Regierungsbeamtin - oder die erste Außenministerin - die einen privaten E-Mail-Account für Amtsgeschäfte nutzt", heißt es in dem Artikel. "Aber dass sie nur ihre private E-Mail verwendet hat, erscheint unüblich."

Bequemlichkeit war schuld

Warum also verhielt sich Clinton unüblich? Aus Bequemlichkeit, gab sie auf einer Pressekonferenz an, nachdem der Times-Artikel erschienen war. Sie wolle nicht immer zwei Geräte dabei haben, eines für private E-Mails, eines für staatliche. Außerdem habe ihr das Außenministerium erlaubt, ihren privaten Server zu nutzen. Diese Bequemlichkeit hatte weitreichende Folgen. Clinton wurde die E-Mail-Affäre im Wahlkampf nicht los.

Während ihr innerparteilicher Rivale Bernie Sanders die Clinton-E-Mails kaum erwähnte, wurden sie für Trumps Kampagne zu einem Hauptkritikpunkt an seiner Gegnerin: "Ich sag Ihnen eins: Hillary Clinton muss in den Knast", forderte der republikanische Kandidat immer wieder und drohte ihr offen bei einem TV-Duell: Wenn ich Präsident wäre, wärst du im Gefängnis.

Aber war Clintons Verhalten kriminell? Das FBI untersuchte die Affäre und gab im Juli Entwarnung: Clinton sei zwar sehr leichtsinnig mit ihren Mails umgegangen, aber für eine Anklage reiche das nicht. Sie habe nicht absichtlich das Gesetz gebrochen. Das ist nicht gut für einen Präsidentschaftskandidaten, aber damit war der Fall eigentlich abgeschlossen. Nicht für Trump.

Die unehrliche Hillary

Das System sei manipuliert, beklagte er auf Twitter:

Und nicht nur dort. Die Demokratin nannte er da oft nur noch "crooked Hillary", die unehrliche Hillary, und verwies immer wieder auf die E-Mail-Affäre. Dass das FBI sie entlastet hatte, interessierte ihn weniger. Auch die Merhheit der Amerikaner hält Clinton für nicht vertrauenswürdig. Die Geheimniskrämerei um ihre E-Mails hat da nicht geholfen.

Tatsächlich flammte die Affäre erneut auf. Knapp eine Woche vor der Wahl schickte FBI-Chef James Comey einen Brief an die Mitglieder des Kongresses und informierte sie über neue E-Mails, die im Rahmen der Affäre aufgetaucht sein sollen. An der Einschätzung des FBIs änderten die neuen E-Mails nichts: Hillary Clinton sei keine Kriminelle, teilte Comey am Sonntag mit. Da war der Schaden für Clinton allerdings schon angerichtet. Nach dem ersten Comey-Brief sanken ihre Umfragewerte. Gestern Nacht hat sie die Wahl verloren.

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