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Tim Sweeney:"Fortnite" brachte ihm Milliarden

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"Für meine ersten 19 Dollar im Software-Geschäft habe ich 18 000 Stunden programmieren müssen", sagt Tim Sweeney.

(Foto: John G. Mabanglo/DPA)

Das ultra-erfolgreiche Videospiel feiert seinen ersten Geburtstag. Das freut auch den genügsamen Gründer Tim Sweeney, der einst für 18 000 Stunden programmieren 19 Dollar bekam.

Es geziemt sich anlässlich eines Jahrestages, den Jubilar zu beschenken, mit einem Kuchen vielleicht oder mit Klamotten, man könnte zur Feier des Tages auch einen Tanz aufführen. In der virtuellen Welt der Videospiele ist das nicht so einfach, und vielleicht hat sich der amerikanische Spielehersteller Epic auch deshalb dazu entschlossen, zum ersten Geburtstag seines Mega-Erfolges "Fortnite" die Klassiker zu verteilen: Wer das Spiel am Dienstag startete, der bekam einen Kuchen und Klamotten, und er wurde aufgefordert, während der Spielrunden ein bisschen zu tanzen.

Seit einem Jahr gibt es "Fortnite", seit September vergangenen Jahres die Version "Battle Royale", bei der 100 über das Internet verbundene Spieler auf einer postapokalyptischen Insel landen, der letzte Überlebende gewinnt die Runde. Der Clou dabei: Diese Version ist kostenlos, mehr als 125 Millionen Menschen weltweit haben sie mittlerweile heruntergeladen. Epic hat bislang dennoch mehr als 1,2 Milliarden Dollar eingenommen, weil die Leute Klamotten und Tänze kaufen, die zwar keine Vorteile bringen, aber witzig sind und mittlerweile schon Teil der Popkultur: Der Fußballer Antoine Griezmann zum Beispiel feierte seinen Treffer im WM-Finale mit dem "Fortnite"-Tanz "Take the L".

Epic könnte alleine mit "Fortnite" in diesem Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar einnehmen, insgesamt soll der Umsatz auf 8,5 Milliarden Dollar wachsen. Der Wert des nicht börsennotierten Unternehmens, an dem sich der chinesische Medienkonzern Tencent zu 40 Prozent beteiligt hat, wird von Finanzexperten inzwischen auf etwa acht Milliarden Dollar geschätzt, bis Ende des Jahres könnten es angesichts der prognostizierten "Fortnite"-Einnahmen 14 Milliarden Dollar sein. Das bedeutet: Gründer Tim Sweeney hat sich zum Geburtstag von "Fortnite" selbst beschenkt, er ist nun mehrfacher Milliardär.

Stundenlohn von einem Zehntelcent

Sweeney, 47, stammt aus dem Kaff Potomac im US-Bundesstaat Maryland, er hat sich das Programmieren selbst beigebracht und die Firma im Keller seines Elternhauses auch deshalb gegründet, weil es ihn ärgerte, dass er als Angestellter genauso viel verdiente wie seine Kollegen, obwohl er mehr konnte und härter arbeitete. Er entwickelte und verschickte Computerspiele, über seinen ersten Verdienst in der Branche sagte er später: "Für meine ersten 19 Dollar im Software-Geschäft habe ich 18 000 Stunden programmieren müssen." Das war ein Stundenlohn von einem Zehntelcent.

Er machte weiter und suchte weltweit nach Gleichgesinnten, die dezentral programmierten und sich nur zur Fertigstellung eines Produktes in der Kleinstadt Cary im Bundesstaat North Carolina trafen. Dort ist heute der Firmensitz. Warum das so ist, begründet Tim Sweeny so: "Von ihrem Gehalt können sich die Leute hier ein schönes Häuschen kaufen, in Los Angeles müssten sie in einer Ein-Zimmer-Wohnung leben." Er mag keine teuren Sachen, er trinkt am liebsten ein Cola-Wasser-Gemisch und holt sich sein Essen in einem Burger-Schnellrestaurant. Einen Sportwagen kaufte er sich nur deshalb, um "schneller in der Arbeit zu sein", sein Geld investiert er in Wälder in North Carolina mit dem Ziel, die Natur vor dem Menschen zu schützen.

Epic war bereits vor "Fortnite" erfolgreich mit Produkten wie "Unreal", "Gears of War" und "Infinity Blade". Die Plattform "Unreal Engine", auf der zahlreiche legendäre Spiele entwickelt wurden, wird im "Guinness Buch der Rekorde" als die erfolgreichste der Geschichte geführt. Sweeney selbst ist kein Zocker. Er entwickelt lieber Spiele, die derart erfolgreich sind, dass er es sich locker leisten kann, zum Jahrestag ein paar Geschenke an die Kunden zu verteilen.

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