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Technik:Dieses Google-Handy könnte das bessere iPhone werden

Google Inc. Product Launch Event

Google-Managerin Sabrina Ellis stellt in San Francisco die neuen Pixel-Smartphones vor.

(Foto: Bloomberg)
  • Google hat sein neues Smartphone vorgestellt: Das Pixel-Phone.
  • iPhone-Nutzer können alle Kontakte, Fotos, Videos, Nachrichten, Termine und sogar iMessages auf ihr Pixel übertragen. Ein Adapter dazu liegt jedem Pixel-Phone bei.
  • Im Google-Store kostet das 5-Zoll-Gerät mit 32 Gigabyte 759 Euro, die größere 5,5-Zoll-Variante mit 128 Gigabyte liegt bei 1009 Euro.

Von Simon Hurtz

Ein Satz reichte Steve Jobs, um Fans und Konkurrenten gleichermaßen nervös zu machen. Wenn der frühere Apple-Chef auf der Bühne "one more thing" ankündigte, löste das Vorfreude bei potenziellen Käufern und Anspannung bei anderen Tech-Firmen aus. Denn eines war klar: Gleich würde er ein Produkt präsentieren, das die Welt so noch nicht gesehen hatte.

Diese Zeiten sind lange vorbei. Die größte Überraschung der vergangenen Apple-Keynote war Shigeru Miyamoto. Der Super-Mario-Schöpfer entzückte Nintendo- und Apple-Fans, als er eine iOS-Version seines Spiels versprach. Kein Tech-Blog hatte zuvor darüber berichtet, das war eine echte Überraschung. Der Rest der Keynote dagegen entsprach exakt den Erwartungen. Nahezu jedes Detail des neuen iPhones war zuvor enthüllt worden, die Leaker hatten ganze Arbeit geleistet.

Mit diesem Schicksal ist Apple nicht alleine. Seit Monaten spekuliert das Netz über Googles neueste Smartphones. Bereits im April kursierten die internen Codenamen, nach und nach folgten Fotos, technische Details und schließlich der offizielle Name: Google beerdigt die Nexus-Reihe und nennt seine neuen Smartphones "Pixel". Doch auch ohne großen Überraschungseffekt ist das Pixel-Phone das wichtigste Stück Hardware, das Google bislang gebaut hat - und außerdem eine Kampfansage an Apple.

Wenige Sekunden reichten Google-Managerin Sabrina Ellis, um das deutlich zu machen. Schon immer sei es für die Nutzer schwer gewesen, von einem mobilen Betriebssystem zum anderen zu wechseln, sagte sie am Ende der Vorstellung. Das ändere sich nun: iPhone-Nutzer könnten alle Kontakte, Fotos, Videos, Nachrichten, Termine und sogar iMessages auf ihr Pixel übertragen, ein entsprechender Adapter liege jedem Gerät bei. Die Kamera ruhte in diesem Moment nicht auf ihrem Gesicht, doch das Grinsen war Ellis anzuhören.

Sieben Stunden Akkulaufzeit in 15 Minuten laden

Doch warum sollten Apple-Fans ihr geliebtes iPhone überhaupt gegen ein Android-Handy tauschen? Googles Hardware-Chef Rick Osterloh hat dafür mehrere Gründe genannt. Der unwichtigste sind die Details der Hardware. Prozessor (Snapdragon 821 SoC), Arbeitsspeicher (4 Gigabyte), Displaygröße (5 bzw. 5,5 Zoll) und Akku (2770 bzw. 3450 mAh) entsprechen anderen Oberklasse-Smartphones, die genauen Spezifikationen lassen sich auf der Webseite nachlesen. Ohnehin kauft 2016 kaum noch jemand ein Smartphone, weil sich die Technik auf dem Papier so überzeugend liest - entscheidend ist die Praxis.

In Sachen Hardware konzentrierte sich Google während der Vorstellung auf zwei Dinge: Dank Rapid-Charge-Funktion soll der Akku innerhalb einer Viertelstunde genug Energie tanken, um anschließend sieben Stunden durchzuhalten. Falls diese Angaben stimmen, wäre das in vielen Alltagsituationen tatsächlich eine große Erleichterung.

Ähnlich wie Apple bei der Präsentation des iPhone 7 legte Google großen Wert auf die Kamera. Glaubt man dem Ergebnis des Tests von DxO-Labs, schießt das Pixel die besten Fotos aller Smartphones auf dem Markt. 89 Punkte bedeuten den bislang höchsten Wert, das iPhone 7 etwa erreichte 86 Punkte. In der Tat sehen die Beispielfotos beeindruckend aus, insbesondere HDR+, die Video-Stabilisierung und die Geschwindigkeit der Kamera wirkten überzeugend. Um die Qualität zuverlässig zu beurteilen, sind aber eigene Tests nötig.

Der Google Assistant als Helfer in allen Lebenslagen

Google ist eine Software-Firma, und dementsprechend sind weder Akku noch Kamera die entscheidenden Argumente für das Pixel. Der Google Assistant ist nahtlos in das Smartphone integriert und soll zum nützlichen Helfer in allen Lebenslagen werden. Pizza bestellen, einen Tisch im Restaurant reservieren, einen Begriff bei Wikipedia nachschlagen, all das soll mit wenigen Klicks oder auf Wunsch auch per Sprachsteuerung funktionieren. Auf der Bühne sah das kinderleicht aus, doch wie sich die Funktion im Alltag schlägt, ist noch unklar.

Mit "Google Now" versuchte das Unternehmen in der Vergangenheit bereits, den nahezu unendlichen Wissensschatz von Googles Websuche und persönliche Daten der Nutzer - etwa Kalendereinträge, Informationen aus privaten E-Mails oder dem Browser-Verlauf - miteinander zu kombinieren und deren Leben zu vereinfachen. Der Versuch war mäßig erfolgreich. Google Now lieferte zwar durchaus brauchbare Antworten, der Durchbruch blieb aber aus.

Unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und Videos

Während ungewiss ist, wie viele Menschen mit dem Google Assistant sprechen wollen, wird ein anderes Feature kurzfristig wohl einen deutlich höheren Marketing-Wert haben. Wer ein Pixel kauft, erhält unbegrenzten Speicherplatz für alle Fotos und Videos. Bislang galt das nur für komprimierte Bilder, Pixel-Besitzer können so viele 4K-Videos in die Cloud laden und dort sichern, wie sie wollen. Falls die Kamera hält, was Google verspricht, könnte das Pixel-Phone für viele Hobby-Fotografen die Kompaktkamera ersetzen - die dürften entsprechend dankbar sein, ihre Fotos nicht lokal auf dem Smartphone speichern zu müssen.

Der Speicherplatz nämlich ist nicht allzu üppig bemessen. Im Gegensatz zum iPhone steht keine Variante mit 256 Gigabyte zur Auswahl. Die Einstiegsversion bietet 32, das größere Modell 128 Gigabyte. Das Smartphone gibt es in Schwarz ("Quite Black") und Silber ("Very Silver"), auf der Bühne zeigte Google auch ein blaues Modell ("Really Blue"), das bislang aber nicht im Webshop gelistet ist. Deutsche Kunden können das Pixel bereits vorbestellen, die Preise bewegen sich auf dem Niveau der neuen iPhones. Im Google-Store kostet das 5-Zoll-Gerät mit 32 Gigabyte 759 Euro, die größere 5,5-Zoll-Variante mit 128 Gigabyte liegt bei 1009 Euro.

Spitzen-Hardware, Spitzen-Preise

Diese Preise zeigen, dass Google eindeutig auf den High-End-Markt abzielt. Während die Nexus-Reihe früher Spitzen-Hardware zu Mittelklasse-Preisen bedeutete (das Nexus 6P bestätigt als Ausnahme die Regel), passt sich Google jetzt den direkten Konkurrenten Apple und Samsung an. Für das Pixel-Phone hat Google mit HTC zusammengearbeitet, davon war auf der Bühne aber kein Wort zu hören. Die Nexus-Geräte wurden offensiv als Kooperationen mit unterschiedlichen Herstellern wie LG, Motorola oder Huawei vermarktet, das Pixel ist nur noch als Google-Gerät erkennbar (das soll auch der Grund gewesen sein, warum Huawei, angeblich Googles bevorzugter Partner, die Zusammenarbeit beendet hat).

Viele Tech-Nerds halten Nexus-Smartphones für die besten Android-Handys. Samsung mag bessere Hardware bauen, doch verzögerte oder komplett ausbleibende Updates sowie die veränderte Oberfläche des Betriebssystems schreckten die meisten Geeks ab. Trotzdem eroberte die Nexus-Serie nie den Massenmarkt. Software-Details sind für technisch weniger versierte Nutzer kein Entscheidungskriterium beim Kauf. Außerdem mussten die Geräte im Google-Store gekauft werden und waren nur teilweise zusammen mit Mobilfunkverträgen direkt bei den Providern erhältlich.

Das Pixel soll all das ändern: Es verbindet Premium-Hardware mit einer puren Android-Version (das erste Smartphone mit Android 7.1), bietet die schnellsten Software-Updates und wird auch von Mobilfunkanbietern angeboten (Verizon in den USA, Telekom in Deutschland). Es ist in jeder Hinsicht eine Annäherung an Apple. Leider auch beim Preis.

© SZ.de/fie
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