bedeckt München 21°
vgwortpixel

System-Administrator:"Haben Sie schon mal einen Neustart versucht?"

Obama Outlines Policy For Open And Free Internet

System-Administratoren müssen genau wissen, wie die IT-Systeme in einem Unternehmen aufgebaut sind. (Symbolbild)

(Foto: AFP)

System-Administratoren halten unsere Computer am Laufen, aber selten wird ihnen dafür gedankt. Deshalb haben sie ihren eigenen Feiertag erfunden. Aus diesem Anlass sprach die SZ mit dem Chef ihrer eigenen SysAdmins.

Sie stehen oft im Schatten anderer Mitarbeiter, dabei kümmern sie sich darum, dass die Mitarbeiter einer Firma ihre Computer überhaupt benutzen können: System-Administratoren. Im Jahr 2000 beging der Chicagoer System-Administrator Ted Kekatos zum ersten Mal den SysAdmin Appreciation Day - den Tag der Wertschätzung dieses Berufs. Wie Kekatos einst erzählte, entstand der Feiertag eigentlich als wenig ernst gemeinte Reaktion auf ein Werbeplakat von Hewlett-Packard. Es zeigte einen SysAdmin an seinem Schreibtisch, hinter ihm eine lange Schlange von Menschen, die sich mit Fruchtkörben und Kuchen für die Installation neuer Drucker bedanken wollten. Kekatos setzte eine Webseite auf und verschickte Mails, die den Tag ankündigten. Heute ist der "Feiertag" eine feste Größe im Kalenderjahr vieler IT-Kenner, besonders in Russland.

Christian Queißner, 39, war lange Jahre Systemadministrator, und leitet heute das Competence Center Infrastruktur und Helpdesk des SZ-Mutterkonzerns SWMH, er ist also sozusagen Systemadministrator-Administrator. Anlässlich des Feiertags spricht er mit der SZ über die Klischees und Realität des Berufs.

Herr Queißner, heute ist SysAdmin Appreciation Day. Was könnten Menschen in Unternehmen tun, um das Leben eines SysAdmins zu verbessern?

Ihn in Ruhe lassen. Vor zwanzig, dreißig Jahren war der SysAdmin der Halbgott in Weiß. Er saß an seinem Schreibtisch, war der alleinige Herr über sämtliche IT-Systeme, da war das Thema auch noch so weit weg, dass Privatnutzer damit nichts anfangen konnten. Hardware hat Millionen D-Mark gekostet. Und überspitzt formuliert: Wenn das Telefon klingelte, hat der SysAdmin erst mal überlegt: "Geh ich da jetzt ran? Weil eigentlich hab ich ja in drei Stunden Feierabend." Damals waren die Gehälter noch höher als heute und man hatte eine mächtige Monopolstellung. Das wandelt sich seit mehreren Jahren. Es gibt mehr Menschen, die den Job machen wollen, da muss ich als SysAdmin auch umgänglicher werden. Und ich muss besser erklären, was ich mache.

Heißt das, Kunden und Endnutzer stellen heute häufiger die Autorität infrage?

Das würde ich behaupten. Auch Fachbereiche im Unternehmen wollen mitreden, und die haben heute ihre eigenen Spezialisten, die ihre Meinung klarmachen. Das Leben des System-Administrators ist härter geworden.

Christian Queißner

Christian Queißner, Leiter Competence Center Infrastruktur und Helpdesk in der SWMH

(Foto: SWMH)

Was macht denn ein SysAdmin den ganzen Tag?

Ein SysAdmin überwacht, ob in der IT irgendwelche Fehler auftreten. Das ist Routine. Er kümmert sich auch um den Alarm, wenn nachts etwas passiert. Er muss auch schauen, dass die Systeme und Daten gut abgesichert sind, und dass die Software regelmäßig aktualisiert wird. Das System muss immer so aktuell sein, dass niemand von außen Schwachstellen ausnutzen kann. Und sonst kommt es eben darauf an, was gerade ansteht. Muss ich Systeme erweitern, mit ihnen "umziehen", komplett neu aufsetzen, brauchen sie mehr CPU, RAM oder Festplatte?

Wann ist der Job aufregend?

Immer dann, wenn Probleme entstehen. Wenn in unserer Branche - wir betreuen ja eine Tageszeitung - um 17 Uhr das Redaktionssystem "Hermes" ausfällt, dann ist Adrenalin im Spiel. Die IT-Leitung macht einen Handstand, die Redaktion macht einen Handstand, und der SysAdmin hat die Scherben vor sich und muss sich irgendetwas einfallen lassen, damit das System wieder läuft.

Sind Hackerangriffe auch aufregend?

Natürlich ist es "spannend", wenn Fremde mein System korrumpieren, egal auf welche Weise. Ob von außen, von innen oder mit Schadcode, den sie einschleusen. Dann geht es darum, den Fremden schnellstmöglich wieder rauszuschmeißen und dann natürlich auch die Frage zu stellen: "Was hat er eigentlich gemacht, kommt er wieder rein, hat er etwas mitgenommen oder zerstört, oder ist er von diesem System auf andere Systeme gesprungen?"

Wie oft passiert so etwas?

Ich kenne keine konkreten Zahlen, aber im Idealfall: nie. Da ist der SysAdmin nur so gut wie die Systeme, die er unter sich hat. Es kommt darauf an, wie aktuell sie sind, wie gut die Firewalls und andere Sicherheitseinrichtungen, und wie sinnvoll die Security-Policy des Unternehmens ist, also: Wer hat welche Privilegien im System, solche Dinge.

Gibt es den supernerdigen Klischee-System-Admin eigentlich noch?

Sagen wir so: Die Pferdeschwanzdichte unter Männern ist unter SysAdmins sicher auch heute noch höher als im Rest der Bevölkerung.

Wie hoch ist denn der Männeranteil in dem Beruf heute?

Ich würde sagen 95 Prozent.

Woran liegt das?

Ich glaube, IT ist nicht sexy.

IT-Administratoren würden das wohl anders sehen.

Es hat eben etwas "Männliches", also in Anführungszeichen, es ist sehr technisch, es ist nerdig, man muss nicht aus dem Haus gehen, man kann alles virtuell machen.

Was macht denn einen guten SysAdmin aus?

Natürlich muss man sich gut mit seinem Thema auskennen, ob das Server-, Speichersysteme oder Applikationen, also Programme sind. Aber ein guter SysAdmin muss heutzutage auch verstehen, was der Kunde möchte, und in der Lage sein, sein technisches Know-how auf eine Ebene zu bringen, auf der es ein nichttechnischer Mensch versteht.

Leute, die Informatik studieren, können Hacker, Cybersicherheits-Experte, Entwickler oder SysAdmin werden. Wie viele werden denn SysAdmin?

Immer weniger. Ich würde behaupten, dass der Beruf in den nächsten Jahren viel seltener werden wird. Weil die ganzen Großen, also die Microsofts, die Googles und so weiter Cloud-Services anbieten. Da können Sie sich dann die notwendige Software oder IT-Infrastruktur über die Cloud mieten. Das heißt, ich als Unternehmen brauche keinen eigenen Hardcore-Administrator mehr, der mir auf Bit und Byte etwas bereitstellt. Ich geh einfach zu Microsoft und sage: "Ich brauche eine Datenbank, die muss so und so aussehen." Diese Konzerne haben dann schon noch ihre Administratoren, aber die einzelnen Unternehmen brauchen sie nicht mehr.

Das heißt: Der Systemadministrator stirbt aus?

Nein, das ist zu schwarz-weiß. Der kleine Handwerker ums Eck kann heutzutage seine E-Mail und sein Office aus der Cloud nutzen, genauso wie File- und Druckserver, wozu er früher einen ITler gebraucht hätte. Der SysAdmin von morgen wird spezialisierter sein - und er wird nur noch in wirklich großen Unternehmen zum Einsatz kommen.

Hat auch die Politik das Leben der SysAdmins schwerer gemacht?

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat schon dazu geführt, dass ich jetzt aufpassen muss: Habe ich denn persönliche Daten? Ich muss noch mehr schauen, wie gut gesichert die sind. Ich muss auf Anonymisierung achten und Logdaten - also wer wann was im System gemacht hat - nach einer gewissen Zeit löschen. Das ist Mehraufwand. Ich sage nicht, dass man die DSGVO zurücknehmen sollte, aber das ist natürlich ein Thema, das aus der Politik kam und das hat nicht bei allen System-Administratoren Freude ausgelöst. Die mussten aus ihrer Komfortzone raus und das System entsprechend anpassen.

Worüber lachen denn SysAdmins? Also, was ist Ihr Lieblings-SysAdmin-Witz?

Der beste Witz ist: "Ich mach das mal schnell", direkt gefolgt von: "Da kann eigentlich nichts passieren."

Sind das Antworten auf Fragen oder ist das ein alleinstehender Satz?

Stellen Sie sich vor: Sie wollen das neue Microsoft Office installieren, rufen Ihren SysAdmin an und der sagt: "Ja, ich mach das jetzt schnell."

Und dann lachen alle SysAdmins außen rum?

Und sechs Stunden später ist er immer noch dabei, Ihr Office aufzusetzen. Weil manche Dinge sehr einfach scheinen und trotzdem ewig dauern.

Eine Frage, die viele umtreibt: Hilft es wirklich meistens, den Computer einfach aus- und dann wieder einzuschalten?

Ja. Es heißt ja nicht umsonst: "Reboot tut gut." Denn Sie haben ein System, und das läuft und läuft und es werden Daten verarbeitet, Dinge in den Speicher geladen, wieder gelöscht. Ein System stürzt auch mal ab. Und dann hängen Fragmente in den laufenden Systemen. Wenn sie das System runterfahren und Speicherbereiche dadurch gelöscht werden, ist das System erst einmal wieder jungfräulich. Das löst natürlich nicht alle Probleme, aber "Haben Sie schon mal einen Neustart versucht?", ist immer noch eine wichtige Frage.

Müssen Sie auch die IT-Systeme all Ihrer Freunde reparieren?

Egal, was Sie in der IT machen, Familie, Verwandte, Freunde - alle kommen mit ihren Problemen: "Mein Virenscanner macht da was, ich krieg die Datei nicht auf, mein Internet ist so langsam, kannst du mir mal meinen Apple-Account von A nach B schieben?" Und das Argument ist: "Du kennst dich ja mit Computern aus." Meine Eltern haben sich einen neuen Smart-Fernseher gekauft und rufen an und sagen: "Du musst das doch können, du kennst dich doch mit Computern aus." Und ich sage: "Ja, aber das ist ein Fernseher." Aber wer sich für die Welt der IT entscheidet, muss damit klarkommen.

IT-Sicherheit Wenn der System-Administrator die Firma zerstören will

Gefahr durch Innentäter

Wenn der System-Administrator die Firma zerstören will

Serverdaten gelöscht, Webseiten offline, keine schnelle Reaktion möglich. Ein Fall aus Baden-Württemberg zeigt, wie schnell ein mittelständisches Unternehmen an den Rand seiner Existenz gebracht werden kann.   Von Hakan Tanriverdi