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Sony:Was die neue Playstation 4 Pro kann - und was nicht

Ist Sonys Neue eine verkappte Playstation 5? Müssen Spieler nach nur drei Jahren schon wieder eine neue Konsole kaufen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Das Timing war unglücklich: Am selben Abend, an dem Apple medienwirksam das iPhone 7 der Öffentlichkeit vorstellte, hatte auch Sony zu einer Produktpräsentation geladen. Seit Monaten gingen bereits Gerüchte durch das Internet, worum es bei der Veranstaltung gehen könnte: Eine neue Spielkonsole und der Name "Playstation Neo" machten die Runde. Viele Spieler waren verunsichert, ob sie nur drei Jahre nach dem Start der Playstation 4 schon wieder eine neue Konsole kaufen müssten, um die neuesten Spiele zu spielen. Bisherige Konsolengenerationen hatten einen Lebenszyklus von etwa sechs Jahren.

Jetzt hat Sony mit der "Playstation 4 Pro" eine neue Konsole vorgestellt, eine leistungsfähigere Version der bisher erhältlichen Playstation 4. Die soll zugleich in einer schlankeren, energieeffizienteren Variante neu auf den Markt kommen. Aus einer Konsole werden also zwei. Die Ängste der Spieler sind unbegründet - zumindest vorerst. Die neuen Konsolen im Überblick:

Warum gibt es jetzt zwei Playstation-4-Konsolen?

Die Playstation 4 (PS4) kam zu einer Zeit auf den Markt, als zwar schon in fast jedem Wohnzimmer ein HD-Fernseher stand, Fernseher in 4K-Auflösung aber fast nur auf Elektronikmessen zu finden waren. Inzwischen ist das anders, 4K-Fernseher und -Bildschirme sind zu erschwinglichen Preisen zu kaufen. Es gibt eine kleine, aber stetig wachsende Zahl von Nutzern, die diese höhere Auflösung auch nutzen wollen, beim Spielen oder Fernsehen. Sie möchte Sony mit der Playstation 4 Pro erreichen.

Viele Nutzer sind aber mit HD-Auflösung völlig zufrieden und empfinden den Unterschied zu 4K als vernachlässigbar. Für sie wird die Playstation 4 mit der Version ohne "Pro" im Namen in Zukunft günstiger sein. Nun wird sie in einer stromsparenden und kleineren Version verfügbar sein.

Was kann die teurere Konsole besser als die günstigere?

Sie ist ein leistungsfähigerer Computer. Prozessor und Grafikeinheit sind stärker, deshalb sollen Spiele darauf besser aussehen: höhere Auflösung, schärfere Kanten und Oberflächen, flüssigere Bewegungen. Außerdem hat Sony angekündigt, bald auch Spiele in sogenanntem HDR anzeigen zu können - Voraussetzung ist ein entsprechender Bildschirm. HDR steht für "High Dynamic Range" und bezeichnet Bilder mit besonders hohem Kontrast und satteren Farben. Das soll der Wahrnehmung des menschlichen Auges näherkommen. Mit dieser Funktion sollen per Software-Update aber auch bestehende Playstation-4-Konsolen nachgerüstet werden.

Also ist die Playstation 4 Pro doch das erste Gerät einer neuen Konsolengeneration?

Nein, zumindest noch nicht. Sony versichert, es solle keine Spiele geben, die nur auf der Pro-Version funktionieren. Alte Spiele können per Software-Update von der leistungsfähigeren Hardware Gebrauch machen, neue Spiele erhalten zusätzliche Grafikoptionen, die bei der Playstation 4 Pro zugeschaltet werden. Bei PC-Spielen ist es seit Jahrzehnten üblich, dass jeder Spieler die Optik eines Spiels so einstellt, wie sie für ihn am besten ist.

Das wird einige Zeit auch gut funktionieren, Sony wird die Spielehersteller in die Pflicht nehmen, sich daran zu halten, um nicht die eigene Marktbasis von derzeit mehr als 40 Millionen verkauften Konsolen zu splitten. Aber es bleibt abzuwarten, ob sich nicht dennoch allmählich ein Umstieg einschleicht: erst über zusätzliche Spielinhalte, die nur auf der PS4 Pro verfügbar sein werden, später über Spiele, die auf den schwächeren Konsolen nur noch notdürftig funktionieren, bis hin zu echten Exklusivtiteln der neuen Version.

Bis es so weit ist, gibt es aber eventuell ohnehin schon eine echte Playstation 5 - oder gar keine neue Konsolengenerationen im klassischen Sinn mehr. Denn Sonys PS4 Pro könnte das erste Produkt sein, das PC-ähnliche Upgrades auch für Spielkonsolen zum Standard macht.

Was ist mit Playstation VR? Brauche ich dafür eine PS4 Pro?

Hier gilt dasselbe wie bei den Spielen: erst einmal nicht. Sonys bestes Verkaufsargument ist, dass die hauseigene VR-Brille nur 400 Euro kostet und mit jeder einzelnen der Konsolen funktioniert, während die größten Konkurrenten Oculus Rift und HTC Vive jeweils etwa 800 Euro kosten und einen besonders leistungsfähigen PC erfordern, der erst ab etwa 1000 Euro zu haben ist. Sony dürfte also sehr daran interessiert sein, die Kompatibilität möglichst lange zu bewahren. Die stärkere Hardware der PS4 Pro wird aber wohl auch VR-Spielen zugutekommen.

Lohnt sich der Kauf der PS4 Pro?

Wer einen 4K-Fernseher besitzt und Wert darauf legt, neue Spiele in bestmöglicher Grafikqualität zu spielen, für den lohnt sich vermutlich sogar der Umstieg von PS4 auf PS4 Pro. Günstiger als ein vergleichbarer PC mit VR-Kapazitäten ist das in jedem Fall.

Das gilt auch für all jene, die bisher noch keine PS4 daheim haben und 100 Euro Aufpreis verschmerzen können: Auch wenn die Grafikunterschiede ohne 4K-Fernseher vermutlich kaum wahrnehmbar sein dürften, hat die Pro-Version ja auch noch einen optischen Audioanschluss, den praktischen dritten USB-Port und doppelte Festplattenkapazität.

Wer aber bereits eine reguläre PS4 und nur einen HD-Fernseher besitzt, der kann erst einmal beruhigt sein. Exklusive Spiele, normalerweise das beste Argument für eine neue Spielkonsole, wird es zumindest eine lange Zeit noch nicht geben. Bis dahin ist das gleiche Geld besser in die Playstation VR investiert, die im Oktober in den Laden kommt.

Playstation 4 und Playstation 4 Pro im Überblick

Playstation 4 Pro:

  • Erhältlich ab 10. November 2016
  • 399 Euro
  • Rechenleistung laut Hersteller etwa doppelt so stark wie die der normalen PS4
  • 4K-Auflösung und HDR für Spiele und Videos, beispielsweise über Netflix
  • Drei USB-Anschlüsse, einer davon auf der Rückseite, beispielsweise für Playstation VR
  • 1 Terabyte Speicher
  • Bis zu 310 Watt Stromverbrauch

Playstation 4 mit kleinerem Gehäuse:

  • Erhältlich ab 15. September 2016
  • 299 Euro
  • Rechenleistung identisch zur bisher erhältlichen PS4
  • HDR per Software-Update, auch für bisher erhältliche PS4
  • Zwei USB-Anschlüsse auf der Vorderseite
  • Kein optischer Digitalausgang (im Gegensatz zur bisher erhältlichen PS4)
  • 500 Gigabyte Speicher
  • Bis zu 165 Watt Stromverbrauch
© SZ.de/jab/jobr

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