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Prozess wegen Hacking und "Doxing":"Orbit" gesteht Cyber-Angriff auf Prominente

Amtsgericht Alsfeld

Der Prozess im Sitzungssaal 1 des Amtsgerichts Alsfeld findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Der junge Mann ist angeklagt, private Daten von mehr als 1000 Menschen ausspioniert und veröffentlicht zu haben, darunter Politiker wie Robert Habeck und Moderatoren wie Jan Böhmermann.

Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Hacker aus Hessen wegen eines Online-Angriffs auf mehr als 1000 Prominente und Politiker, darunter der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck und Moderator Jan Böhmermann, hat mit einer Aussage des Angeklagten begonnen. Der 22-Jährige habe die Taten in vollem Umfang gestanden und äußere sich dazu, sagte Oberstaatsanwalt Benjamin Krause von der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) im hessischen Alsfeld. Der Angeklagte muss sich dort vor dem Jugendschöffengericht unter anderem wegen des Ausspähens und der Veröffentlichung privater Daten verantworten (mehr dazu hier).

Krause sagte der SZ, der Angeklagte habe alle fünf Tatkomplexe eingeräumt und sich detailliert geäußert. Der Anwalt des Angeklagten hatte über das Gericht ausrichten lassen, dass dieser sich öffentlich nicht erklären möchte.

Der Prozess findet ohne Presse und Zuschauer statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt. Der Prozess sei besonders, auch wegen der großen Zahl Betroffener, sagte Krause. Nachdem im Vorfeld der Verhandlung von 1000 Opfern die Rede war, geht die Staatsanwaltschaft nun von 1500 Geschädigten aus.

Der Fall hatte Anfang 2019 bundesweit Aufsehen erregt. Laut Ermittlern war der Angeklagte damals Schüler und lebte bei seinen Eltern. Aus Ärger über öffentliche Äußerungen seiner Opfer habe er angefangen, private Daten wie Adressen, Telefon- und Kreditkartennummern von diesen zu sammeln. Dabei verschaffte er sich laut Anklage Zugang zu Online-Profilen und kaufte gestohlene Daten im Netz. Er veröffentlichte die Daten schrittweise in einer Art "Adventskalender". Er soll auch versucht haben, Opfer mit der Veröffentlichung zu erpressen: Entweder sie zahlten 900 Euro in der Digitalwährung Bitcoin, oder er veröffentliche ihre persönlichen Daten.

Ob es am Mittwoch ein Urteil gibt, war zunächst unklar. Eine Fortsetzung der Verhandlung ist für den 30. September angesetzt. Möglicherweise sagen Krause zufolge am Mittwoch noch Beamte des Bundeskriminalamtes über ihre Ermittlungen in dem Fall aus.

© SZ/dpa/jab/mri
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