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Patentstreit mit Motorola:Hickhack um Online-Verkaufsstopp für Apple-Produkte

Im Patentstreit mit Motorola nimmt Apple ältere Versionen des iPhones sowie iPads mit UMTS-Empfang in Deutschland zwischenzeitlich aus dem Online-Shop - um sie wenig später wieder anzubieten. Auslöser ist das Urteil eines Mannheimer Gerichts.

Der Patentstreit zwischen den großen Elektronikkonzernen wird immer konfuser. Nachdem Apple am Freitag zunächst einen Verkaufsstopp bestimmter iPad- und iPhone-Modelle über den deutschen Onlineshop verkündet hatte, nahm der US-Konzern die Entscheidung später wieder zurück.

iPhone Shop

Screenshot von Apples deutschem Online-Store (Freitag, 3. Februar 2012): Diese Geräte sind in Ihrem Land nicht verfügbar.

(Foto: Screenshot Apple.com)

Derweil trug Motorola beim Gerichtsmarathon vor dem Landgericht Mannheim einen Etappensieg davon. Von dem zeitweisen Onlineverkaufsstopp waren die Modelle iPhone 3G, iPhone 3GS und iPhone 4 sowie alle UMTS-fähigen iPad-Computer betroffen. Davon ausgenommen war das aktuelle Modell iPhone 4S. Ein Apple-Sprecher sagte, der Konzern habe so handeln müssen, "weil Motorola sich wiederholt weigert, ein Patent zum UMTS-Standard zu vernünftigen Bedingungen zu lizenzieren, obwohl es bereits vor sieben Jahren zu einem Industriestandard-Patent erklärt wurde". Hintergrund war ein Gerichtsurteil des Landgerichts Mannheim vom Dezember.

Am Freitagnachmittag ruderte Apple allerdings zurück. Alle Produkte sollten im Tagesverlauf wieder online zu bestellen sein. Es sei eine neue Situation eingetreten, sagte der Sprecher, ging aber nicht weiter darauf ein.

Auch die iCloud verstößt gegen Patentrecht

Das Landgericht Mannheim entschied derweil erneut zugunsten von Motorola. Der Konzern hatte Apple vorgeworfen, mit seinem Online-Speicherdienst iCloud ein Patent verletzt zu haben. Das Mannheimer Gericht sprach eine permanente Verfügung gegen den sogenannten Push-Nachrichten-Dienst aus, bei dem E-Mails sofort an mobile Geräte weitergeleitet werden. Die Folgen dieses Urteils sind noch unklar.

Eine Motorola-Sprecherin kommentierte das Urteil mit den Worten: "Wir sind erfreut, dass das Gericht die Wichtigkeit unseres intellektuellen Eigentums anerkannt hat und uns eine einklagbare Verfügung in Deutschland gegen Apple Sales International erteilt hat." Apple nahm dazu keine Stellung.

Es war schon das zweite Mal, dass die deutschen Verbraucher von den Patentstreitereien behindert werden. Wegen Klagen von Apple darf seit Sommer das Samsung-Tablet Galaxy Tab 10.1 nicht in Deutschland verkauft werden.

In beiden Mannheimer Fällen richteten sich die Urteile gegen die irische Tochter Apple Sales International, was den Stopp der Online-Verkäufe im Apple-Store erklärt. Beim neuen iPhone 4S hat Apple zum Teil andere Zulieferer, die breitere Patentlizenzen haben. Daher war das aktuelle iPhone-Modell von dem Urteil nicht betroffen.

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