Facebook-Alternative Openbook Es besser machen als Zuckerberg

Optimistisch, dass er Erfolg haben wird: Joel Fernández, Gründer von Openbook.

(Foto: Openbook)
  • Bislang gibt es für Facebook-Nutzer keine ernstzunehmende Alternative.
  • Ein Entwickler-Team aus den Niederlanden plant nun mit "Openbook" eine Plattform, die werbefrei, sicher und transparent sein soll.
  • Ob das gelingen kann, ist allerdings fraglich.
Von Caspar von Au

Alle paar Monate gründet sich ein neues soziales Netzwerk und verspricht, Facebook abzulösen. Zuletzt schaffte es Vero Ende Februar in die Schlagzeilen. Ohne Algorithmen, ohne Werbung und ohne Datensammelwut soll die Plattform funktionieren, verspricht das Unternehmen in einem Werbevideo. Mehr als eine Million Nutzer registrierten sich dort, doch nach wenigen Wochen war der Hype vorbei. Ähnlich wie zuvor bei Diaspora, Mastodon, Sarahah und Ello - die Liste ist lang.

Allein das zeigt, dass sich viele Internetnutzer eine Alternative zu Facebook und Co. wünschen. Nicht zuletzt aufgrund des Datenskandals um die britische Firma Cambridge Analytica gab es massive Kritik am sozialen Netzwerk und dessen Chef Mark Zuckerberg. Unter dem Hashtag #DeleteFacebook verließen zahlreiche Nutzer Facebook. Doch es mangelt nach wie vor an Alternativen.

Erst das Konzept, dann das Geschäftsmodell

Nun sammelt ein Team aus Datenschützern, Menschenrechts-Aktivisten, Entwicklern und Designern mit Basis in Den Haag auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter Geld für die nächste Facebook-Alternative: "Openbook". 100 000 Euro wollen die Gründer bekommen. Dieses Projekt ist allerdings nicht zu verwechseln mit der sogenannten Open Book Challenge; Unter dem fast gleichen Namen will der Tech-Investor Jason Calacanis ebenfalls eine Facebook-Alternative ins Leben rufen. Das vielversprechendste Projekt bekommt 100 000 US-Dollar. Die Namensähnlichkeit sei reiner Zufall, betont Gründer Joel Fernández, 22.

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Außer dem ähnlichen Namen hätten seine Idee von sozialen Netzwerken und die von Calacanis' Open Book Challenge nicht viel gemeinsam, sagt Fernández. "Sie versuchen, erst das richtige Geschäftsmodell zu finden und bauen danach das Soziale Netzwerk." Seiner Auffassung nach müsste man von Anfang an über Datenschutz und die soziale Idee nachdenken. Fernández' Start-up soll in erster Linie ein soziales Netzwerk, keine gewinnorientierte Firma sein. Deswegen lautet ein Grundprinzip von Openbook Open-Source. Das heißt, jeder kann den Programmiercode der Plattform einsehen.

Noch fehlt das Wichtigste: ein Alleinstellungsmerkmal

Allerdings ist fraglich, ob das reicht, um genügend Nutzer anzuziehen. Denn auch Facebook-Konkurrent Diaspora basiert auf Open-Source-Software. Jeder kann sich die Software herunterladen und sein eigenes Diaspora-Netzwerk gründen. Das führt aber dazu, dass es bisher noch keine auf Diaspora basierende Plattform gibt, die genügend Nutzer motiviert hat, um mit Facebook zu konkurrieren. Selbst mehrere Millionen Nutzer erscheinen im Vergleich zu Facebooks 2,2 Milliarden mickrig.

Das weiß auch Fernández. Sein Team hat analysiert, was die bislang erfolglosen Alternativen ihrer Meinung nach besser machen müssten. "Die anderen Plattformen fokussieren sich zu sehr auf die Nachteile von Facebook", sagt der 22-Jährige. Er wolle stattdessen etwas bauen, das einzigartig sei und "das Spaß macht". Was ein Alleinstellungsmerkmal, eine besondere Funktion sein könnte, die Openbook hervorhebt und Millionen von Internetnutzern dazu bringt, zu der Open-Source-Variante zu wechseln, weiß er hingegen noch nicht. Sein Team habe viele Ideen, aber letztendlich müsse man ausprobieren, was bei Nutzern gut ankommt.

Transparent, sicher, gemeinnützig - zu schön, um wahr zu sein?

So sehr die Algorithmen von Facebook - oder Instagram, Youtube oder Google - gescholten werden, so prägen sie, wie Nutzer soziale Medien erleben. Während Vero auf personalisierte Empfehlungen durch Algorithmen verzichtet, glaubt Fernández, dass es einen Mittelweg braucht. Eine Herausforderung, denn noch wichtiger ist dem Entwickler der Datenschutz. Deswegen soll Openbook zwar persönliche Daten nutzen, diese aber nicht sammeln. "Die Daten verlassen die Endgeräte der Nutzer nicht", verspricht er. Wie genau das in der Praxis funktionieren soll, will das niederländische Team noch herausfinden. Alles soll so transparent wie möglich sein.

Facebook und andere soziale Netzwerke verdienen durch persönliche Daten Geld, indem sie den Nutzern auf sie zugeschnittene Werbung anzeigen. In Openbook soll es keinerlei Werbung geben. Stattdessen können die Nutzer innerhalb des Netzwerks mit einer eigenen Währung handeln; sie können physische, digitale Produkte und sogar Dienstleistungen kaufen und verkaufen. Von den Gewinnen, die das Unternehmen dadurch in Zukunft erwirtschaftet, will Fernández 30 Prozent an gemeinnützige Projekte spenden, die etwa Bildung fördern oder den Klimawandel bekämpfen. "Ich möchte nicht der neue Mark Zuckerberg sein, wir wollen einfach etwas Gutes schaffen", sagt er. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Für die Glaubwürdigkeit des Projekts spricht allerdings, dass der Erfinder des Verschlüsselungsprogramm PGP, Phil Zimmermann, zum zehnköpfigen Gründerteam gehört. Noch gibt es nur einen Prototyp des Netzwerks. Mehr als 600 Menschen unterstützen die Kickstarter-Kampagne bereits. Damit sie Erfolg hat, müssten noch einige Tausend hinzukommen. Und dann soll Openbook im Mai 2019 an den Start gehen.

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