Oktoberfest-Level Italienerwochenende mit Super Mario

Riesenrad, Geisterbahn, Bowserbräu-Festzelt: Wir haben die Wiesn in die Super-Mario-Welt übertragen. Eigentlich ist das Oktoberfest doch auch nur ein großes Jump-and-Run-Spiel.

Von Christian Helten und Matthias Huber

Er war schon in Burgen aus Schokolade und in verzauberten Wäldern. Er hat Prinzessinnen aus Geisterschlössern gerettet und Dinosaurier in Lava geschubst. Und jetzt, pünktlich zum "Italienerwochenende", kommt der wohl berühmteste Italiener der Welt endlich auch nach München: Die Rede ist von Super Mario, dem schnauzbärtigen Handwerker mit den roten Latzhosen, der seit 30 Jahren durch die Videospiele von Nintendo hüpft.

Die Gelegenheit dazu schafft der "Super Mario Maker", ein neues Spiel für Nintendos Wii-U-Konsole. Mit diesem Editor-Programm können Spieler mit Dutzenden Bausteinen eigene Level bauen - von blitzschnellen Hindernisläufen bis hin zu den simplen, aber sorgfältig ausbalancierten Leveldesign-Meisterwerken, für die Nintendo berühmt ist. Die Bastler können ihre fertigen Level ins Internet hochladen, sie mit anderen Spielern teilen oder selbst durch ihre Kreationen hüpfen.

Seit der Level-Editor am 11. September erschienen ist, kamen so mehr als eine Million digitale Hüpfburgen zusammen: fliegende Piratenschiffe, Achterbahnfahrten durch Minenstollen im Stil von Indiana Jones und vieles mehr. Genau das ist ja der Reiz hinter so einem Editor: der standardisierten Levelwelt eigenes Leben einzuhauchen. Ihr eine persönliche Note zu geben, Spiele, Filme oder gleich die Realität zu zitieren und in das Mario-Universum zu holen.

Die ganze Wiesn ein Spiel

Als wir uns durch diese Level klickten, merkten wir, dass eines noch fehlt: das Mario-Oktoberfest. Dabei bietet sich doch kaum etwas so sehr an wie die Wiesn - ist sie doch eigentlich selbst ein großer Spielparcours, mit vielen Hindernissen und Hürden. Das Gedränge in der U-Bahn, durch das man fast so geschickt navigieren muss wie durch eine Unterwasserwelt in Marios "Mushroom Kingdom". Die vielen Karussells, die blinken und leuchten und tuten und wie alles in der bunten Mario-Welt möglichst viel Eskapismus bieten wollen. Und sind nicht die traditionellen Fahrgeschäfte so etwas wie Vorläufer der Computerspiel-Challenges?

Die Labyrinthe mit Geheimgängen und Sackgassen, durch die wir in Computerspielen laufen, gibt's auf Volksfesten schon ewig. Der Tobbogan wirkt mit seinem Förderband und seiner Rutsche wie die analoge Ur-Version eines Jump-and-Run-Spiels. Es macht kaum einen Unterschied, ob wir bei Super Mario mit Schildkrötenpanzern auf Hindernisse und Gegner schießen oder ob wir auf der Wiesn an der Schießbude stehen oder Dosenpyramiden umwerfen. Und selbst die Hauptattraktionen der Wiesn, die Bierzelte: Sehen die nicht der Burg ganz schön ähnlich, die am Ende von fast jedem "Super Mario Bros"-Level das Ziel markiert?