Neue Chatfunktion "Die beste Art, sich zu unterhalten"

App mit Anleitung: In einem eigenen Discover-Channel erklärt Snapchat, wie sein neuer Chat funktioniert.

(Foto: Snapchat/Screenshot)

Nicht einmal die verrückt wirkende Eigenheit des Dienstes, quasi komplett auf eine ersichtliche Navigation zu verzichten, bleibt mehr bestehen: Die neuen Chat-Funktionen werden in einem eigenen Discover-Channel beinahe idiotensicher erklärt.

Dabei war Snapchat bisher genau der Dienst, zu dem die Jugendlichen geflohen sind, um dort eben nicht mit Mama und Papa befreundet zu sein - schlicht, weil sie die App nicht verstanden haben. Außerdem stellte Snapchat einen krassen Kontrast zu jubelnden Statusberichten und optimal ausgeleuchteten Fotos dar, die auf Facebook und Instagram präsentiert werden: Snapchat dreht sich um Spontaneität und darum, nicht immer perfekt sein zu müssen. Und wer nicht immer perfekt sein muss, kann viel persönlicher werden, auch mal ein Selfie mit schiefem Grinsen verschicken oder ein peinliches Outfit.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Snapchat hat große Pläne, wie dem Blogpost zum Update zu entnehmen ist: Der neue Chat soll "die beste Art sein, sich zu unterhalten", nur noch getoppt von Treffen im analogen Leben. Er soll es einfacher machen, zwischen verschiedenen Arten der Kommunikation hin- und herzuspringen. "Und wenn das möglich ist, schreibst du keine SMS mehr oder telefonierst oder bist Teil eines Videochats - sondern du unterhältst dich einfach."

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Wer sich einfach nur unterhält, der generiert Daten

Und genau dieses Unterhalten ist es, mit dem Konzerne Geld machen können. Denn Unterhalten bedeutet: Daten. Und Daten bedeuten: Geld. Denn Daten lassen sich an Werbekunden verkaufen. Das weiß Facebook, das weiß Whatsapp, das weiß Skype. Und das weiß auch Snapchat. Im Discover-Channel und in Live-Stories können Werbekunden Anzeigen schalten, außerdem gibt es gesponserte Filter, die Nutzer über ihre Bilder legen können.

Richtig lukrativ sind eben all die Inhalte, die zumindest 24 Stunden lang bestehen. Deshalb stellt sich jetzt, wo Snapchat zum massentauglicheren Messenger wird, auch die Frage, ob das ehemalige Alleinstellungsmerkmal - die schnell verschwindenden Inhalte - nicht irgendwann selbst verschwinden wird.

Schnelle, spontane Snaps könnten zum Beiwerk werden - oder ganz verschwinden

Bereits jetzt sind spontane Snaps, die nur an ein oder zwei Freunde verschickt werden, zum Beiwerk verkommen. Wer cool ist, macht Stories und präsentiert sich der gesamten Außenwelt. Und wenn es nach Snapchat geht, heißt der nächste Schritt: Wer cool ist, unterhält sich nur noch über Snapchat.

Doch wer all seine Unterhaltungen in einer App bündelt, will nicht zwingend, dass alles gleich wieder weg ist. Fotos wollen aufbewahrt werden, Texte nochmal gelesen. Vielleicht verschwindet deshalb die Zehn-Sekunden-Regel irgendwann in allen Bereichen der App. Doch dann wird die große Frage lauten: Werden die jungen Power-Nutzer diesen Weg mitgehen - oder wechseln sie lieber zu einem neueren, hipperen Dienst, den sie sich (zumindest vorerst) nicht mit ihren Eltern teilen müssen?

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