Zukunft der Messenger Bier bestellen per Whatsapp

Verbreitetes Logo auf vielen deutschen Smartphones: Whatsapp.

(Foto: dpa-tmn)
  • In Asien sind Messenger längst Allzweck-Werkzeuge für die Bestellung von Mahlzeiten, Lebensmitteln oder Taxis.
  • Schwappt der Trend auf Whatsapp und Co über?
  • Messenger könnten die zentrale mobile Anwendung werden - und damit wichtiger als Android und iOS.
Von Johannes Kuhn, San Francisco

Vorsicht, in dieser exotischen Meldung versteckt sich ein Stückchen Zukunft: Der japanische Messenger-Dienst Line ermöglicht seinen 36 Millionen Nutzern in Thailand künftig, aus der App heraus lieferbare Lebensmittel zu bestellen.

Eine Ladung Chang-Bier per Messenger ordern, statt mit Freunden zu chatten? In Deutschland, wo Whatsapp und Facebook Messenger den Ton angeben, klingt die Idee surreal. In Asien allerdings, wo Hunderte Millionen Nutzer das PC-Zeitalter übersprungen haben und in der Smartphone-Welt gelandet sind, erscheinen solche Funktionen schlicht logisch.

Die drei großen Smartphone-Messenger Line (Hauptkundschaft in Japan), WeChat (China) und Kakaotalk (Südkorea) versammeln zusammen mehr als eine Milliarde Nutzer hinter sich. Doch es ist nicht nur die gewaltige Zahl, die westliche Tech-Firmen beeindruckt, sondern auch der Entwicklungsstand: Die Messenger sind keine reinen Chat- und Fotosharing-Dienste mehr, sondern vereinen höchst unterschiedliche Funktionen in einer einzigen App.

Schweizer Taschenmessenger

Line ist schon länger für den umsatzträchtigen Verkauf bunter Digital-Sticker bekannt, die klassische Emoticons ziemlich altbacken aussehen lassen; Nutzer können in der App allerdings auch Games spielen oder Coupons von Firmen sammeln, denen sie folgen. Im Dezember kaufte Line dem US-Konzern Microsoft den Streamingdienst MixRadio ab, der bald in die App integriert werden dürfte. Mit der Lieferfunktion nähert sich Line auch WeChat an, das einer von mehreren Messengern des Alibaba-Rivalen Tencent ist. WeChat-Nutzer haben nicht nur zahlreiche Kommunikationsfunktionen, sie können über den Dienst auch mobil und online bezahlen oder sich gegenseitig Geld schicken.

In sieben asiatischen Regionen lassen sich seit einiger Zeit in der App auch Kleider, Essen oder ein Taxi bestellen - WeChat hat sich hierfür mit Tochterfirmen von Rocket Internet zusammengetan. In China steht mit dem direkten Alibaba-Konkurrenten JD.com ein mächtiger Partner für ähnliche Dienste bereit. Zudem lässt das Unternehmen inzwischen Marken ihre eigenen Shops in der App einrichten.

All das lässt im Westen genutzte Software wie Whatsapp und Facebook ziemlich knöchern aussehen. Im vergangenen Frühjahr machte sich WeChat bereits über Facebook-Chef Mark Zuckerberg lustig und legte einen Doppelgänger in einem Werbespot auf die Psychiater-Couch. Die Klage: Alle meine Freunde verlassen mich.