Funklöcher Netz wie hinterm Mond

Auf dem flachen Land kann es schon mal passieren, dass es plötzlich gar kein Netz mehr gibt.

(Foto: imago/Westend61)

Deutschland hat das teuerste Netz mit dem schlechtesten Service. Selbst in deutlich ärmeren Staaten ist die Lage besser. Jetzt muss die Regierung gegenüber den Mobilfunkanbietern Mut zeigen.  

Kommentar von Markus Balser

Wenn man nur im Kleinen denkt, bleibt man klein. So hat es der Mobilfunkanbieter Vodafone erst vor ein paar Monaten formuliert. Der britische Konzern, der auch zu den drei großen deutschen Anbietern zählt, hat angekündigt, ein schnelles Mobilfunknetz auf dem Mond aufzubauen. Die Botschaft der Briten ist klar: Seht her, was wir alles können, Mobilfunk lässt sich sogar da etablieren, wo es lange unmöglich erschien!

In Mecklenburg-Vorpommern, Teilen Brandenburgs, in Thüringen, den ländlichen Ausläufern Bayerns oder in Nordhessen werden Mobilfunk-Kunden die Mondmission mit Interesse verfolgen. Denn was auf unserem Nachbargestirn möglich sein soll, scheint den Mobilfunkanbietern in ländlichen Regionen dieses Planeten noch lange nicht möglich zu sein. In dünn besiedelten Gegenden müssen einige Millionen Deutsche erst mal im Garten auf und ab gehen, um eine SMS empfangen zu können.

Ein Trauerspiel für Deutschland

Was sich da bei einer der wichtigsten Alltagstechnologien abspielt, ist ein Trauerspiel für ein Land, das den Anspruch hat, Technologieführer zu sein. Es bringt auch die deutsche Wirtschaft zu Recht auf die Palme. Und es ist eine schlechte Visitenkarte für die Anbieter, die jährlich Milliardengewinne aus dem Geschäftsbereich ziehen. Das Angebot für deutsche Kunden hinkt trotz hoher Preise dem Standard in vielen anderen Ländern hinterher. In Skandinavien etwa ist Surfen auch auf dem Land ein Leichtes. Und selbst in Albanien ist die Netzabdeckung besser.

Was die Kunden tun können? Wenig. Drei Konzerne haben die Claims abgesteckt und geben sich bislang wenig Mühe, Funklöcher in Deutschland wirksam zu bekämpfen. Die deutsche Politik trägt allerdings eine Mitschuld daran, dass die Anbieter viele Kunden so sträflich vernachlässigen können. Sie hätte die Konzerne bei der Vergabe der Mobilfunknetze zu strengeren Auflagen verdonnern müssen. So lässt sich die Nutzung von Frequenzen an die Pflicht knüpfen, auch wirklich das ganze Land mit Daten zu versorgen.

Die Politik wollte so weit nicht gehen. Wohl auch deshalb, weil die Einnahmen des Staates dann niedriger ausgefallen wären - wer ein besonders engmaschiges und damit teures Netz aufbauen muss, zahlt weniger für die Lizenzen.

Die Regierung darf die Anbieter nicht aus der Verantwortung entlassen

Im kommenden Jahr gibt es nun eine Chance, im Mobilfunkland wirklich etwas zu verändern. Im Frühjahr 2019 werden die Lizenzen für den neuesten Mobilfunkstandard 5G versteigert. Dieses schnellere Netz soll Deutschland in das Digitalisierungszeitalter katapultieren. Es soll Autos automatisch fahren lassen und das Internet der Dinge ermöglichen. Für die Telekom, die O2-Mutter Telefonica und Vodafone bahnen sich neue Milliardengeschäfte an. Für Kunden eine neue Chance.

Die Bundesregierung darf die Anbieter nicht aus der Verantwortung entlassen. Sie muss die Vergabe der milliardenschweren Lizenzen an harte Bedingungen knüpfen und wirksame Strafen für den Fall verankern, dass die Anbieter sich aus der Affäre ziehen wollen. Wer Geschäfte machen darf, muss auch sicherstellen, dass in Deutschland in Zukunft niemand mehr hinter dem Mond lebt.

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