Apple iPhone Wie das Smartphone die Welt verändert hat

Terminkalender, Wetterstation, Quelle für Neuigkeiten: Für viele Menschen ist das Smartphone ein ständiger Begleiter.

(Foto: Ye Aung Thu/AFP)
  • 2007 hat Apple das erste iPhone vorgestellt.
  • Zehn Jahre später besitzen Milliarden Menschen Smartphones, und ein Leben ohne Handy erscheint vielen kaum noch vorstellbar.
  • Die Geräte erleichtern den Alltag, doch permanente Erreichbarkeit und die Möglichkeit, alles mit Fotos zu dokumentieren, haben auch negative Auswirkungen.
Von David Pfeifer

Elektrisches Licht? Die Übertragung von Radiowellen? Das Rad? Schwer zu sagen, welche dieser Erfindungen in ihren gesellschaftlichen Auswirkungen am ehesten mit dem Smartphone zu vergleichen ist. Das erste iPhone, das 2007 auf den Markt kam, hat jedenfalls eine Entwicklung eingeläutet, die nicht beendet ist, deren Nutzen und Schaden aber bereits heute alle Lebensbereiche umfassen.

Wer zur Gruppe jener Menschen gehört, die Wert darauf legen, neueste Technik möglichst früh zu besitzen, erinnert sich noch an den magischen Moment: Das erste iPhone, das im Winter 2007 in einem schicken, festen Karton vor einem lag, mit einem tiefschwarzen Bildschirm, der bonbonglänzend aufleuchtete, sobald man das Gerät in Betrieb nahm - es funkelte wie ein Sportwagen und lag in der Hand wie ein poliertes Stück von morgen.

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Apple-Produkte sahen immer begehrenswert aus, aber das iPhone war nicht nur gutes Produktdesign, sondern etwas wirklich Neues. Es gab zwar bereits den Nokia Communicator und den Newton, aber keines dieser Geräte war nur annähernd so leicht und lustvoll zu bedienen. Das iPhone verbreitete sich epidemisch. In den USA, wo es bereits Juni 2007 auf den Markt kam, ging es an den ersten zwei Verkaufstagen 270 000 Mal über den Tresen.

Wie hat man früher eigentlich lange Konferenzen durchgestanden?

Die Smartphones verbreiteten sich derart rasant, dass man erst viel später wahrnahm, in welcher Technikeuphorie man sich befand. Zehn Jahre später ist es für viele Menschen selbstverständlich geworden, einen Großteil des Tages damit zu verbringen, in einen kleinen Bildschirm zu blicken, in dem sich die ganze Welt zusammenballt.

Man wacht auf und greift zum Smartphone, liest Mails oder was der explosionsartig erweiterte Bekanntenkreis auf Facebook, Instagram oder Twitter so gepostet hat. Man prüft das Wetter, hört Musik, sieht im Kalender nach, was der Tag bringt. In der Bahn liest man Nachrichten, im Fahrstuhl flüchtet man sich vor sozialem Unwohlsein, indem man auf die Anzeige starrt, oder irgendwas in das Gerät tippt. Und wie hat man früher eigentlich lange Konferenzen durchgestanden, als man zur Zerstreuung noch Käsekästchen auf Papier malen musste?

Smartphones haben Adressbücher, Postkarten, Fotoapparate und CD-Player unnötig gemacht. Und wer heute vor sich hinschimpft, dass der Film, den man sich gerade per Smartphone und Wlan auf den großen Fernseher streamen will, zu langsam lädt, hat sicher nur kurz vergessen, dass man für solch ein Vergnügen noch vor wenigen Jahren im Sprühregen zur Videothek stapfen musste.

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Seitdem jeder ein Smartphone besitzt, steht jeder unter Dauerbeobachtung

Man muss aufschauen von dem kleinen Viereck und etwas zurücktreten, um zu sehen, was das Smartphone außerdem mit seinen Benutzern gemacht hat. Es schob sich innerhalb dieser zehn Jahre wie eine polierte Scheibe aus Plastik und Platinen zwischen Welt und Weltwahrnehmung. Es gibt keine Schulaufführung und keine Hochzeit mehr, bei der die Akteure nicht in eine Wand von Smartphones gucken und von diesen gefilmt und fotografiert werden, wie früher Popstars. Die Popstars wiederum können keine Konzerte mehr geben, ohne dass ihr Auftritt komplett gefilmt wird, aus jeder Perspektive, inklusive aller Fehltritte.

Wie sich diese Dauerbeobachtung auf die Beobachteten auswirkt, demonstrierte bereits im 18. Jahrhundert Jeremy Benthams "Panopticon"-Experiment, was Michel Foucault mit dem Begriff des "Panoptimus" ins Habituelle überführte: Menschen unter Rundumbeobachtung neigen zum vorauseilenden Konformismus. Sie agieren nicht mehr ihrer Natur nach, sondern richten sich nach den Erwartungen aus, die ihr Umfeld von ihnen haben könnte. Die seltsam in Pose geworfenen Jugendlichen, die sich für Instagram optimieren, sind ein alltäglicher Beleg dafür.

Fotos, Fotos, Fotos. Und Videos. Alles wird dokumentiert

Gleichzeitig wird Privates nicht mehr wahr-, sondern aufgenommen. Wo man früher eine Postkarte vom Eiffelturm oder den Niagarafällen schickte, mit der Zeile "Ich bin hier", geht heute ein Selfie um die Welt oder in soziale Netzwerke, auf dem die dürre Zeile durch die eigene Erscheinung ersetzt wurde. Wer vor den Niagarafällen zu sehen ist, muss nicht mehr schreiben, dass er dort war.

Wie sehr Menschen ihr Leben heute durch das Smartphone belegen und am Weltgeschehen teilhaben, merkt man vor allem daran, dass sie auch Kriege, Katastrophen und Terror zunehmend durch das tragbare Fenster wahrnehmen, das so viele Menschen immer mit sich führen. Die Bilder aus dem Pariser Bataclan haben auf diese Weise ebenso in die Köpfe gefunden wie die Kriegsclips aus Aleppo, als dort keine Journalisten mehr waren. Auch der ertrunkene Junge, der am Strand angespült wurde und eine Welle der Solidarität mit den Mittelmeerflüchtlingen auslöste, wurde mit einem Smartphone gefilmt, das jemand dabeihatte.

Wenn nun all die Gesichter auf den Kindergeburtstagen, den Betriebsfeiern, den Konzerten, aus den Kriegsgebieten und Protestbewegungen von Smartphones erkannt, analysiert und bewertet werden könnten, würde das Folgen haben. Folgen, die wiederum niemand so richtig absehen kann, denn leider kann kein Mensch vor sich selbst in der Zukunft sein. Die Erkenntnis wird der Euphorie wieder weit hinterhereilen.

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