Künstliche Intelligenz Die Roboter wissen nicht, was sie tun

Was kann der Spotmini von Boston Dynamics wirklich selbständig tun?

(Foto: Boston Dynamics)

Maschinen wie Pepper, Sophia oder die Hindernisläufer von Boston Dynamics wirken verblüffend menschlich. Dabei sind sie ferngesteuert und täuschen über den eigentlichen Stand der Robotertechnologie hinweg. Da geht noch nicht viel.

Von Michael Moorstedt

Der Roboter wirkt maximal ungefährlich. Knapp einen Meter hoch, weißes Plastik, Kulleraugen, so hat man ihn in der vergangenen Woche unter den strengen Augen eines Margaret-Thatcher-Porträts vor den Bildungsausschuss des britischen Parlaments gekarrt. Hier sollte Pepper, so der Name der Maschine, Rede und Antwort stehen zur Lage der sogenannten vierten industriellen Revolution und zur drohenden Vernichtung von Millionen Arbeitsplätzen durch die zunehmende Automatisierung.

Es entspann sich dann trotz des schwierigen Themas ein gemütliches Hin und Her, und die Medienaufmerksamkeit war den Abgeordneten sicher. Der Roboter sei besser vorbereitet gewesen als "so mancher Minister, den wir eingeladen haben", sagte ein Mitglied des Ausschusses im Anschluss. Pepper ist nicht der einzige Roboter, der in letzter Zeit prominente Auftritte absolviert. Ein anderer Automat mit dem Namen Bina48 ist derweil an einer kalifornischen Universität als Student eingeschrieben. Und dann ist da noch Sophia, jener Roboter-Torso, den man schon mal vor Angela Merkel hingestellt hat und der außerdem (warum auch immer) die saudi-arabische Staatsbürgerschaft verliehen bekam.

Es gibt da nur ein Problem: Sämtliche Fragen und Antworten, die im Verlauf der Konversation mit Pepper fielen, waren im Vorhinein abgemacht worden und dem Roboter fest eingeschrieben worden. Der Automat wurde per Smartphone-Kommando gesteuert. Hätte statt des knuffigen Roboters eine Sockenpuppe mit den Abgeordneten parliert, hätte das einen ähnlichen Erkenntnisgewinn versprochen. Gleiches gilt auch für die anderen erwähnten Maschinen.

Auch Roboter brauchen 20 Versuche, bis die Aufnahme sitzt

Ähnlich agiert auch der Roboterhersteller Boston Dynamics. Die ehemalige Google-Tochter veröffentlicht hin und wieder Videos, in denen ihre Roboter sagenhafte Dinge vorführen, etwa über einen Hindernisparcours laufen. Die meisten Zuschauer gehen davon aus, dass die Maschinen autonom handeln, und so finden sich in den Kommentarspalten zuverlässig Warnungen vor dem baldigen Aufstand der Roboter. Wie der Gründer nun zugab, zeigten die Aufnahmen jedoch das "typischerweise beste Verhalten". Heißt: Genau wie Pepper werden die Roboter ferngesteuert. Trotzdem brauchen sie bis zu 20 Versuche, bis die Aufnahme sitzt.

Hier wie dort gilt: Während sich die Entwickler und Abgeordneten über einen gelungenen PR-Trick freuen, bekommen Uneingeweihte ein völlig falsches Bild vom Entwicklungsstand der Automatisierung. Dabei sind Begriffe wie künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen ohnehin irreführend genug und suggerieren, dass in den Schaltkreisen der Maschinen tatsächlich etwas Ähnliches wie Denken stattfindet. Hätten die Parlamentarier einen jener körperlosen Roboterarme eingeladen, die an den Fabrikfließbändern und Hamburger-Bratereien der Welt bereits heute die Menschen verdrängen, wäre das vielleicht weniger medienwirksam gewesen, es hätte aber einen besseren Einblick in die Realität der Automatisierung ergeben.

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