Kryptowährungen Passwort für 190 Millionen Dollar fehlt

Wer Kryptowährungen wie Bitcoin erschaffen will, braucht viele Server. (Archivbild)

(Foto: AFP)

Eine Börse für Kryptowährungen kommt nach dem plötzlichen Tod des Gründers nicht mehr an das Geld. Das dürfte das Vertrauen in die Währungen weiter erschüttern.

Von Helmut Martin-Jung

Es ist kompliziert: Geld, das nur existiert, weil Computer mathematische Rätsel lösen, weil es mit nicht zu knackenden Schlüsseln abgesichert wird, und weil Menschen darauf vertrauen, dass das funktioniert. Kryptowährungen, so der Fachausdruck, sind normalerweise auch sicher. Doch sie müssen gehandelt werden. Das geschieht an dafür spezialisierten Börsen. Anders als bei Handelsplätzen für Aktien und herkömmliche Währungen kann man bei den Krypto-Börsen auch Kryptogeld lagern. Das aber kann gefährlich sein, wie ein Beispiel aus Kanada wieder einmal zeigt.

Die kanadische Kryptogeld-Börse QuadrigaCX kommt ihrer eigenen Darstellung zufolge nicht mehr an Kundeneinlagen in Höhe von 190 Millionen US-Dollar heran. Denn der Gründer des Unternehmens, Gerald Cotten, sei während eines Aufenthalts in Indien überraschend gestorben, mit nur 30 Jahren. Das Problem: Cotten war der Einzige, der das Passwort kannte für den Bereich, in dem das Geld der Kunden gebunkert ist.

Das könnte man nun unter der Überschrift abhaken, die ganze Sache sei wohl noch nicht richtig durchdacht. Man könnte fordern, Unternehmen müssten solche Schlüssel für den Fall des Falles hinterlegen, etwa bei einem Notar. Doch die Sache ist noch etwas komplizierter. Denn es wurde der Verdacht laut, das frühe Ableben des Gerald Cotten könnte nur vorgetäuscht sein. Die Witwe legte zwar einen Totenschein vor, dennoch halten es manche Experten für möglich, dass der gefälscht ist. Oder aber, dass doch andere Personen in der Firma den Schlüssel kennen - und so Zugriff auf die 190 Millionen Dollar haben, dies aber verheimlichen.

Der Fall wird das Vertrauen in Kryptogeld weiter erschüttern

Wie der Fall auch immer ausgeht, er wird nicht dazu beitragen, das Vertrauen in das verschlüsselte Geld zu erhöhen. Anlass dazu gab es auch abseits des bizarren Vorfalls in Kanada in der jüngeren Zeit genug. Im Fokus standen dabei die Börsen für Kryptogeld und vor allem solche in Asien, wo diese Technologie einer sehr schnellen Aufschwung erlebt hat. Bezahlen musste dafür so mancher Kunde und so manches Unternehmen. Denn: Hacker haben in den Börsen ein neues, überaus lukratives Ziel entdeckt.

Weil sich die Technologie so rasch verbreitete, kamen die jungen Unternehmen oft nicht damit hinterher, diese so abzusichern, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre. Die Folge waren seit 2011 fast 60 Hackerangriffe auf die Börsen, wiederum vor allem in Asien. Gut 1,6 Milliarden Dollar sollen dabei weltweit abgegriffen worden sein, 800 Millionen davon entfielen allein auf Asien.

Der Hype um Kryptowährungen hat auch deshalb beträchtlich nachgelassen. Kryptowährungen wie Bitcoin und anderen haben viel an Wert verloren. Das Letzte, das Unternehmen wie diese brauchen können, ist Vertrauensverlust.

Nicht jeder hat schließlich so viel Vertrauen in die Sache mit dem verschlüsselten Geld wie eine 61 Jahre alte Südkoreanerin, über die das Wall Street Journal berichtete. Zwar komme sie nicht an ihr Erspartes, weil die Kryptogeld-Börse gehackt wurde, die es für sie aufbewahrte. Dem Kryptogeld vertraue sie aber nach wie vor, sagte sie, nur den Kryptogeld-Börsen nicht mehr.