Klinikum Essen Immer mehr Patienten überwachen ihren Blutdruck oder Puls

Allein die Kardiologie hat in den vergangenen Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag in neue Techniken investiert. Sie ist, wie die gesamte Universitätsmedizin für ihr smartes Krankenhaus, auf Forschungsfördermittel angewiesen. Die Herzklinik profitiert aber auch davon, dass immer mehr Patienten ihren Blutdruck oder Puls überwachen, weil sie sich etwa smarte Armbanduhren kaufen und entsprechende Apps installieren. "Darin liegt die Chance, dass wir Rhythmusstörungen künftig früher erkennen und therapieren können", sagt Professor Rassaf.

Die Vordenker in Essen sind nicht allein. Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) spricht sich dafür aus, dass hiesige Krankenhäuser zumindest die Arbeit ihrer Notaufnahmen einheitlich dokumentieren und digitalisieren sollten. Noch gingen zu viele Informationen zwischen den Praxen und Kliniken, Leitstellen und Rettungsdiensten verloren, warnt der DIVI.

Sobald der Monitor "Sprung" zeigt, hüpft Ellwanger aus dem Stand hoch

Firmen wie die Deutsche Telekom entwickeln IT-Lösungen für die Gesundheitswirtschaft: medizinische Geräte etwa, die ihren Standort funken. Konkurrent Vodafone hat ein Blutzucker- und Blutdruckmessgerät vorgestellt, das die Daten erfasst und automatisch überträgt. Die Branche setzt darauf, dass es künftig mehr sichere Netze braucht, in denen Ärzte und Patienten Daten austauschen können.

Einem Netzwerk ist auch die Orthopädie der Uniklinik Essen beigetreten. Sie baut derzeit eine Datenbank auf, die den vielen Handballmannschaften der Region zugutekommt. In der verletzungsanfälligen Sportart stellt sich - etwa nach einem Kreuzbandriss - die Frage, wann ein Sportler wieder ins Training einsteigen kann. Das können Ärzte und Trainer bislang nur subjektiv entscheiden.

An einem Nachmittag im Juli steht Jonas Ellwanger vor dem Messsystem der Uniklinik. Der Handballer des Zweitligisten Tusem Essen trägt einen Gürtel mit Sensoren. Sobald der Monitor "Sprung" zeigt, hüpft Ellwanger aus dem Stand hoch, erst mit beiden Beinen, dann mit jedem einzeln. 52,7 Zentimeter Höhe misst der Computer, das entspricht 56 Watt pro Kilogramm. Eintrag ins System.

Wann darf ein verletzter Handballer wieder trainieren?

"Wir wollen die bundesweit größte Datenbank mit objektiven Leistungswerten von Handballspielern aufbauen", sagt Marcus Jäger, Leiter der Orthopädie. Seine Ärzte haben in diesem Jahr schon 300 Handballer vermessen. Neben dem Sprung aus dem Stand gehört auch ein Balanceakt zum Test: Ellwanger steht wie ein Skiläufer mit beiden Beinen auf einem runden Wackelbrett, die Knie gebeugt. Der Handballer muss Brett und Körper möglichst im Gleichgewicht halten. Sensoren messen, wie gut ihm das gelingt. Auf dem Bildschirm sieht der Sportler in Echtzeit, wie schief er mit dem Brett steht.

Die Daten geben den Orthopäden ein objektives Maß, wie leistungsfähig ein gesundes Handballerknie sein sollte. Das macht die Entscheidung einfacher, wann ein verletzter Spieler wieder trainieren darf. "Das System lässt sich, in Zusammenarbeit mit anderen Unikliniken, auch in anderen Sportarten anwenden", sagt Professor Jäger. Wenn die Handballer von der Ruhr zustimmen, fließen ihre Werte anonym in eine größere Datenbank der Universität Innsbruck ein. Es gilt das alte Gesetz der großen Daten: Je mehr Sportler die Ärzte vermessen, desto präziser wird das Bild.

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