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Kartenspiel "Exploding Kittens":Bumm macht die Katze

Exploding Kittens

In nur sieben Stunden sammelte die Crowdfunding-Kampagne für das Kartenspiel "Exploding Kittens" eine Million US-Dollar.

(Foto: Matthew Inman)
  • Mit seinen "The Oatmeal"-Comics gibt Zeichner Matthew Inman seinen Fans ein Ventil für ihre Wut.
  • Er nutzt das Engagement seiner Fans gegen seine Hassobjekte, aber auch für das Kartenspiel "Exploding Kittens".
  • Am ersten Tag sammelte die Crowdfunding-Kampagne mehr als zwei Millionen US-Dollar ein. Das Kickstarter-Projekt endet Freitagmorgen.

Von Daniel Wüllner

Matthew Inman findet schöne Bilder für unschöne Dinge. Der Comiczeichner zeigt uns, dass ein Anruf im Callcenter schlimmer ist als ein Schlag zwischen die Beine. Das sieht auf seiner Website TheOatmeal.com dann so aus: Sein gezeichnetes Alter Ego ist gefangen in einer nicht enden wollenden Telefonschleife, musikalisch untermalt von Celine Dion, und wird langsam wahnsinnig. Dagegen verspricht der schmerzvolle Kick nur kurzzeitig unangenehm zu sein.

Inmans Comics wirken krude, ihr Humor ist skurril. Sie folgen einer perfekten Dramaturgie: Die eindeutigen Titel (wie etwa "Warum ich mir lieber zwischen die Beine schlagen lasse, als bei einer Hotline anzurufen") erklären einfach gezeichnete Figuren. Das Wichtigste ist Inmans persönliche Meinung, die er vehement vorträgt.

Seine Werke sind grafische Wutreden. In ihnen erfährt der Leser von Inmans ungewöhnlicher Vorliebe für Fangschreckenkrebse und seiner Abneigung gegen Selfie-Sticks. Das sind diese Dinger, mit denen nervige Touristen Handyfotos von sich selbst machen. Inmans Comics sind ein Ventil für seine ebenso erbosten Leser, und sie sind sehr beliebt. Der 32-jährige Amerikaner hat mehr als drei Millionen Fans auf Facebook. Wenn Inman ruft, folgt ihm diese loyale Internetarmee; seine Fans verfassen beispielsweise Hassbriefe an Anwälte, die Inman drohen.

Exploding Kittens

Wie Russisches Roulette: Wer die Karte mit dem explodierenden Kätzchen zieht, verliert.

(Foto: Matthew Inman)

Russisches Roulette mit Katzenbildern

Nun wandelt er die virtuelle Begeisterung in analoge Resultate um: Er unterstützt mit seinen Zeichnungen das Projekt "Exploding Kittens". Das ist ein Kartenspiel für zwei bis vier Spieler, die Kätzchen, Explosionen und Laserstrahlen mögen. Die Regeln sind so schön bescheuert wie seine Zeichnungen - wer zuerst eine Karte mit einem explodierenden Kätzchen zieht, der verliert. Eine Art russisches Roulette, nur mit Katzenbildern.

Das Kartenspiel finanziert sich als Crowdfunding-Projekt auf der Plattform Kickstarter. Interessenten können also online das Spiel ordern, und falls sich genügend Käufer finden, wird das Projekt umgesetzt. Als Finanzierungsziel hatten sich die Spieleentwickler Elan Lee und Shane Small 10 000 Dollar gesetzt. Bei einem gemeinsamen Urlaub bekam Inman einen Prototyp von Lee und spielte direkt vier Stunden damit.

Zehn als Batman verkleidete Menschen im Whirlpool

So überzeugt wie Inman zeigen sich auch seine Fans. Bereits nach einem Tag hatten Lee und Small mehr als zwei Millionen Dollar eingesammelt. Sie bekamen so viele E-Mails, dass Lees Postfach kurzzeitig zusammenbrach. Mittlerweile haben sie ihr ursprüngliches Ziel weit übererfüllt und mehr als sieben Millionen Dollar auf dem Kickstarter-Konto. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag endet die Finanzierung, mit rund 200 000 Förderern ist "Exploding Kittens" schon jetzt eines der am meisten unterstützten Kickstarter-Projekte bisher.

Die Macher haben die Comic-Freunde clever eingebunden: Sie präsentierten den Interessenten immer neue Zwischenziele, die die Fans erfüllen mussten; im Gegenzug wurde das Kartenspiel umfangreicher. Sie sollten einen Wikipedia-Eintrag zum Spiel verfassen, Selfies mit Ziegen machen oder zehn verkleidete Batmans im Whirlpool fotografierten. Die Fans lieferten, und warben so für das Projekt.

"Exploding Kittens" ist ein Internet-Phänomen, an dessen Ende etwas Greifbares steht: ein Kartenspiel. Jetzt warten Fans weltweit, ob das Spiel (und seine nicht jugendfreie "Not Safe for Work"-Erweiterung) lustiger wird als eine Partie Schwarzer Peter mit Katzenbildchen. Immerhin haben Lee, Small und Inman den Fans eines versprochen: Sie werden den Unterstützern keine riesigen japanischen Hornissen in die Pakete stecken. Die wären vielleicht sogar gefährlicher als ein Anruf im Callcenter.

© SZ vom 19.02.2015/mahu
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