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Gamescom-Trends:Konsolen: Alles in Bewegung

Der Kampf der Konsolen geht in die nächste Runde: Sony und Microsoft bringen im Herbst Systeme heraus, die Nintendo attackieren sollen - auf dem Feld der innovativen Steuerung.

Es waren einmal drei Jungs, die an einem Tisch saßen. Einer aß mit einer neuartigen Gabel von einem riesigen Kuchen, die anderen beiden sahen neidisch zu. Sie hatten keine Gabel parat, weil sie nicht geglaubt hatten, dass es einen solchen Kuchen jemals geben könnte.

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Zocken mit Gesten

Wenig später jedoch haben sie sich riesiges Besteck besorgt und stürzen sich nun voller Vorfreude auf den Rest des süßen Naschwerks, während der erste Esser erschreckt die Gabel fallen lässt.

So ähnlich könnte man die Situation der drei großen Konsolenhersteller vor der Gamescom beschreiben. Als Nintendo vor vier Jahren bekanntgab, eine Spielkonsole mit schwachem Prozessor, veralteter Grafikkarte und ohne DVD-Player auf den Markt zu bringen, da wurde das Unternehmen verlacht. Auch die Strategie, mit einer innovativen und intuitiven Steuerung die Zielgruppe "Gelegenheitsspieler" erreichen zu wollen, rief eher verwundertes Kopfschütteln als anerkennendes Nicken hervor.

Dreieinhalb Jahre später hat Nintendo etwa 74 Millionen Einheiten der Konsole Wii verkauft, es gibt die Krankheit "Acute Wiiitis" und die Gelegenheitsspieler - mittlerweile "Casual Gamer" genannt - haben sich zur wichtigen Zielgruppe auf dem Computerspielemarkt entwickelt.

So wichtig, dass die beiden anderen großen Konsolenhersteller Sony und Microsoft auch ein Stück vom Kuchen wollen und nun mit neuen Steuersystemen kontern: "Move" und "Kinect" heißen die beiden Steuerelemente, mit denen die Unternehmen auf der Gamescom glänzen wollen.

Wichtig wie der Xbox-Start

Der Kampf der Konsolen geht also in die nächste Runde - und er wird mit harten Bandagen und enormen Marketingbudgets geführt. "This changes everything" lautete der ganz unbescheidene Werbespruch von Sony auf der E3, das Unternehmen hat angekündigt, die Einführung der Steuerung so offensiv zu bewerben, als käme eine neue Konsole auf den Markt.

Microsoft nannte die neue Steuerung "die Geburt der nächsten Generation des Home-Entertainment", zu Beginn trug das Projekt den Namen "Natal", was an eine Geburt erinnern sollte. Für das Unternehmen, so ist aus Firmenkreisen zu hören, ist die Einführung von "Kinect" mindestens so wichtig wie seinerzeit der Start der Xbox Live.

Das Grundprinzip der Steuerungen ist ähnlich: Der Spieler soll nicht mehr auf der Couch herumlümmeln und Knöpfe auf einem Controller drücken - er soll aufstehen, er soll sich bewegen, er soll herumfuchteln.

Warum so etwas "alles verändert" oder die "Geburt der nächsten Generation" sein soll, das lassen beide Unternehmen zunächst einmal offen - schließlich hat Nintendo dieses Prinzip bereits vor fast vier Jahren eingeführt.

Sowohl "Move" als auch "Kinect" sind keine bahnbrechenden Erfindungen, sondern eher die Fortführung eines bekannten und erfolgreichen Produkts. Das ist durchaus nicht als Schmähung zu verstehen, schließlich operiert etwa Apple seit Jahren überaus erfolgreich nach diesem Prinzip.

"Move" registriert mit Hilfe von Sonys "Eye Toy"-Technologie die kleinsten Bewegungen und reagiert so filigraner als Nintendos Steuergerät. Dies zeigt sich vor allem, wenn man ähnlich anmutende Spiele wie etwa Tischtennis miteinander vergleicht. Auf der Wii ist ein Vorhandschlag ein Vorhandschlag, Variationen in Tempo, Schnitt und Spielrichtung sind nur eingeschränkt möglich.

Die "Move"-Steuerung reagiert sensibler, was den Spielspaß deutlich erhöht - sie reagiert jedoch auch langsamer. Die Befehle kommen mitunter verspätet bei der Konsole an, was bei einem Boxkampf verheerende Folgen haben kann. Dieses Problem soll laut Sony jedoch bis zur Markteinführung gelöst werden.

Zweifel an der Hüpflust

Microsofts "Kinect" soll im November für die Konsole Xbox 360 auf den Markt kommen. Das Unternehmen verzichtet komplett auf den Einsatz eines Controllers, die Steuerung erfolgt über Gestik und Worte.

Ein Sensor über dem Fernseher soll die Bewegungen des Spielers einfangen, ein Mikrofon die Geräusche. Auf den ersten Blick ist die Technologie beeindruckend, die Steuerung wirkt intuitiv. Feinmotorische Bewegungen wie etwa Fingerzeige kann das System jedoch noch nicht problemlos erkennen.

Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass aus Kostengründen eine weniger auflösende Kamera verwendet wird als ursprünglich geplant - wohl auch deshalb wurde der Plan, die Xbox künftig über Gebärdensprache steuern zu können, zunächst auf Eis gelegt.