Heaven's Vault

Das Inkle Studio in Cambridge hat nur neun Mitarbeiter, aber mit "Heaven's Vault" schon mehr Neues ausprobiert als die meisten anderen Spieleentwickler dieses Frühjahrs. In einer stilisierten, nach arabischen und asiatischen Motiven gestalteten Science-Fiction-Welt ist die Forscherin Aliya auf der Suche nach einem verschwundenen Roboter-Experten. In Aliyas Welt finden sich rätselhafte Spuren einer untergegangenen Zivilisation. Neben dem Erkunden der sehr schön comicartig gezeichneten Städten und Landschaften besteht das Spiel aus dem Entziffern einer vergessenen Sprache. Diese Sprache haben die Entwickler eigens für das Spiel als Mischung aus Altägyptisch, Mandarin und Deutsch erfunden. Vom Ägyptischen und Chinesischen haben sie sich den piktografischen Stil geliehen, vom Deutschen das Prinzip der zusammengesetzten Worte. Bei den ersten Inschriften ist noch viel Raten nötig, sobald aber ein paar Zeichen bekannt sind, entwickelt die Mischung aus Wiedererkennen und ständigem Neuinterpretieren eine motivierende und einzigartige Spieldynamik.

Dieses Prinzip wiederholt sich im Spieldesign: Die in der fantastischen Welt dekontextualisierten arabisch-asiatischen Kleidungs- und Architekturstile machen manches Klischee und Vorurteil als Konstrukt erkennbar. Wenn sich Aliya in den ruckartigen Bewegungen der Comicgrafik manchmal verdoppelt und wie zum Echo ihrer selbst wird, scheinen sich auch einige philosophische Thesen von Sein und Zeit im Spiel zu verbergen.

"Heaven's Vault" ist für PC und Playstation 4 erhältlich.

Bild: PR / Inkle Studios 30. April 2019, 16:542019-04-30 16:54:13 © SZ.de/mri/mxm