Games-Rückblick November:Der Fußballgott schenkt den Deutschen einen Manager

"Battlefield 5" verzichtet auf Revolutionäres, "Fallout 76" versucht zu vieles gleichzeitig zu sein, und Football Manager gibt es erstmals auf Deutsch: Der November aus Gamer-Sicht.

Von Caspar von Au und Nicolas Freund

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The Quiet Man

The Quiet Man screenshot

Quelle: Square Enix / PR

Die Lippen des Gangsters in dem grünen Hoodie bewegen sich, er sieht wütend aus. Worte kommen beim Spieler allerdings nicht an: Dane, der Protagonist in dem Action-Adventure "The Quiet Man", ist taubstumm. Auch als der Gangster und seine Kollegen auf ihn zustürmen und auf ihn einschlagen, hört man nur ein dumpfes Wummern, sonst bleibt es ruhig.

Die animierten Spielszenen, in denen sich Dane meist mit irgendwelchen zwielichtigen Gestalten prügelt, werden von Zwischensequenzen mit echten Schauspielern unterbrochen. Das ist ein eher ungewöhnliches Stilmittel in Zeiten, in denen Computerspielgrafik immer realistischer aussieht. Die Szenen sollen die Geschichte verständlicher machen. Das gelingt allerdings nicht so richtig. Auch sonst bleibt es nur bei einem spannenden Ansatz ohne Spieltiefe. Die Kämpfe sind schwerfällig, die Charaktere sind allzu holzschnittartig und auch die Schauspieler verhelfen ihnen durch ihre Darstellung nicht zu mehr Glaubwürdigkeit.

"The Quiet Man" ist am 1. November 2018 für PC und Playstation 4 erschienen.

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Football Manager 2019

Football Manager 2019

Quelle: Sega / PR

Wenn es einen Fußballgott gibt, wird er vor kurzem ein paar Freudentränchen vergossen haben - zusammen mit den Fans: Vier Jahre nachdem Entwickler Electronic Arts (EA) seine Reihe "Fußball Manager" eingestellt hat, erscheint endlich wieder ein Spiel dieser Art für den deutschen Markt. Von Sega gibt es zwar seit 2004 die Reihe "Football Manager", aber für die gab es jahrelang keine deutsche Version. Das ändert sich jetzt.

In "Football Manager 2019" muss der Spieler (fast) alles selber machen: Taktiken und Formationen einstudieren, dreimal täglich das Training leiten, die Belastungssteuerung der Fußballprofis überwachen, Vertragsverhandlungen und Pressekonferenzen führen. Der Spieler kann den Torhüter anweisen, wie er den Ball zu werfen hat, oder die Rasenfläche des Heimstadions für die eigene Taktik optimieren. Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Nur das Fußballspielen übernehmen die Profis. Immerhin kann man einige Aufgaben an seine Mitarbeiter delegieren. Für Leute mit viel, nein, sehr viel Zeit ist Football Manager 2019 das Paradies. Für alle anderen lohnt sich möglicherweise ein Blick in die abgespeckte Version "Football Manager Touch".

"Football Manager 2019" ist am 2. November für Mac OS, Nintendo Switch und PC erschienen.

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11-11: Memories Retold

Screenshot 11-11 Memories Retold

Quelle: Bandai Namco / PR

Kriege sind häufig das zentrale Thema von Computerspielen: In Strategiespielen wie "Command & Conquer" schickt der Spieler ganze Armeen aus der Vogelperspektive in die Schlacht, in den Ego-Shootern der "Battlefield"-Reihe zieht er selbst in den Krieg. "11-11: Memories Retold" schafft es im Gegensatz zu diesen Spielen eine Weltkriegs-Geschichte zu erzählen, ohne dass der Spieler jemanden erschießen muss.

Die beiden Protagonisten in "11-11", die abwechselnd gespielt werden, geraten eher zufällig zwischen die Fronten des Ersten Weltkriegs: Harry, ein junger kanadischer Fotograf, soll das Kriegsgeschehen für die Alliierten dokumentieren, der deutsche Funker Kurt sucht seinen Sohn, der vermisst wird. Die Grafik im impressionistischen Stil sowie die Stimmen von Elijah Wood (Harry) und Sebastian Koch (Kurt) verleihen der Geschichte dieser beiden Einzelschicksale eine besondere Note.

"11-11: Memories Retold" ist am 9. November 2018 für PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.

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Fallout 76

Fallout 76 Screenshot

Quelle: Bethesda / PR

Das Online-Rollenspiel "Fallout 76" möchte alles gleichzeitig sein: Ein großer Abenteuerspielplatz, eine Mehrspieler-Ballerorgie und eine fiese Amerikasatire. Wie in fast allen "Fallout"-Spielen zieht man als ehemaliger Bunkerbewohner los, um in der verstrahlten Postapokalypse etwas zu erleben - und zum ersten Mal kann man das, wenn man möchte, mit anderen Spielern tun. Das führt dann aber dazu, dass man weder von der Geschichte viel mitbekommt, die eigenartigerweise vor allem über kleine Hörspiele erzählt wird, noch von den vielen, karikaturhaften Details, die für die "Fallout"-Spiele typisch sind. Spielt man dagegen alleine, wird es schnell sehr einsam in der riesigen Spielwelt, vor allem, wenn man mal wieder länger nach der nächsten Aludose für den Waffenbau fahndet.

Weil beide Spielerlebnisse so unbefriedigend sind, hat Entwickler Bethesda zerknirscht für den Dezember eine Reihe Updates angekündigt. Gar nicht thematisiert wurde dagegen bisher der schale Beigeschmack, den ein Spiel hinterlässt, das mit amerikanischem Patriotismus kokettiert und dabei Horden von Spielern aufeinander hetzt. Vielleicht soll das aber auch Teil der Satire sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Online-Spielen geht es in "Fallout 76" zwar recht zivilisiert zu, trotzdem kann es passieren, dass man einfach mal grundlos von einer Horde Mitspieler überfallen wird. Das Beste der alten Bethesda-Spiele trifft auf das Schlechteste von Social Media. So hatte man sich die Neuerfindung der USA nicht vorgestellt.

"Fallout 76" ist am 14. November 2018 für PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.

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Pokémon Let's Go Pikachu

Pokémon Let's Go Pikachu

Quelle: Nintendo / PR

Wer zuletzt vor 20 Jahren die blaue, rote oder gelbe Edition - damals auf dem Gameboy - gespielt hat, wird kaum Eingewöhnungszeit brauchen. "Let's Go Pikachu" ist zwar nur zu gewissen Teilen ein Remake der alten Spiele, aber vieles fühlt sich an wie damals.

Der größte Unterschied ist mit Sicherheit, dass die Pokémon (und die Menschen) nicht mehr aus nur wenigen Pixeln in allenfalls matten Farben bestehen. Kugelrund und knallgelb hopst Pikachu dem Spieler hinterher. Taubsis flattern durchs hohe Gras, ein Rattfratz hockt am Wegesrand. Auch fällt auf, dass der Erzrivale des Spielers über die Jahre viel netter geworden ist. Für ein noch immersiveres Spielgefühl hat sich Nintendo einen Controller in Form eines Pokéballs ausgedacht, mit dem der Spieler die Wurfbewegung vor dem Bildschirm nachahmen kann, um ein Pokémon einzufangen. Der kostet allerdings nochmal so viel wie das Spiel selbst (rund 50 Euro).

"Pokémon Let's Go Pikachu" ist am 16. November 2018 für Nintendo Switch erschienen.

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Battlefield 5

Screenshot Battlefield 5

Quelle: Electronic Arts / PR

Als britischer Fallschirmjäger landet der Spieler in Norwegen, wenige Sekunden später trifft ihn das Geschoss eines feindlichen Panzers. Als deutscher Panzerfahrer in Libyen wird er wiedergeboren, doch auch hier überlebt er nicht lange. Es folgt eine kurze Episode als Scharfschütze in Algerien. Schon im Prolog des Ego-Shooters "Battlefield 5" gewinnt man schnell einen Eindruck davon, wie das Spiel den Zweiten Weltkrieg darstellt: als chaotisch, grausam, tödlich.

Die Spielereihe erfindet sich im jüngsten Teil nicht neu. Den Spieler erwarten bekannte Modi und Soldatenklassen, im Mehrspielermodus geht es darum, Flaggen auf dem Schlachtfeld zu erobern und zu verteidigen. Selbst das Thema Zweiter Weltkrieg wurde in der Vergangenheit schon behandelt. Warum sollte sich ein Kauf überhaupt lohnen? Die Grafik stellt das Kriegsgeschehen einen Tick besser dar, noch realistischer. Im Spiel kämpfen auch Soldatinnen auf allen Seiten. Als Electronic Arts dies im Sommer ankündigte, ärgerten sich viele Spieler darüber und ließen ihrem Sexismus auf Twitter, Youtube und Reddit freien Lauf. Dabei fällt die Änderung beim Spielen kaum auf. Nach dem riesigen Erfolg von "PlayerUnknown's Battlegrounds" (PUBG) und "Fortnite" haben die Entwickler auch für "Battlefield 5" einen Battle-Royale-Modus angekündigt. Wann dieser kommt, ist unklar.

"Battlefield V" ist am 20. November 2018 für PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.

© SZ.de
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