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"CyberSecurity-Gipfel" der Telekom:"Lasst uns nicht naiv sein"

Serverschrank mit Netzwerkkabeln

Um Europa zu einem Kontinent zu machen, wo Menschen sorgenlos im Netz surfen können, muss noch einiges getan werden.

(Foto: dpa)

Unternehmer und Politiker tauschen sich auf Einladung der Telekom über die Gefahren der digitalen Welt aus. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden wächst in Europa der Unmut über die US-Sammelwut. Doch klar ist: Bis Europa ein Kontinent wird, wo Menschen sorgenlos im Netz surfen können, muss noch einiges getan werden.

Er müsste sich das nicht antun. Er müsste nicht hier stehen - und gegen staatliche Spähattacken im Internet wettern. Überwachungen in einem Ausmaß, das, wie René Obermann sagt, "die Grenzen sprengt, was viele für möglich und ich für tolerierbar halte". Nicht einmal zwei Monate bleiben dem Mann noch an der Spitze der Deutschen Telekom. Er könnte es also ruhiger angehen. Aber dies ist wohl nicht die Zeit, ruhig zu bleiben.

Die Telekom hat nach Bonn zum "CyberSecurity-Gipfel" geladen, einer Konferenz, auf der sich Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über die Gefahren in der digitalen Welt austauschen. Und die größte Gefahr, das ist nun zu spüren, ist das, was der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in den vergangenen Monaten enthüllt hat. Mit den Erkenntnissen über das Abzapfen sensibler Daten durch die amerikanischen und britischen Geheimdienste wächst bei vielen Europäern auch der Unmut.

Und das Vertrauen darin, dass die Worte von Howard Schultz, einst Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, wirklich Gewicht haben im Regierungsviertel von Washington: "Ich sage es jetzt, und ich habe es auch damals schon gesagt: Dass etwas technisch möglich ist, bedeutet nicht, dass wir es auch tun sollten."

Bei Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und für die digitale Agenda zuständig, ist bereits viel Vertrauen verloren gegangen - und sie zieht daraus ihre eigenen Schlüsse: Die Spionage sei bedauernswert, aber sie werde kein baldiges Ende haben. "Lasst uns nicht naiv sein. Lasst uns für einen guten Schutz sorgen", ruft sie den Teilnehmern der Konferenz zu. Wer ein gutes Schloss habe, der brauche keinen guten Anwalt mehr.

Obermann, der scheidende Chef der Deutschen Telekom, tut nun also, was er eben tun kann: Er zimmert eine Allianz für ein Netz zusammen, in dem sensible Daten Deutschland oder Europa nicht mehr verlassen. Im Sommer hat Obermann bereits andere Unternehmen für eine E-Mail made in Germany ins Boot geholt: E-Mails, die zwischen Anbietern wie T-Online, Freenet, web.de oder gmx.de verschickt werden, sind seitdem automatisch verschlüsselt - und sie lagern auf Großrechnern in Deutschland.