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Covid-19:Impfstoff-Forschung als Spielstein der Mächte

Forschung an einem Covid-19-Impfstoff in Brasilien. (Symbolbild)

(Foto: AFP)

Vorwürfe, dass Hacker es auf Forschung an Covid-19-Impfstoffen abgesehen haben, zeigen, um wie viel Geld und Ruhm es geht. Gegen Impfnationalismus sind wenige Staaten immun.

Kommentar von Jannis Brühl

Eine Menschheit, die im Kampf gegen eine äußere Bedrohung zusammensteht, das ist ein Mythos aus dem Reich der Katastrophenfilme. Auch die Suche nach einem Covid-19-Impfstoff weckt nicht nur Solidarität, sondern wird auch in den Strudel des Nationalismus gezogen. Großbritannien, Kanada und die USA beschuldigen russische Hacker, Einrichtungen zu attackieren, die an Impfstoffen forschen. Russland weist das zurück; eigene Forscher seien Ziele medizinischer Spionage.

Das Grundproblem sind nicht russische Hacker. Die Suche nach einem Impfstoff sollte idealerweise der ganzen Menschheit dienen, aber die Wahrheit ist: Es geht um viel Geld, fast alle forschenden Universitäten arbeiten mit Unternehmen zusammen. Wer zuerst am Ziel ist, wird Milliarden verdienen. Nur logisch also, dass es auch in der Pharmabranche Industriespionage gibt.

Das andere Problem ist, dass sich Politiker mit der Entdeckung eines Impfstoffs in ihrem Land schmücken wollen - um dann entscheiden zu können, welche Staaten wie bedient werden. So ist die Impfstoffforschung zum Spielstein im Ringen der Mächte geworden. US-Präsident Trump hat erklärt, sein Land wolle die Herstellung eines wirksamen Vakzins kontrollieren; und er verweigert sich einer internationalen Zusammenarbeit. Deutschland ist bei der Firma Curevac eingestiegen und hat die Regeln für Investoren verschärft- was auf die USA und China zielt. So bestimmt auch der Impfnationalismus den Verlauf der Pandemie.

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Die USA schließen sich dem Vorwurf an. Die Hacker haben es demnach auf Informationen über mögliche Impfstoffe abgesehen. Unklar ist, ob sie erfolgreich waren.

Von Jannis Brühl

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