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"Luca" und Co.:Helfen Check-in-Apps gegen Corona?

Corona in Deutschland: Smudo stellt App "Luca" vor

Ergänzung für die offizielle Warn-App des Bundes? Die Check-in App "Luca" will helfen, verantwortungsvolle Öffnungen trotz Pandemie zur ermöglichen. Hinter der Maske: Fanta4-Rapper Smudo, der die App mitentwickelt hat.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Apps, die zum Beispiel Besuche in Restaurants erfassen, können Gesundheitsämtern helfen. Auch die offizielle Corona-Warn-App plant eine solche Funktion, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied.

Von Max Muth

Das Bild, das der Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" am Sonntag bei Anne Will zeichnete, war verlockend. Eine Welt, immer noch pandemisch, aber, und das war für den Großteil der Zuseher wohl am wichtigsten: eine Welt, in der es mehr Freiheiten gibt als jetzt. In der Welt des Musikers Smudo sieht Freiheit so aus: Statt auf ein Fanta4-Konzert mit 500 Leuten und Abstandsregeln im Park könne man vielleicht bald auf ein Konzert mit 2500 Menschen und weniger Abstand. Weil die Nachverfolgung von Kontakten angeblich besser funktioniert - dank der App, die Smudo selbst mitentwickelt hat. Sie heißt "Luca".

Das Prinzip der Luca-App ist einfach: Betreten Menschen einen Ort, scannen die Betreiber einen QR-Code auf dem Telefon der Luca-Nutzer. Zuvor haben diese sich in der App mit ihrer Telefonnummer und Kontaktdaten registriert. Ist der Code gescannt, werden ihre Daten im System des Gastgebers automatisch - und verschlüsselt - gespeichert. Zugriff hat nur das jeweilige Gesundheitsamt im Fall einer später bekannt gewordenen Infektion. Ein kurzer Scan mit dem Handy ersetzt also das lästige Ausfüllen von Kontaktlisten.

Der eigentliche Clou seien aber die Cluster-Erkennung und die Automatisierung der Kontaktaufnahme durch die Gesundheitsämter, sagt Patrick Henning. Seine Firma Nexenio hat die App zusammen mit den Musikern der Fantastischen Vier entwickelt. Partner seien auch die Bundesdruckerei und das Hasso-Plattner-Institut. Das Luca-System, sagt Henning, könne erkennen, ob es sich um eine einzelne Infektion oder ein Infektionscluster handelt und dementsprechend Warnungen versenden.

Eine App als Superspreader-Radar

Denkbar sind solche QR-Code-Scans nicht nur in Bars und Geschäften, sondern auch in U-Bahn-Wagen oder in Bussen. Restaurantbesitzer können Zusatzinformationen wie eine Tischnummer angeben. Wird ein Gast später positiv getestet, können Gäste die in der Nähe saßen, automatisch gewarnt werden. Das wäre tatsächlich eine Verbesserung. Die manuellen Kontaktlisten sind notorisch unvollständig, unlesbar, viele Gäste geben sich Fantasienamen wie Max Mustermann. Mitarbeiter von Gesundheitsämtern müssen zudem händisch allen Menschen auf den Listen hinterher telefonieren. Das dauert oft zu lange, um Infektionsketten effektiv zu brechen, insbesondere wenn sogenannte Superspreader der Auslöser sind, die viele Menschen auf einen Schlag infizieren.

Die Corona Warn App (CWA) des Bundes arbeitet eigentlich nach einem ähnlichen Prinzip, mit dem Unterschied, dass niemand Codes scannen muss, die Handys der Menschen kommunizieren automatisch per Bluetooth miteinander. Dabei bleiben die Nutzer vollständig anonym. Der Bund und die beteiligten Unternehmen SAP und Telekom halten den Datenschutz hoch. Das trägt zur Akzeptanz bei, mehr als 25 Millionen Deutsche haben sie heruntergeladen. Es bedeutet aber für einzelne Infizierte größere Verantwortung. Sie müssen ihr positives Ergebnis selbstständig in der App melden damit andere gewarnt werden. Und das tun immer noch zu wenige. Zudem ist es auch bei 25 Millionen Downloads unwahrscheinlich, dass alle, die mit einem Infizierten im Café saßen, die Warn-App des Bundes installiert hatten.

Check-in Apps wie "darfichrein", "vida" oder eben "Luca" haben demgegenüber einen Vorteil: Café-Besitzer oder Konzertveranstalter könnten sie nach Wiedereröffnung zum Standard erklären. Wer nicht gescannt wird (oder alternativ einen Zettel ausfüllt), darf nicht rein - Hausrecht. Solch eine Regelung würde bedeuten, dass Superspreader-Ereignisse etwa in Cafés nicht nur vergleichsweise schnell, sondern auch komplett erfasst würden. Die Anbindung ans Gesundheitsamt würde bedeuten, dass das Amt im Fall einer Infektion selbst den Abgleich mit den Daten der Apps durchführen dürfte.

Praktisch sähe das so aus: Ein Labor meldet einen positiven Test an das Gesundheitsamt. Das meldet sich beim Infizierten und fragt nach den Kontakten der vergangenen Tage. Der Betroffene kann dem Amt nun entweder per TAN den Zugriff auf seine Luca-Daten erlauben. Selbst wenn er die Daten nicht teilen möchte, wird die Arbeit der Ämter leichter. Gibt der Infizierte an, in Bar A gewesen zu sein, kann auch die Bar dem Amt Zugriff auf die Luca-Daten erteilen und alle anderen Gäste werden automatisch per SMS gewarnt.

Gesundheitsamt verschickt Warn-SMS

Ähnlich wie bei der CWA des Bundes, wird es aber auch bei "Luca" darauf ankommen, wie viele Menschen sie konsequent nutzen. Denn da ist noch Luft nach oben. Die App hat bislang nur einige Modellprojekte auf Nordseeinseln wie Sylt, wo fast alle Geschäfte und Restaurants mitmachen. Mit 200 der 300 Gesundheitsämter der Republik sei man mittlerweile in mehr oder weniger festem Kontakt, sagt Luca-Chef Henning. Seit dem Auftritt von App-Botschafter Smudo in der ARD-Talkshow seien zumindest die Downloads rasant angestiegen, insgesamt haben die App 516 000 Menschen heruntergeladen.

Das ist beachtlich, aber kein Vergleich zu den 25 Millionen Downloads der offiziellen Corona-Warn-App. Wäre es deshalb nicht besser, eine solche Funktion in die App des Bundes zu integrieren? Das Gesundheitsministerium ist anderer Auffassung. Ein Sprecher schreibt der SZ, Anwendungen wie Luca, die persönliche Daten speicherten, seien eine "sinnvolle Ergänzung zur anonymen CWA". Geld für derartige Projekt stünde den Ländern "aus den Mitteln des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst" zur Verfügung.

Die Anonymität der CWA sei einer der Hauptgründe für den Erfolg der App, heißt es aus dem Ministerium weiter. Deshalb wolle man den strengen Datenschutz auf jeden Fall beibehalten. Gleichwohl arbeite man an einem Update für die Event-Registrierung, die aber weiterhin anonym sein werde. Sie soll "zeitnah nach Ostern" zur Verfügung stehen.

© SZ/jab
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