Kurs der Kryptowährung Warum Bitcoin gerade so abrauscht

Seit Jahresbeginn hat Bitcoin fast 70 Prozent seines Werts eingebüßt

(Foto: Dan Kitwood)
  • Seit Jahresbeginn hat Bitcoin fast 70 Prozent seines Werts eingebüßt.
  • Auch ein Machtkampf im Reich der Kryptowährungen hat die Unsicherheit ausgelöst.
Von Victor Gojdka

Es war eine öffentliche Aufforderung zum Duell, die bei Bitcoinmagnat Roger Ver Anfang November um 2.55 Uhr eingegangen sein soll. "Du bist mein Feind", stand darin geschrieben. In einem Video präsentiert Ver ein Bild die Mail, die sein Konkurrent Craig Wright geschrieben haben soll, eine andere Größe der Bitcoinszene. Ob die Mail echt ist, weiß niemand. Klar ist jedoch: Sie könnte mitverantwortlich sein für den Kurssturz der Digitalwährung in den vergangenen Tagen.

War ein Bitcoin am vergangenen Mittwoch noch etwa 6300 Dollar wert, waren es diese Woche Dienstag zwischenzeitlich nur noch weniger als 4300 Dollar. Seit Jahresbeginn hat Bitcoin damit fast 70 Prozent seines Werts eingebüßt. "Am Kryptomarkt geht die Panik um", sagt Bitcoinexperte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.

Auch wenn sich die Kryptomärkte oft anders verhalten als die traditionellen Aktienmärkte: Diesmal liegen sie ganz auf Linie. "Viele private Bitcoininvestoren glauben, dass sie mit steigenden Zinsen in den USA bald schon mehr Rendite für ihre Sparguthaben kriegen", sagt Demelza Hays, Bitcoinexpertin der Uni Liechtenstein. Dann werden riskante und undurchschaubare Anlagen unattraktiver, egal ob überbewertete Techaktien oder eben Bitcoin. "Gerade die vielen Privatanleger treiben die Märkte", sagt Mati Greenspan, Bitcoinanalyst der Handelsplattform Etoro. Marktexperten haben dafür im einen englischen Slogan erfunden: risk off, weg vom Risiko.

Automatisierte Programme handeln auch mit

Dass der Preis innerhalb weniger Tage um fast 2000 Dollar nach unten schnellte, hat auch mit automatisierten Handelsprogrammen zu tun. Unterschreitet der Bitcoinpreis zum Beispiel die Marke von 5000 Dollar, verkaufen diese Programme automatisch. Anleger wollen damit ihre Verluste begrenzen - und treiben den Preis mit ihren Verkäufen nur noch weiter nach unten.

Für weitere Unsicherheit hat auch ein Machtkampf im Reich der Kryptowährungen gesorgt, den zwei skurrile Promis der Szene gerade vor der Weltöffentlichkeit aufführen. Kontrahenten sind dabei der Australier Craig Wright, der immer wieder behauptet der Erfinder von Bitcoin zu sein, dies allerdings bislang nicht zweifelsfrei nachweisen konnte.

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Ihm gegenüber steht Roger Ver, der in der Szene unter dem Spitznamen "Bitcoin-Jesus" bekannt ist. Um zu verstehen, warum die beiden Szenegrößen so bedeutend sind für den Bitcoinpreis, muss man in die Geschichte der Kryptowährung schauen. Im vergangenen Jahr haben digitale Separatisten das Bitcoin-Netzwerk in Aufruhr versetzt und ihre eigene Währung abgespalten: Bitcoin Cash.

Doch die Revolutionsgemeinschaft hielt nicht lange. Inzwischen drohen Ver und Wright damit, sich gegenseitig zu ruinieren. Denn die beiden Kryptomagnaten sind sich uneins über die weitere Entwicklung des digitalen Ablegers "Bitcoin Cash". Am vergangenen Donnerstag haben sie diese Kryptowährung daher ihrerseits in zwei Teile gespalten, die nun unter den kryptischen Namen Bitcoin Cash ABC und Bitcoin Cash SV firmieren. Diese beiden Währungen kämpfen nun gegeneinander um die Vormacht.

Manche Bitcoin-Eigner wollen bis zum Äußersten gehen

Dabei dürfte vereinfacht gesagt gewinnen, wer über mehr Rechenpower verfügt. In der Bitcoin-Welt stellen sogenannte Miner mit riesigen Rechnerparks diese Rechenleistung zur Verfügung, erst sie macht Überweisungen im Netzwerk technisch möglich. Als Lohn bekommen die Miner automatisch kleine Einheiten der jeweiligen Kryptowährung gutgeschrieben. Auch die Kontrahenten Ver und Wright betreiben solche Rechnerfarmen.

Momentan haben die Miner jedoch ein Problem: Lassen sie ihre Rechner für eine der rivalisierenden Bitcoin-Ableger arbeiten, machen sie ein Verlustgeschäft, da sie Rechner kaufen und horrende Stromkosten bezahlen müssen. Die digitalen Münzen, die sie dafür bekommen, sind aber immer weniger wert. 700 000 Dollar Verlust sollen die Miner pro Tag anhäufen. "Viele dieser Miner dürften ihre Verluste ausgleichen, indem sie einen Teil ihrer riesigen Bitcoin-Vermögen verkaufen", sagt Kryptoexpertin Hays. Und den Bitcoinpreis damit weiter nach unten treiben.

Manche haben bereits angekündigt, trotz der Verluste weiterzumachen. Im Kampf um die Macht im Kryptouniversum wollen sie bis zum Äußersten gehen.

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