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Apple iPhone X:Nix mit X

Arbeiter installieren eine Werbetafel vor dem Launch des iPhone X in San Francisco

(Foto: AFP)
  • Das iPhone X sollte Apple einen neuen großen Verkaufserfolg bescheren. Doch die Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
  • Eine Umfrage unter 1500 iPhone-Besitzern sollte nun klären, warum sie nicht auf das neue Spitzenmodell umgestiegen sind.
  • Knapp jedem Dritten war das iPhone X einfach zu teuer.

Von Helmut Martin-Jung

Es war alles angerichtet für einen neuen Superzyklus, einen weiteren großen Sprung nach oben für Apple. Die Hype-Maschine drehte schon Wochen zuvor im roten Bereich, das iPhone X sollte dem Konzern einen neuen, großen Verkaufserfolg bescheren. Doch immer klarer wird: Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Was ist da bloß los? War das iPhone mit der symbolträchtigen römischen Zahl zehn im Namen etwa doch nicht das, auf das die Fans sehnsüchtig gewartet hatten?

Zum Verkaufsstart im November sah alles danach aus. Wer das Smartphone - Startpreis 1149 Euro - nicht vorbestellt hatte, musste warten; die neue Methode zum Entsperren per Gesichtserkennung erregte viel Aufmerksamkeit und spornte Nachahmer an. Doch schon bald trafen schlechte Nachrichten ein. Von Zulieferern aus Asien sickerte durch, dass sie die Produktion zurückfahren mussten. Auch Erzrivale Samsung, der pikanterweise die Bildschirme für das iPhone X liefert und sich ein gutes Geschäft erhofft hatte, musste die Erwartungen zurückschrauben. Mehr und mehr Banken und Analysten setzten ihre Verkaufsschätzungen herunter.

Schließlich gab die Investmentbank Piper Jaffray eine Umfrage unter 1500 iPhone-Besitzern in Auftrag, die klären sollte, warum sie nicht auf das neue Spitzenmodell umgestiegen waren. Die beiden häufigsten Antworten weisen auf strukturelle Probleme hin. Zum einen war knapp jedem Dritten das iPhone X einfach zu teuer. Zum anderen gaben sogar 40 Prozent der Befragten an, ihr altes iPhone funktioniere doch noch prächtig. Warum sollten sie da ein neues kaufen?

"Geniale Smartphones gehen auch günstig"

Das sind schlechte Nachrichten für Apple. Denn erstens wird damit eine seit Längerem zu beobachtende Tendenz mit einer Zahl versehen. Die Tendenz nämlich, dass die Fortschritte von Generation zu Generation bei Smartphones nicht mehr so groß ausfallen. Und das scheint nun auch bei vielen Nutzern angekommen zu sein. Lenovo macht mit seiner Marke Motorola sogar schon Werbung damit: "Geniale Smartphones gehen auch günstig", stabreimen die Marketing-Leute des chinesischen Konzerns. Zweitens zeigt das Ergebnis, dass auch Apple die Preise für Smartphones nicht nach Belieben nach oben treiben kann.

Mag beim iPhone X auch der sehr teure Bildschirm eine Rolle für den hohen Verkaufspreis gespielt haben - er verschlingt allein geschätzt etwa ein Drittel der Materialkosten -, den Nutzern ist das egal. 1149 Euro für ein Handy mit dafür recht mageren 64 Gigabyte Speicher lag ganz offenbar klar über der Schmerzgrenze vieler Handynutzer. Hinzu kam, dass die Nachfolgemodelle der bewährten iPhone-Reihe, die iPhones 8 und 8 plus, technisch kaum hinter dem X zurückstehen, auch wenn ihr Design noch dem Muster der Vorgänger folgt.

Es verwundert daher nicht, dass zumindest nach aktueller Gerüchtelage das iPhone X keine Zukunft hat. Wie Apple sich entscheidet, ob es etwa die für den Konzern neue Bildschirmtechnik Oled des X-Modells übernimmt, wieder auf LCD setzt oder beides verwendet, darüber werden einschlägigen Auguren noch viel zu schreiben haben. Viele Anleger jedenfalls erwarten, dass Apples neue Produkte besser einschlagen.

© SZ vom 24.04.2018/mri
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