Apple-Gründer zieht sich vorerst zurück:Das Charisma als größte Schwäche

Im Sommer stellt Apple sein neues Betriebssystem vor, was für viele Menschen ein zusätzlicher Anreiz sein dürfte, sich einen neuen Rechner mit dem Apfel zuzulegen. Doch der strahlende Konzern, der in den vergangenen Monaten immer neue Umsatzrekorde meldete, hat an Glanz verloren.

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Apple-Chef Steve Jobs: Gelingt dem "iGod" das nächste Comeback?

(Foto: REUTERS)

Das Charisma von Steve Jobs stärkt die Marke Apple - und ist zugleich ihre größte Schwäche. Er ist die Inkarnation jenes Lebensgefühls, das Apple mit jedem iPod, jedem iPhone und jedem iPad verkauft: Anders zu sein als die Masse.

Gerade Großstädter in der westlichen Welt sind bereit, viel Geld für dieses Lebensgefühl zwischen Avantgarde und Understatement zu bezahlen. Doch reicht dieser exklusive Zirkel aus, um langfristig Gewinn zu machen?

Mit iPhone oder iPad hat Apple neue Standards bei mobilen Geräten gesetzt. Und Nachahmer auf den Plan gerufen. Der gefährlichste Konkurrent: Google. Gefährlich, weil der Technikkonzern, der das Geld mit seiner Suchmaschine im Internet macht, die Schwächen Apples geschickt ausnutzt - etwa den Preis.

Google hat unter den Geräteherstellern Allianzen geknüpft, um sein mobiles Betriebssystem an den Mann zu bringen. Kostenlos. Ein knappes Jahr, nachdem Apple sein neueste Spielzeug, das iPad, einen flachen Rechner, der sich nicht mehr über eine Tastatur, sondern einen Fingerstreich über den Bildschirm bedienen lässt, gibt es etwa 70 ähnliche Geräte. Und kein anderes Unternehmen profitiert so stark vom Boom der Smartphones wie Google mit seinem Betriebssystem Android.

Branchenbeobachter rechnen fest damit, dass es Apples iOS noch in diesem Jahr den Rang ablaufen könnte. Auf dem Heimatmarkt hat Google dies bereits geschafft: Im vergangenen November ermittelten die US-Marktforscher von Comscore erstmals, dass mehr Mobiltelefone auf der Basis von Android verkauft wurden als iPhones.

Google: Konkurrent in Lauerstellung

Auch im Geschäft mit digitalen Zeitungen und Magazinen mischt Google zunehmend mit - und setzt Apple mit seinem Onlineladen iTunes unter Druck. Kürzlich wurde bekannt, dass der Internetkonzern Google mit verschiedenen US-Verlagen über den Aufbau eines eigenen Kiosks verhandelt, mit dem digitale Ausgaben auf Mobiltelefonen und Taschencomputern mit Googles Android-Betriebssystem geladen werden können.

Nach all dem, was bislang bekannt ist, bietet Google den Verlagen offenbar deutlich attraktivere Konditionen als Apple. Dieser behält ein Drittel der Umsätze ein, die Printhäuser mit ihren digitalen Inhalten im iTunes-Shop machen. Das ist vielen Verleger zu viel. Zumal sie dabei auch die Kundendaten, ihr wertvollstes Gut, an Apple abtreten.

Google fordert dem Vernehmen nach eine Umsatzbeteiligung von deutlich weniger als Apple - und verspricht den Verlagen mehr Informationen über die Nutzer ihrer Produkte.

© SZ vom 18.01.2011/joku
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