Wohnungsnot in Uni-Städten Studenten müssen lernen - und leben

Begrenztes Angebot: Plätze in Wohnheimen - wie hier in Greifswald - sind oft rar, die Wartelisten lang.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Politik hat Milliarden in den Ausbau von Studienplätzen gesteckt. Neue Hörsäle, Seminarräume und Bibliotheken sind entstanden. Eines jedoch wurde schmählich ignoriert: Studenten brauchen nicht nur während der Vorlesung ein Dach über dem Kopf.

Von Johann Osel

Von Luxus spricht niemand, hat auch in der Vergangenheit nie jemand gesprochen. Von jeher ist die Studentenbude ein Sinnbild für Einfachheit, man denkt an wild durcheinander möblierte Kemenaten - halb Ikea, halb Sperrmüll -, an schmutzige Kaffeebecher, ungesaugte Teppichböden, Wände mit Postern über dem Gelbstich, vielleicht an knarrende Böden, zugige Fenster. An Enge ohnehin. Der Schriftsteller Georg Hermann schilderte vor gut hundert Jahren eine der "unsagbaren Studentenbuden, die nach Kohl und Kindern roch, eingekeilt zwischen den Behausungen zweier Skalen übender Musikhochschülerinnen lag und nach einem Hof herausschaute, auf dem von morgens um sieben bis abends um neun Teppiche geklopft wurden".

Natürlich wohnt ein jeder anders, natürlich gibt es auch einen gehobenen Markt für zahlungskräftigere Studenten, nicht selten von Beruf Sohn und Tochter. Der Grundsatz aber gilt bis heute: Schlichtheit reicht meistens. Nur: In vielen Hochschulstädten gibt es überhaupt kein richtiges Mietangebot mehr.

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So groß ist die Wohnungsnot in deutschen Uni-Städten

Viel zu wenig Wohnraum, horrende Mietpreise - so das Klischee über die Wohnungslage in deutschen Uni-Städten. Doch was bedeutet das konkret für Studenten in München, Jena oder Saarbrücken? SZ-Korrespondenten berichten.

In diesen Wochen gehen die Zulassungsbescheide für das Wintersemester raus, die Studienanfänger strömen in die Städte und suchen Unterkünfte, verzweifelt und mitunter vergeblich. Die Vorbereitungen für Matratzenlager in Turnhallen zum Semesterstart laufen an, sie werden allmählich Routine. Bürgermeister flehen ihre Bürger an, leer stehende Kammern, Dachböden und ungenutzte Ferienwohnungen auf den Mietmarkt zu werfen.

Drei Viertel der Studenten haben Probleme bei der Wohnungssuche

Zählte man 1993 noch 279 000 Studienanfänger, waren es 2003 schon 370 000, seit 2011 sind es nun jährlich gut eine halbe Million. Ein ähnlich hohes Niveau hält laut Prognosen noch bis 2020 oder 2025 an. In einer Allensbach-Umfrage berichten 72 Prozent der Studenten von Problemen bei der Suche. In einer anderen Studie zeigte sich: Jeder dritte Studienanfänger sucht einen Monat oder länger, jeder zehnte länger als ein Vierteljahr.

Das Wohnungsproblem eskaliert jedes Jahr wieder - weil die Politik es zu lange ignoriert hat. Es geht nicht nur um die Existenz von Wohnraum. Sondern es geht um bezahlbaren Wohnraum. Die jüngste Sozialerhebung, vom Bundesbildungsministerium herausgegeben, veranschlagt für einen durchschnittlichen Studenten 298 Euro Mietkosten im Monat, am höchsten waren die Werte in Köln und München mit je 360 Euro. Hier fließen aber auch preisgünstige Wohnheime in den Durchschnitt ein.

Gerade die Preise für WG-Zimmer sind laut einer Analyse von Wohnungsanzeigen dagegen vielerorts rasant gestiegen. Eine Auswertung, die der Online-Anbieter Immobilienscout 24 auf Basis von 200 000 Annoncen veröffentlich hat, zeigt: In München müssen Studenten aktuell im Schnitt 501 Euro Warmmiete für ein Zimmer zahlen, in Frankfurt am Main 428 Euro. Mit sehr hohen Preisen müssen Studenten demnach auch in Stuttgart (396 Euro), Konstanz (388 Euro), Heidelberg (383 Euro) und Düsseldorf (371 Euro) rechnen. Günstiger ist es teils in den neuen Bundesländern, mit Ausnahme Berlins. Doch auch aus Leipzig, Jena, Erfurt, Greifswald oder Dresden häufen sich die Beschwerden wohnungssuchender Studenten.