Umfrage zum Studium So geht es Studenten in Deutschland

Uni-Quiz Wann beginnt c.t.?

Sie sind nicht die Ersten in der Familie, die eine Uni besuchen; haben im Schnitt eine 35-Stunden-Woche - und finden in der Mensa oft keinen Platz. Das Deutsche Studentenwerk hat Studierende zu ihrer Situation befragt - die Ergebnisse im Überblick.

Von Johanna Bruckner

Neue Stadt, neue Freunde und endlich lernen, was einen interessiert: Die Erwartungen vieler Abiturienten ans Studium sind hoch. Doch gibt es das vielbeschworene süße Studentenleben heute überhaupt noch? Wie geht es den knapp 2,5 Millionen Studierenden in Deutschland angesichts von straffen Studienplänen und steigenden Lebenshaltungskosten? Diesen Fragen ist das Deutsche Studentenwerk (DSW), der Dachverband der lokalen Studentenwerke, nachgegangen.

Alle drei Jahre befragt es Studierende zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation. Für die 20. Sozialerhebung wurden im Sommersemester 2012 mehr als 15.000 Studierende an 227 Hochschulen befragt. Die Ergebnisse im Überblick.

  • Sozialer Hintergrund

Viele Abiturienten kommen mit ganz konkreten Vorstellungen und Hoffnungen an die Uni. Das hat einen einfachen Grund: Schon ihre Eltern haben studiert. An den Hochschulen ist hauptsächlich Akademikernachwuchs zu finden. Von 100 Kindern aus Familien, in denen Mutter und/oder Vater einen Hochschulabschluss haben, nehmen 77 später selbst ein Studium auf. In Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

Damit bestätigt sich einmal mehr, wie sehr das Bildungsniveau in Deutschland von der sozialen Herkunft abhängt. "Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellenz, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede", kritisiert Studentenwerkspräsident Dieter Timmermann.

Der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund lag 2012 bei 23 Prozent. Im Vergleich zu 2009 sind das zwölf Prozentpunkte mehr - dieser Anstieg kommt aber vor allem dadurch zustande, dass in der jüngsten Erhebung Merkmale ergänzt wurden. Studierende mit einem Migrationshintergrund kommen mehr als viermal so häufig aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt wie Studierende ohne Migrationshintergrund.

  • Studienbeginn

Das alte Studiensystem mit den Diplom- und Magister-Abschlüssen brachte zwar hochqualifizierte Absolventen hervor. Doch diese waren im internationalen Vergleich (zu) alt. Auch deshalb wurde das Bachelor-/Master-System in Deutschland eingeführt. Die Abiturienten scheinen die implizite Forderung daraus, dem Arbeitsmarkt möglichst schnell zur Verfügung zu stehen, verinnerlicht zu haben.

Immer mehr junge Leute legen nach dem Abi keine Pause ein, sondern gehen direkt an die Uni. 35 Prozent, also mehr als jeder dritte Abiturient schreibt sich demnach innerhalb von drei Monaten nach seinem Abschluss für ein Studium ein. 2009 lag diese Quote noch bei 31 Prozent.

  • Studienwahl

​Fast jeder vierte Abiturient - und sogar jeder dritte männliche Abiturient - beginnt ein Studium in einem ingenieurswissenschaftlichen Fach. Damit zieht diese Fächergruppe die meisten Studierenden an.

  • Studienabbrecher

Parallel dazu gibt es immer weniger Studienabbrecher: Legten 2003 noch 15 Prozent der Studierenden ihr Studium nieder, waren es 2012 (zum Zeitpunkt der jüngsten Erhebung) nur noch neun Prozent. "Diese Entwicklung ist erfreulich und zeigt, dass ein erfolgreicher Studienabschluss für junge Menschen immer besser planbar wird", sagt Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium.

Der durchschnittliche Studierende hat nach der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks eine 35-Stunden-Woche - ohne Nebenjob.

(Foto: dpa)
  • Zeitaufwand

Die Sozialerhebung kommt zu dem Ergebnis, dass der Zeitaufwand für das Studium in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen ist. Demnach verbringen die Studierenden im Schnitt 18 Stunden in der Woche in Lehrveranstaltungen. Dazu kommen durchschnittlich 17 Stunden für Vor- und Nachbereitung ("Selbststudium"). Zum letzten Befragungszeitpunkt 2009 betrug die zeitliche Belastung fürs Studium noch eine Stunde mehr.