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Wissenschaft in Spanien:Bestechung und Vetternwirtschaft

Auch die Wahl eines neuen Dekans der Naturwissenschaftler von Ourense war nicht unumstritten. Der Geologe Pedro Araújo war erst wenige Monate zuvor promoviert worden und lediglich als Ko-Autor von drei kürzeren Aufsätzen hervorgetreten. Dafür ist er mit Regionalpolitikern bestens vernetzt, bei den bisher letzten Kommunalwahlen war er für die Sozialisten angetreten.

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Politiker unter Plagiatsverdacht

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Franziska Giffey ist nur eine von vielen deutschen Spitzenpolitikern, deren Doktorarbeiten kritisiert wurden. Eine Auswahl.

Der Bürgermeister Francisco Rodríguez, ein Parteifreund, erteilte ihm 2012 offenkundig ohne Ausschreibung den mit 70.000 Euro dotierten Auftrag, die Thermalquellen der Stadt zu erforschen. Der Bürgermeister ließ überdies einer Firma mit dem Namen Xeoaquis, deren einziger registrierter Angestellter zufälligerweise der Assistent des Dekans ist, weitere 15.000 Euro überweisen.

Wegen Bestechung und Vetternwirtschaft wurde Bürgermeister Rodríguez Ende 2012 im Rahmen der "Operation Pokémon" festgenommen. Die Strafverfolger hatten mit diesem Codenamen Sinn für Humor bewiesen: Wie bei dem japanischen Computerspiel erscheinen ständig neue Figuren bei den Ermittlungen zu einem korrupten Netzwerk. Als er nach einigen Tagen unter Auflagen aus der Untersuchungshaft freikam, feierten das seine Parteifreunde - nach Medienberichten auf Kosten der Stadtkasse. Doch im Amt konnte er nicht bleiben. Zu den ersten Amtshandlungen seines Nachfolgers gehörte es, der eigenen Tochter einen lukrativen Beraterposten zu verschaffen.

Keine Einzelfälle

Die Universität von Vigo mit ihren hypermodernen Gebäuden, für deren Instandhaltung aber die Mittel immer knapper werden, sowie ihre Außenstelle im gemütlichen Ourense sind nach Meinung von Experten bei Weitem keine Einzelfälle. Der Erziehungswissenschaftler José Penalva hat über ein Netzwerk empörter Dozenten eine Fülle von Materialien gesammelt und das Buch "Korruption an der Universität" veröffentlicht. Er sieht als Grundübel der Hochschulen in Spanien die Vetternwirtschaft: Dozentenstellen gehen nach seinen Schätzungen zu 98 Prozent an Bewerber aus dem eigenen Haus, und untereinander werden eifrig akademische Titel, Preise und Forschungsgelder vergeben. Penalva selbst hatte sich in die Universität Murcia eingeklagt, weil der ihm zunächst vorgezogene einheimische Kandidat in jeder Hinsicht schlechter qualifiziert war. Doch klagt er nun über Schikanen und Mobbing.

Im Mangel an akademischem Austausch sehen Experten eine der Ursachen für das schlechte Abschneiden spanischer Unis im internationalen Vergleich. Immer mehr besorgte Professoren fordern von der Politik Maßnahmen gegen die "akademische Inzucht". Auch aus Vigo kommt Protest von Dozenten, die sich dagegen wehren, mit den "schwarzen Schafen" über einen Kamm geschoren zu werden.

In der Plagiatsaffäre des prominenten Sportfunktionärs Blanco hat die Universität nun auf öffentlichen Druck hin eine Entscheidung getroffen. Es war nämlich bekannt geworden, dass die Betreuerin der Arbeit einen Posten in der Olympischen Akademie Spaniens übernommen hat - und die untersteht ausgerechnet Blanco. Die Universität teilte nun mit, dass es überhaupt keine Dissertation gebe. Vielmehr handle es sich bei dem Text Blancos um "Vorstudien".

Wo es keine wissenschaftliche Arbeit gibt, könne es auch kein Plagiat geben. Und somit auch keine Affäre.