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Wie Kinder sprechen lernen:Sehr unterschiedliche Situationen

DJI Impulse: Können Sie ein Beispiel für eine feinfühlige Dialoghaltung geben?

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Schon als Kinder scheuen Mädchen den Wettbewerb.

(Foto: ddp)

Sens: Erwachsene sollten der Aufmerksamkeit des Kindes folgen und auf das eingehen, was die Kinder interessiert. Das Interesse, das Kinder haben, ist der Stoff der Sprachentwicklung. Wenn sie gemeinsam ein Bilderbuch betrachten, bedeutet das: Das Kind führt - und nicht etwa der Vorlesende, indem er jeden Gegenstand nacheinander benennt in der Hoffnung, dass das Kind die Wörter nachspricht. Auch dem Kind dabei zuzuhören, ist entscheidend. Der zuhörende Andere ist ein ganz wichtiger Motor für die sprachliche Entwicklung. Sprache wird nicht erworben durch irgendeinen Stimulus, der dem Kind eingetrichtert wird, sondern im intensiven Dialog. Kinder brauchen die Zeit und die Lust, selber sprachlich aktiv zu werden.

DJI Impulse: Fachkräfte betreuen eine ganze Gruppe Kinder. Können sie da überhaupt jedem einzelnen Kind gerecht werden?

Sens: Der Kita-Alltag bietet durch seine unterschiedlichen Dialogkonstellationen und Themen ein großes Bildungspotenzial. Neben der Kommunikation zwischen Kind und Erzieherinnen beziehungsweise Erziehern gibt es auch viele Dialogmöglichkeiten mit anderen Kindern. Das Spiel miteinander bietet ein Übungspotenzial und ist entscheidend für die sozial-kommunikative und sprachlich-kognitive Entwicklung. Dazu kommen Gruppengespräche, wie etwa im Stuhlkreis das Wort zu ergreifen, aber auch Aktivitäten in Kleingruppen, die in Kindern ganz unterschiedliche sprachliche Fähigkeiten wecken können. Entscheidend ist, dass Erzieherinnen und Erzieher ihr Dialogverhalten reflektieren. Im Alltag müssen sie regelmäßig Rückschau halten: Habe ich auch alle angesprochen und gut eingebunden? Das ist gerade im Hinblick auf zurückhaltende Kinder wichtig. Im Rahmen einer Fortbildung ist die Videoanalyse eine gute Möglichkeit, sich des eigenen Verhaltens bewusst zu werden.

DJI Impulse: Nun haben Fachkräfte nicht nur mehrere Kinder zu betreuen, sondern diese haben auch ganz unterschiedliche Entwicklungsbedürfnisse.

Sens: Frühe Bildung ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die ein hohes Maß an Professionalität erfordert. Wenn man den Begriff der Inklusion ernst nimmt, bedeutet das, dass Erzieherinnen und Erzieher mit einer Vielfalt an Persönlichkeiten und einer großen Bandbreite an Fähigkeiten zu tun haben. Das Ziel muss es sein, jedes Kind individuell anzusprechen, auch wenn es einem bestimmten vorgegebenen Raster nicht entspricht. Es geht darum, die Vielfalt der kindlichen Kommunikationsmöglichkeiten zu entdecken, als gleichwertig anzuerkennen und im Rahmen der sprachlichen Bildung aufzugreifen. Das gilt beispielsweise im Hinblick auf mehrsprachige Kinder. Den Fachkräften den notwendigen Kompetenzerwerb zu ermöglichen, impliziert ein Konzept für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von frühpädagogischen Fachkräften, das neben Wissensvermittlung und Handlungsanleitung auch die Reflexion des pädagogischen Verhaltens in den Blick nimmt. Hier haben wir in Deutschland im internationalen Vergleich großen Nachholbedarf.

Andrea Sens ist wissenschaftliche Referentin in dem Projekt Qualifizierungsoffensive nach dem DJI-Konzept Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei. In einer begleitenden Studie untersucht sie, inwieweit pädagogische Fachkräfte im Rahmen der Weiterbildungsmaßnahmen des Projekts ihre Kompetenzen im Bereich der sprachlichen Bildung weiterentwickeln. Mehr zum Thema "Sprachliche Bildung" finden Sie im aktuellen Magazin DJI-Impulse, dem dieses Interview entnommen ist.