SZ-Schülergipfel:"Wir beurteilen Lehrer nicht nach ihrem Aussehen"

Über Kleidung von Lehrern wird gerne hergezogen, bei hässlichen alten Strickpullis etwa. Beeinflusst das Aussehen eines Lehrers, wie ihr über ihn denkt?

Arberie: Man macht schon mal Witze über Lehrer, die komisch angezogen sind. Aber wir beurteilen sie nicht danach. Wir haben zum Beispiel eine Deutschlehrerin, die in der Hippie-Zeit hängengeblieben ist. Aber ihr Rock-über-Hose-Look zeigt ihre Persönlichkeit und das macht sie für mich dann wiederum sympathisch.

Clara: Aber das gilt nicht für alle Klassenstufen. Wir sind jetzt in einem Alter, in dem wir gecheckt haben: Lehrer sind doch auch nur Menschen. Wir haben ein anderes Verständnis für sie als Mittelstufenschüler. In dem Alter hängt man sich noch viel mehr an Äußerlichkeiten auf und macht Leute deswegen fertig. Haben wir ja auch, wir haben versucht, unseren Lehrern das Leben zur Hölle zu machen: Reißnägel auf dem Lehrerstuhl, aus dem Klassenzimmerfenster springen, so Sachen.

Kassem: Man sucht in dieser Zeit gezielt nach Schwächen von Lehrern. Unsere damalige Geschichtslehrerin war moppelig und hatte eine Hautkrankheit. Wenn sie zu einem Jungen an den Tisch kam, ist der demonstrativ mit seinem Stuhl weggerutscht. Die ist jede zweite Stunde heulend aus dem Klassenzimmer gerannt.

Georg: Von der siebten bis zur neunten Klasse sind Kinder einfach Teufel. In der Oberstufe will man seinen Abschluss und stellt sich deshalb mit den Lehrern gut.

Stimmt das Klischee vom faulen Lehrer: freie Nachmittage, ständig Ferien?

Roman: Ich hatte einen Deutschlehrer, der uns Arbeitsaufträge gegeben hat und dann einfach für den Rest der Stunde verschwunden ist. Dem hat man angemerkt, dass er überhaupt keine Lust zum Unterrichten hatte. Einmal ist er sogar bei einer Klausur vorne an seinem Pult eingeschlafen. War zum Glück aber nur eine Vertretung.

Ena: Ich habe neulich einem Freund erzählt, dass ich Lehrerin werden will. Darauf meinte der: "Das sind doch alles faule Säcke!" Ich finde dieses Pauschalurteil unfair. In jedem Beruf gibt es doch Leute, die nur das Nötigste machen - aber ich habe meine Lehrer immer als engagiert erlebt.

Georg: Die Negativbeispiele fallen halt mehr auf. Wenn ein Lehrer einschläft, verbreitet sich das, man es erzählt es Freunden und zu Hause den Eltern. Dabei gibt es auch Lehrer, für die ihr Beruf Berufung ist. Die suchen noch in ihrer Freizeit im Netz nach Themen, die uns interessieren könnten.

Clara: Aber darf das der Anspruch sein? Klar ist es toll, wenn jemand für seinen Beruf brennt. Aber ich würde nicht von meinem Lehrer verlangen wollen, dass er bis spätnachts was für die Schule vorbereitet.

Georg: Das stimmt schon. Andererseits darf man nicht vergessen: Lehrer haben drei Monate Ferien im Jahr.

Kassem: Wir sehen aber nur die Zeit, die unsere Lehrer an der Schule verbringen.

Georg: Aber ein Lehrer kann seine Zeit viel freier einteilen als andere. Während meiner Banklehre war mein Tagesablauf durchgetaktet: Um sechs Uhr bin ich aufgestanden, um 8.30 Uhr hat die Bank aufgemacht, am Spätnachmittag war Schalterschluss, aber danach kamen noch Kunden. Ein Lehrer hat auch freie Nachmittage und er kann länger Pause machen, bevor er zum Beispiel korrigiert.

Mit einem guten Lehrer alleine ist ja noch nicht viel gewonnen. Was macht für euch guten Unterricht aus?

Kassem: Er muss strukturiert sein, aber auch abwechslungsreich. Was spricht dagegen, mal eine Stunde im Foyer oder draußen in der Sonne zu halten?

Clara: Ja, Abwechslung ist wichtig! Ich finde es gut, wenn ein Lehrer mal frei spricht, mal was auf die Tafel schreibt, mal Whiteboard oder Computer einbindet. Nur Frontalunterricht ist genauso langweilig wie nur Gruppenarbeit. Mir muss außerdem immer klar sein, warum ich etwas lerne. Gerade in einem Fach wie Mathe will ich, dass mir der Lehrer erklärt, warum es wichtig ist, dass ich dieses oder jenes mathematische Verfahren beherrsche.

Kassem: Genau. Guter Unterricht stellt den Bezug zur Praxis her.

Georg: Meiner Erfahrung nach klappt das am besten über Projektarbeit. Wenn wir in Informatik ein eigenes Programm schreiben sollen, packt auch die der Ehrgeiz, die eigentlich schlecht sind im Programmieren.

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