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Studienfinanzierung:Zweierlei Geld

Studieren auf Pump - Den richtigen Hochschulkredit finden (22.10.2012)

Sterntaler im Studium? Wenn das alles nur so einfach wäre.

(Foto: dpa)

Bafög einerseits, Stipendien für leistungsstarke Studenten andererseits: Verbände fordern ein Ende des Konkurrenzdenkens.

Von Johann Osel

Dass das Projekt am Anfang vor sich hin stolperte, kam Kritikern nur recht: 2009 hatte die damalige schwarz-gelbe Regierung im Koalitionsvertrag ein "Nationales Stipendienprogramm" erdacht. Begabte und engagierte Studenten erhalten unabhängig vom Einkommen der Eltern monatlich 300 Euro - die eine Hälfte zahlt der Bund, die andere müssen Unis, die auch die Auswahl treffen, bei Firmen oder Mäzenen anwerben. Da die Univerwaltungen Probleme beim Geldsammeln hatten und noch haben, bleibt die Zahl der Geförderten hinter den Zielen zurück. Angriffsfläche für alle, die in dem Projekt eine Konkurrenz zum Bafög sehen. "Bürokratiemonster", "Bonus für Privilegierte" - mit derlei Etiketten geißeln linke Studentenvertreter die Idee.

Nun hat Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) einen Evaluationsbericht vorgestellt. Im internationalen Vergleich gebe es in Deutschland bislang keine "Stipendienkultur", sagte sie - was sich jedoch zu ändern beginne. Mit 22 000 Personen förderte 2014 das Deutschland-Stipendium 0,84 Prozent der Studenten (Bafög gut jeden Dritten). Die derzeit angestrebte Quote von zwei Prozent wird klar verfehlt. Der Bericht erteile aber eine "gute Note", so Wanka. Unter den Stipendiaten finden sich demnach nicht mehr Akademikerkinder als unter allen Studenten. Und der Anteil der Geförderten mit Migrationshintergrund lag über dem Anteil an der Gesamtzahl. Der grüne Hochschulexperte Kai Gehring nannte Wankas "Jubel" angesichts der verfehlten Quote "bizarr". Er forderte, die Mittel - 47 Millionen Euro - ins Bafög umzuleiten. Dass, wie der Bericht zeigt, das Stipendium nicht nur an Studenten aus ohnehin reichen Familien geht, könnte aber auch manche Kritik besänftigen.

Ein Ende des Konflikts zwischen Spitzenförderung über Stipendien und Breitenförderung über Bafög - das fordert daher ein Aufruf der Hochschulrektorenkonferenz, der Arbeitgeber- und Industrieverbände: Bafög und Stipendium "dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden". Firmen knüpfen über das Modell früh Kontakte zu leistungsstarken oder engagierten Studenten. Die Evaluation sei "ermutigend", was die soziale Verteilung der Stipendiaten betrifft, hieß es. Die Akzeptanz des Stipendiums wird daran hängen, wie der Bund sein Bafög pflegt. In diesem Herbst steigen die Beiträge um sieben Prozent. Beschlossen wurde das bereits 2014 - der späte Termin löste Kritik aus, zumal es davor lange Stillstand gab. Das Studentenwerk fordert, Wanka solle noch in dieser Legislaturperiode ein weiteres Plus anleiern - sonst würde ja das Bafög nach Bundestagswahlen, Regierungsbildung und Etat-Verhandlungen erst 2020 oder später wieder steigen.

© SZ vom 14.03.2016
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