bedeckt München
vgwortpixel

Selbstorganisation im Studium:Keine Scheu vor vermeintlichem "Kinderkram"

Faber rät deshalb, beim Lernen der einzelnen Kapitel in fünf Schritten vorzugehen: Als Erstes wird der Text gelesen, dann werden die Schlüsselbegriffe markiert. Dann kommt das Wichtigste: die Aussage für sich selber zu formulieren. Das könne man grafisch über eine Mindmap oder über eine Tabelle machen. Oder man könne sich selbst laut einen Kurzvortrag halten.

Sonnenbad in Mainz

Frische Luft und Sonne statt Blibliotheks-Mief: Wenn es ans Lernen gibt, finden viele Studierende Orte, an denen sie viel dringender sein müssen als am Schreibtisch.

(Foto: dpa)

Erwachsene hätten damit jedoch oft ein Problem, gerade wenn sie schon berufstätig seien. "Die sagen dann: So einen Kinderkram mache ich nicht", erzählt Faber. Stattdessen nähmen sie sich vor, sich die Aussage zu denken - prägten sie sich aber nicht ein. Da kann es helfen, die Gedanken einem anderen zu erzählen.

Als vierten Schritt sollten Studenten versuchen zu überprüfen, ob sie das Gelernte verstanden haben. Habe man etwa beim Kurzvortrag gemerkt, dass man die Gedanken nicht klar formulieren konnte, gebe es wahrscheinlich noch Lücken. Der fünfte und letzte Schritt besteht schlicht darin zu sehen, ob man das, was man sich vorgenommen hat, geschafft hat, ob also etwa eine Stunde für ein Kapitel gereicht hat.

Der Lernort sollte immer derselbe sein

Auch die äußeren Umstände gehören zur Lernstrategie. Der Lernort etwa sollte immer derselbe sein und auch nur zum Lernen genutzt werden, damit morgens nicht erst die Reste des Abendessens weggeräumt werden müssen. Zudem sind feste Lernzeiten wichtig, wie beide Experten betonen. Dadurch könne man sich vor dem schützen, was Grotehusmann "Nur-noch-schnell-Virus" nennt: Hier ein Telefonat, da ein Chat, dort eine Tasse Kaffee - und schon ist der halbe Tag vorbei. "Man braucht eine klare, enge, einfache Struktur", betont Faber. Eine Möglichkeit sei, sich einen Tagesplan aufzumalen und die Lernblöcke rot zu markieren.

Grotehusmann rät, sich Lernblöcke direkt neben Entspannungsblöcke zu legen, etwa vor die Lieblingsfernsehserie, um klare Grenzen zu schaffen. Dazu helfe auch, den Mitbewohnern klarzumachen, wann man lernt. "Dann ist die Tür zu und keiner kann stören und fragen, ob man den Müll hinunterbringt", sagt Faber.

Doch der Wissenschaftler betont, ohne die richtige Einstellung helfe keine Strategie. Führe man etwa eine gute Note in einer Prüfung auf Glück zurück, anstatt sie als Lernerfolg zu sehen, dann könne keine Motivation aufkommen. Deshalb sei es wichtig, sich bei jedem einzelnen Schritt bewusst zu machen, dass man selber gerade etwas geschafft hat, etwa durch eine Liste, die die fünf Schritte abfragt und nach jeder Lerneinheit abgehakt wird.

Stehen überall Haken, weiß man, dass man etwas erreicht hat - ganz allein, ohne Glück. Und das, stellt Faber fest, sei schließlich die größte Motivation.