Schule Inklusion kostet Geld - das die Politik bisher nicht investiert

Viele Bundesländer, so Meidinger weiter, hätten die Förderschulen zu früh geschlossen und gehofft, dass die Inklusion an den Regelschulen schon irgendwie funktionieren werde. Nun bekomme er von Kollegen bundesweit die Rückmeldung: Wir scheitern an zu geringen personellen Ressourcen, so kann keine echte Inklusion stattfinden.

Dass es auch anders geht, zeigen einige wenige Gymnasien, etwa das Gymnasium Links der Weser in Bremen. Dort lernen in sieben Klassen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam - so weit das eben möglich ist. Die Klassenräume sind in zwei Zimmer mit Zwischentür getrennt, die maximal fünf Inklusionskinder pro Gruppe nicht ständig im Regelunterricht, sondern nur dann, wenn es auch sinnvoll ist. Es sind immer zwei Lehrkräfte anwesend, dazu Sonderpädagogen und im Bedarfsfall noch eine weitere Kraft als Unterstützung für ein mehrfach behindertes Kind.

Schule "Ein Beinbruch hätte mir genügt"
Inklusion am Gymnasium

"Ein Beinbruch hätte mir genügt"

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Dass so alle Gymnasien mehr Inklusion leisten könnten, das sieht auch Schulleiter Franz Vogl aus Neufahrn so: "Es würde eine Bildungsexplosion geben, wenn das Lehrpersonal aufgestockt werden würde: zwei Lehrer pro Klasse, dazu Sonderpädagogen, wo sie gebraucht werden." Aber das koste eben viel Geld und die Politik müsse sich erst dazu durchringen, dieses Geld zu investieren.

Das bedeutet aber nicht, dass an Vogls Schule keine Kinder mit Förderbedarf unterrichtet würden. Er erzählt von einer Autistin und erklärt an ihrem Beispiel, was Inklusion an den meisten Gymnasien bedeutet. Das Mädchen konnte zeitweise nur zu Hause unterrichtet werden, deshalb bekam die Schule für sie zwölf sogenannte Anrechnungsstunden - mehr Unterricht, als es das normale Budget zulassen würde. Dadurch konnte man nicht nur Hausunterricht erteilen, es konnten auch kleinere Klassen realisiert werden, um für die Schülerin ein angenehmeres Lernklima zu schaffen, als sie schließlich am Regelunterricht teilnehmen konnte. Das Mädchen, so Vogl, sei hochintelligent und werde nun voraussichtlich sogar eine Jahrgangstufe überspringen können. Alles dank der speziellen Förderung zuvor. "Diese Form der Inklusion am Gymnasium unterstütze ich zu 100 Prozent", sagt Vogl.

Aber natürlich bringt das gymnasiale Leistungsprinzip in Sachen Inklusion für viele Betroffene Probleme. Clara Sägebrecht zum Beispiel graut jetzt schon vor dem Ende der Grundschulzeit ihrer Tochter. Die hat das Down-Syndrom und besucht derzeit die dritte Klasse einer bayerischen Grundschule. Sägebrecht, die eigentlich anders heißt, fürchtet, dass ihr Kind nach Klasse vier aus dem gewohnten sozialen Umfeld gerissen wird. "Sie hat in der Schule viele Freunde und dank der Arbeit einer sehr engagierten Schulleiterin kommt sie wirklich gut zurecht. Aber natürlich wird sie die Voraussetzungen fürs Gymnasium nicht erfüllen - wo die meisten ihrer Freunde aber hingehen werden", erzählt Sägebrecht.

Für das gut integrierte Mädchen wird der Übergang an die weiterführende Schule also wohl einen einschneidenden Neuanfang bedeuten. Wahrscheinlich an einer Mittelschule.