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Schule:"Lehrkräfte sollten auch den einzelnen Schüler im Blick haben"

Sie sprechen die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften an. Wie sollten sie im Interesse des Kindes zusammenarbeiten?

Ganz wichtig ist für Eltern wie auch Lehrkräfte, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie man erkennt, dass es dem Kind nicht gut geht. Lehrkräfte sollten nicht nur die Klasse im Blick haben, sondern auch den einzelnen Schüler. Ideal wäre es dann, wenn sich Eltern und Lehrkräfte im Rahmen einer Erziehungspartnerschaft regelmäßig über das Kind austauschen würden. So ließen sich aufkommende Probleme frühzeitig erkennen und gegensteuern.

Die Elternbefragung hat einen deutlichen Anstieg von Depressionen bei den Kindern gezeigt. Warum?

Das stimmt, gerade bei den 13- bis 18-Jährigen ist der Anstieg immens. Das liegt gewiss auch daran, dass die Sensibilität für psychische Erkrankungen zugenommen hat und diese daher einfach häufiger diagnostiziert werden. Man muss aber auch sagen: Eine Depression ist das Ende in einer Spirale von Überforderung und Stress. Dass die Diagnosen hier um teils mehr als 100 Prozent angestiegen sind, sollten Eltern und Lehrkräfte durchaus als Warnsignal auffassen.

Klagen Mädchen oder Jungen häufiger über stressbedingte Probleme?

In der Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen ist das Verhältnis ausgeglichen. Bei den Jugendlichen ab 13 Jahren zeigt die Auswertung, dass deutlich mehr junge Frauen von psychischen Erkrankungen betroffen sind.

Welche Schlüsse sollten die Schulen daraus ziehen?

Es sollte jedenfalls niemand denken, dass Jungen resistenter gegen psychische Erkrankungen sind. Sie gehen wohl eher anders damit um, was von Eltern und Lehrkräften einen differenzierteren Blick erfordert. Stört dieser Junge den Unterricht, weil er in der Pubertät ist? Oder steckt da vielleicht etwas anderes dahinter? Solche Fragen sollten Lehrkräfte im Elterngespräch zwingend besprechen.