Schule Immer mehr Schüler leiden unter psychischen Erkrankungen

Viele Schüler in Deutschland leiden unter Stress.

(Foto: dpa)

Das belegt eine Studie. Psychologin Franziska Klemm erklärt, woran es liegt und wie Eltern und Lehrkräfte helfen können.

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Stress, Prüfungsängste, Depressionen - viele Kinder fühlen sich überfordert, auch in der Schule. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat unter ihren Versicherten eine Befragung zum Thema durchgeführt. Titel der Studie: "Endstation Depression: Wenn Schülern alles zu viel wird." Demnach gab es unter Jugendlichen speziell bei der Diagnose Depression einen deutlichen Anstieg in den vergangenen Jahren.

Franziska Klemm ist Psychologin und betreut unter anderem die Stress-Präventionsprogramme der KKH für Kinder und Jugendliche.

SZ: Frau Klemm, was verursacht Kindern und Jugendlichen am meisten Stress?

Franziska Klemm: Besonders der Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Schule macht ihnen Sorgen. Dazu kommt Ärger mit Freunden, auch in den sozialen Medien. Ursprünglich hatten wir auch angenommen, dass die Kinder und Jugendlichen Probleme dabei haben, Schule und Freizeitaktivitäten unter einen Hut zu bringen. Das Thema Freizeitstress ist ja später bei Berufstätigen hochrelevant. Unsere Elternbefragung hat aber ergeben, dass es die Kinder sehr gut schaffen, die Balance zwischen Schule und Freizeit halten.

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Was macht den Kindern in der Schule die größten Probleme?

Aus unseren Präventionsprojekten wissen wir, dass die Erwartungshaltung zentral sein dürfte. Kinder bekommen offenbar häufig das Gefühl vermittelt - aus ihrer direkten Umgebung und manchmal auch von den Eltern -, dass es nicht genügt, nur zur Schule zu gehen und etwas zu lernen. Dass es nicht ausreicht, durchschnittliche Leistungen zu bringen. So entsteht Druck, der zu dauerhaftem Stress führen kann.

In der Studie heißt es: "Der Stress nimmt mit den Schuljahren und den Anforderungen zu." Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Nein. Je älter die Schüler werden, desto mehr Aufgaben haben sie in ihrer Freizeit zu bewältigen und desto komplexer wird auch der Unterrichtsstoff. Ich finde es logisch, dass diese Phase des Sich-in-die-Gesellschaft-Einfindens parallel zu den Herausforderungen in der Schule zu mehr Stress führen kann.

Was können Eltern tun, um ihre Kinder in so einer Phase zu unterstützen?

Mit zunehmendem Alter nimmt das zwar etwas ab, dennoch sind die Eltern die zentralen Bezugspersonen für ihr Kind und können es auch am besten einschätzen. Der wichtige erste Schritt ist daher immer die Wahrnehmung, ob das Kind mit neuen Anforderungen in der Schule gut zurechtkommt oder womöglich Hilfe braucht. Hier ist es wichtig, nicht nur den Dialog mit Lehrkräften zu suchen, sondern auch einen Weg zu finden, Stressauslöser möglichst gemeinsam mit dem Kind zu eliminieren. Eltern sollten sich aber nicht allein um alles kümmern, sondern dem Kind zeigen, wie es selbst mit stressigen Situationen - zum Beispiel vor wichtigen Prüfungen in der Schule - fertig werden kann. So lernt das Kind im Idealfall: Eine herausfordernde Situation schmeißt mich nicht gleich um!