Schule Gegen die Mathe-Unlust

Mädchen liegen bei den Leistungen im Fach Mathematik hinter den Jungen zurück.

(Foto: Frank Leonhardt/dpa)

Es sind Klischees, die durch Studien belegt sind: Mädchen rechnen nicht gern, dafür lesen Jungs weniger. Wissenschaftler fordern daher nun eine getrennte Förderung von Jungen und Mädchen in der Grundschule.

Von Johann Osel

Bücher wälzende Mädchen hier, tüftelnde Jungen dort. So sehr man sich an dieser plumpen Rollenzuschreibung stören mag: In Bildungsvergleichen wird sie bestätigt. Die Pisa-Studie 2013 ergab, dass Mädchen in Mathe noch weiter als früher hinter den Jungen liegen. Dagegen haben sie beim Lesen einen stolzen Vorsprung sowie insgesamt die besseren Leistungen. Längst ist neben der Mathe-Scheu der Mädchen von einer "Jungen-Krise" die Rede. Nun fordert der Aktionsrat Bildung, ein Gremium renommierter Bildungsforscher aus ganz Deutschland, mehr Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung von Schülern zu legen. Und dazu zähle auch getrennte Förderung von Jungen und Mädchen in Grundschulen.

"Um möglichst allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, ihre Potenziale in den jeweiligen Fachgebieten voll auszuschöpfen, ist eine geschlechtsspezifische Förderung unabdingbar", heißt es in dem neuen Gutachten des Rates. Es wurde am Mittwoch in München vorgestellt und dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) übergeben, der derzeit auch Präsidiumsmitglied der Kultusministerkonferenz ist. Da müssten schließlich Konzepte für Geschlechtertrennung entstehen.

"Nicht nur auf die Vermittlung von Wissen beschränken"

Im Fokus könnten zusätzliche Angebote stehen, aber auch Differenzierung im Unterricht. Mädchen sollen so mehr Lust auf Mathe bekommen und durchsetzungsstärker werden. Bei den Jungen geht es um Lesefreude und soziale Kompetenz. Den Experten geht es vor allem um die Herangehensweise an ein Fach.

Generell sollen Schulen Lernprozesse "nicht nur auf die Vermittlung von Wissen beschränken". Gestärkt werden müssten selbständiges Lernen, Unterricht in Projekten und außerhalb von Schulen oder auch künstlerische Bildung. "Nicht nur Mathematik, Deutsch und Englisch sind relevant. Eine gesunde Charakterbildung ist genauso wichtig", sagte der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), Alfred Gaffal. Die vbw hat den Aktionsrat 2005 ins Leben gerufen. Laut Umfragen sind Firmen oft Kopfnoten wichtiger als Zensuren. Egal ob bei Mädchen oder Jungen.

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