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Pisa 2015:Warum die Studien von 2012 und 2015 schwer vergleichbar sind

Will man die Werte verschiedener Jahrgänge vergleichen, um zu sehen, wie sich ein Land entwickelt hat, dann kommt noch etwas hinzu, was als "Linking-Fehler" bezeichnet wird. Die Prüfungsfragen verändern sich, irgendwie muss man die Testskala eines Jahres an die der nächsten Runde anpassen. Das ist die dritte und die größte Quelle von Unsicherheit.

"Signifikant" heißt ein Unterschied zwischen zwei Werten im Pisa-Test erst dann, wenn er wahrscheinlich nicht allein durch solche Schwankungen hervorgerufen wird. Die Definition dafür ist etwas umständlich: Eine Differenz zwischen zwei Werten ist dann signifikant, wenn sie in höchstens fünf Prozent der Fälle auch ohne einen realen Unterschied zu erwarten wäre, aufgrund statistischer Ungenauigkeit.

Pisa 2015 Computer statt Papier
Pisa 2015

Computer statt Papier

Erstmals haben Schüler die Aufgaben einer Pisa-Studie digital gelöst. Sind die Ergebnisse der neuen Erhebung mit früheren vergleichbar?   Von Marcel Grzanna

Zum Beispiel sind in Deutschland die Werte in den Naturwissenschaften zwischen den beiden Schwerpunktsjahrgängen 2006 und 2015 leicht zurückgegangen, aber dieser Rückgang ist so gering, dass er ebensogut eine statistische Täuschung sein kann - darum ergibt es wenig Sinn, sich darüber aufzuregen, de facto stagnieren die Leistungen. Allerhöchstens kann man sich beschweren, dass es anders als etwa bei der Lesekompetenz keine Verbesserung gegeben hat - jedenfalls keine, die deutlich genug wäre, um sich in den Zahlen niederzuschlagen.

Signifikant ist allerdings der Rückgang in den Naturwissenschaften zwischen 2012 und 2015 um 15 Punkte, das entspricht in der Pisa-Rechnung etwa einem halben Schuljahr. Aber da 2015 ein Schwerpunktjahr mit sehr vielen Prüfungsfragen war, 2012 aber nicht, lassen sich diese Werte schlecht vergleichen, Statistik hin oder her. Zudem sind drei Jahre eigentlich zu kurz, als dass sich eindeutige Trends im Bildungssystem zeigen könnten.

Und was ist nun mit den naturwissenschaftlichen Bildungserfolgen von Großbritannien, Australien und Neuseeland, warum lassen diese Länder Deutschland hinter sich? Tun sie gar nicht. Bezieht man die Unsicherheit mit ein, liegen alle drei Länder in Naturwissenschaften gleichauf mit Deutschland, ebenso wie Korea, Slowenien, die Niederlande und die Schweiz - einen nachweisbaren Unterschied gibt es nicht, auch wenn es in der OECD-Rangliste zuerst anders aussieht.

Pisa 2015 Lösen Sie die Aufgaben aus dem Pisa-Test

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Lösen Sie die Aufgaben aus dem Pisa-Test

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