Online-Knigge für Studenten:Laptop gegen Langeweile in der Vorlesung

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4. Fremdsurfen in der Vorlesung

Der aufgeklappte Laptop kann in einer langweiligen Vorlesung zum Fremdsurfen verführen. Für den studentischen Wunsch nach Zerstreuung hat Dozentin Martina Dressel eine Erklärung: "Unser Gehirn kann pro Minute 600 Worte verarbeiten. Sind es deutlich weniger, neigen wir dazu, uns zu langweilen." Die Vorstellung, der Student könne sich faul zurücklehnen, während sich der Dozent vor der Tafel verausgabt, ist falsch: "Aktives Zuhören fordert mehr Energie als freies Sprechen."

Ein Freischein zum Fremdsurfen sei das aber nicht: Die Hirnforschung zeige nämlich auch: "Multitasking tut dem Gehirn nicht gut. Am besten entwickelt es sich, wenn wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren."

Außerdem liegen viele Studenten falsch, wenn sie meinen, das Fremdsurfen bleibe dem Dozenten verborgen. Dressler und Michel sind sich einig: Fast jeder Professor bemerke es, wenn der eigene Vortrag an einer Laptop-Wand abpralle. "Das ist ein schlimmes Gefühl, wenn man immer wieder den Ball ins Publikum wirft und niemand wirft ihn zurück", sagt Dressler.

5. Jugendsünden gezielt verdrängen

Sich halbnackt mit seinen Saufkumpanen ablichten und dieses Bild online stellen - das ist mit 21 Jahren nicht ratsamer als mit 15. Der einzige Unterschied: Der Moment, in dem ein Personaler über die eine oder andere Jugendsünde im Netz stolpern könnte, ist mit dem Studium in greifbare Nähe gerückt.

Sven-Olaf Peeck rät Studenten daher, den eigenen Namen regelmäßig zu googeln. "Es ist wichtig, seinen Namen im Netz halbwegs unter Kontrolle zu halten", sagt der Online-Marketing-Berater. Wer auf ein negatives Suchergebnis stößt, kann dieses zumindest aus den Topthemen verdrängen. "Twitter, Xing, Linked-in oder about.me tauchen bei den Google-Suchergebnissen immer oben auf. Daher kann es helfen, sich bei solchen Plattformen anzumelden."

Ein Profil bei Xing legt Peeck Studenten generell ans Herz. "Mediziner brauchen so etwas vielleicht nicht - da läuft die Jobsuche meist anders ab. Aber für viele andere Studienfächer macht das sehr viel Sinn." Es müsse nicht gleich ein Jobangebot dabei herausspringen - vielleicht aber die Möglichkeit, die Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Und mancher Kontakt aus dem Praktikum zahle sich erst viel später aus.

Wer genau weiß, wo er beruflich hinwill, kann laut Peeck auch schon zu Studienzeiten gezieltes Selbstbranding betreiben - indem er etwa einen Blog aufbaut. Dazu rät auch der Personalreferent Stefan Nette von der Online Marketing Solutions AG: "Ein gut gepflegter Blog über ein bestimmtes Interessensgebiet zeigt mir, dass der Bewerber engagiert ist und während des Studiums über den Tellerrand hinausschaut."

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