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Medizinstudium:Gute Landärzte lassen sich nicht erzwingen

Landarzt

Auf dem Land fehlen immer öfter Ärzte. Eine Quote bei den Studienplätzen soll das ändern.

(Foto: dpa)

Vom Wintersemester 2019/2020 an möchte Bayern eine Landarztquote fürs Medizinstudium einführen. Das wird nicht helfen.

Kommentar von Astrid Viciano

Ein mächtiges Problem im Gesundheitswesen soll sich vom Wintersemester 2019/2020 an in Luft auflösen, zumindest in Bayern. Von diesem Zeitpunkt an sollen bis zu fünf Prozent der Studienplätze im Freistaat bevorzugt an Nachwuchsmediziner vergeben werden, die sich nach ihrer Facharztausbildung für mindestens acht Jahre als sogenannte Landärzte für unterversorgte Regionen verpflichten. Diesen Fahrplan hat das Kabinett in dieser Woche begrüßt. Es war eine Verzweiflungstat, angesichts des gravierenden Mangels an Allgemeinmedizinern auf dem Lande.

Es ist aber auch eine Tat, die junge Menschen zu Entscheidungen zwingen kann, die sie gar nicht überblicken können. Wie soll sich eine Abiturientin auf 20 Jahre hinaus festlegen, bevor sie ihr Studium überhaupt begonnen hat? Was, wenn sich die Studierende im Laufe ihrer Ausbildung nicht für die Allgemeinmedizin, sondern für die Frauenheilkunde begeistert? Oder wenn sie gar in der Forschung arbeiten will?

Erst wenn Nachwuchsmediziner verschiedene Fächer kennenlernen und Praktika durchlaufen, entdecken sie meist ihre persönliche Neigung - und ihr Talent. Statt eine Lösung hierfür zu bieten, ist sogar von Strafen die Rede. Bis zu 150 000 Euro sollen Studenten zurückzahlen, wenn sie das Versprechen, Landarzt zu werden, brechen, und sich nach dem Studium doch dagegen entscheiden.

Für das Söhnlein aus gutem Hause wäre das kein Problem, Mama und Papa könnten ihn freikaufen. Auf diese Weise könnten sich betuchte Abiturienten sogar einen Studienplatz sichern, den sie sonst vielleicht nicht bekommen würden. Andere müssten sich immens verschulden, sollten sie später ihr Glück jenseits des Landarztlebens suchen wollen. Oder sie fügen sich, aus Zwang und nicht aus Leidenschaft. Gerade als Allgemeinmediziner auf dem Land, der für viele Patienten zunächst der einzige Ansprechpartner ist, sollten Begeisterung und Engagement aber unbedingt im Vordergrund stehen.

Was tun? Vor allem muss die Wertschätzung für den Landarzt unter Medizinern steigen. In den vergangenen Jahren sind zunehmend Lehrstühle für Allgemeinmedizin an Universitäten entstanden - ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch der neue Pflichtabschnitt in einer Praxis im Praktischen Jahr des Studiums wird dazu beitragen. Doch muss noch mehr ins Bewusstsein rücken, wie wertvoll ein kompetenter Hausarzt gerade auf dem Lande ist. Dort, wo im Zweifel kein Facharzt in der Nähe ist und die nächste Klinik weit entfernt. Die Mediziner dort tragen besonders große Verantwortung. Diese sollte mehr gewürdigt werden.

© SZ vom 15.07.2017/edi
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