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Englisch an Grundschulen:Englisch überfordert Grundschüler nicht

An vielen Grundschulen gibt es auch Projekte, die über einsprachigen Englischunterricht hinausgehen. Andrea Micklitz ist Rektorin an der St.-Anna-Grundschule in Augsburg, dort werden seit 2007 in einer Klasse pro Stufe Kunst, Musik und Sport auf Englisch gelehrt. "Schüler aus den bilingualen Klassen gehen viel unverkrampfter mit der Sprache um", sagt sie. Die Fremdsprache werde für die Kinder zur "natürlichen Umgangssprache". Zum September beginnt in Bayern ein Schulversuch mit weiteren 20 Grundschulen, an denen für vier Jahre zweisprachig gelernt werden soll. Dass die Kinder durch die frühe Fremdsprache überfordert sein könnten, schließt Forscher Böttger aus. Schüler in dem Alter hätten eine "Entwicklungsdisposition für das Sprachenlernen", sie könnten problemlos mehrere Sprachen verarbeiten, "ohne dass etwas beschädigt wird". Kinder mit Migrationshintergrund hätten gegenüber Mitschülern sogar einen Vorteil - weil sie beim Deutschlernen bereits mit einer Fremdsprache konfrontiert gewesen und neuronal besser auf die Herausforderung des Englischen vorbereitet seien.

"Englischunterricht an Grundschulen muss Themen aus der Lebenswelt der Kinder abbilden", fordert Maresi Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbandes. Ideal sei es, wenn ein Teil des Schulalltags auf Englisch ablaufen würde. Wissenschaftler Böttger sieht auch "keinen Grund, erst in der fünften Klasse zu fragen, warum die Spinne so und so viele Beine hat. Das lässt sich hervorragend im Englischunterricht in der Grundschule einbinden." Damit das gelingt, braucht es aufseiten der Lehrer sprachliche und didaktische Kompetenz. Auch wenn zuletzt eine Professionalisierung zu beobachten ist, gibt die BIG-Studie auch zu denken. Nur 29 Prozent der befragten Lehrkräfte bewerteten die eigene Englischkompetenz als sehr gut, ein Fünftel fand ihr Sprachvermögen mittelmäßig. Zudem beurteilten nur 73 Prozent der Lehrer den Englischunterricht als sehr wichtig. Dass mehr als ein Viertel der Befragten ihr Fach nicht essenziell findet, lässt für deren Unterricht nichts Gutes erahnen.

Schulalltag

Die nervigsten Lehrer-Typen

Ein Grund für die Bewertung könnte aber sein, dass Englisch in der Grundschule in den meisten Ländern nicht nur nicht benotet wird - das Fach ist vielerorts auch nicht übertrittsrelevant. Für die Motivation der Schüler ist das gerade in der vierten Klasse abträglich, sagt Lehrerin Sölch. Heiner Böttger hält das Vorgehen dennoch für richtig: "Das Spielerische und der Freiraum beim Lernen der Sprache sind wichtiger und würden durch Benotung untergraben." Nach wie vor wird im Unterricht etwa viel gesungen - die Kinder sollen Spaß mit der Sprache haben, sie beiläufig lernen.

Das ändert sich an den weiterführenden Schulen. Von Gymnasiallehrern gab es daher in den Anfängen viel Kritik am Englisch der Grundschulen. Teils aus Unwissen, worauf in den Primarstufen der Fokus gesetzt wird, teils wohl aus einer gewissen Überheblichkeit heraus. Helmut Egger unterrichtet seit 1984 Englisch an einem bayerischen Gymnasium, hat die Entwicklung lange beobachtet: "Es hat uns am Gymnasium weitergebracht, dass die Fünftklässler mit Grundkenntnissen im Englischen zu uns kommen." Seine Kollegen müssten sich jedoch auch mit dem beschäftigen, was Schülern im Englischunterricht in den Klassen drei und vier begegne. Wenn alltagsnahe Themen am Gymnasium aufgegriffen würden, könne man bei den Kindern "offene Türen einrennen".

Wie Forscher Böttger und Verbandschefin Lassek wünscht sich Egger, dass künftig möglichst alle Lehrer, die Grundschülern Englisch beibringen, das Fach an der Uni belegen. Nicole Sölch hat die Fremdsprache nicht studiert, ein mündlicher Test und ein Methodikkurs genügten. Für den Unterricht fühlt sie sich dennoch gut gerüstet. Manchmal spricht sie mit den Schülern trotzdem Deutsch - etwa, als sich zwei Schüler allzu auffällig über private Dinge unterhalten. Später sagt sie: "In dem Moment wollte ich ganz sichergehen, dass sie mich auf jeden Fall verstehen."