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Bildungspolitik:Mehr Exzellenz, weniger Elite an deutschen Unis

Johanna Wanka

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will an der Exzellenzinitiative festhalten.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)
  • 2005 wurde an deutschen Hochschulen die sogenannte Exzellenzinitiative ausgerufen. Seitdem sind fast fünf Milliarden Euro zusätzlich in Forschung geflossen.
  • Das Programm endet 2017, Ministerin Johanna Wanka hat eine Fortführung der Initiative nun "auf ihrer Agenda ganz nach oben" gesetzt.
  • Dabei soll die Förderung in vielen Bereichen verändert werden. So sollen etwa nicht nur Spitzenforschung, sondern auch Unis mit guter Lehre für Studenten unterstützt werden.

Exzellenz ja, Elite nein? In der Streitfrage, wie Bund und Länder auch in Zukunft herausragende Wissenschaftler und Universitäten besonders fördern wollen, zeichnet sich Bewegung ab. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) setzt eine Weiterführung der sogenannten Exzellenzinitiative "auf ihrer Agenda ganz nach oben", wie sie jüngst der Deutschen Presse-Agentur sagte. Mit dem 2005 lancierten Wettbewerb sind bislang fast fünf Milliarden Euro zusätzlich in Forschung geflossen, öffentlich die größte Aufmerksamkeit fand dabei die Prämierung von "Elite"-Universitäten (in der aktuellen Runde sind es elf - darunter jeweils die beiden großen Münchner und Berliner Unis).

Die Initiative endet 2017. Sie soll nach einem Beschluss von Bund und Ländern im vergangenen Dezember zwar danach weitergehen, Details zum Konzept aber blieben zuletzt offen. Radikale Änderungen sind nun zu erwarten.

Indem Wanka das Projekt prominent auf ihre Agenda setzt, tritt sie offenbar Befürchtungen in der Uni-Szene entgegen, dass das Geld nicht mehr so fließen könnte wie bisher. Die "Aufbruchstimmung" der bisherigen Bund-Länder-Vereinbarungen müsse fortgesetzt werden. Gleichwohl erwarte sie schwierige Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und Hochschulen. Nur: Die Zeit wird knapp, wenn man schon allein für das Wettbewerbsverfahren mindestens ein Jahr kalkuliert.

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Das Bundesministerium legt auf SZ-Anfrage aber nun einen Zeitplan vor. Seit September 2014 gibt es eine Kommission, um Erfolg oder Misserfolg der bisherigen Initiative zu beurteilen. Deren Gutachten wird im Januar kommenden Jahres erwartet. Bereits im Juni soll zudem ein Bericht der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats vorliegen, sie organisieren die Initiative. Im Sommer 2016 soll dann den Ministerpräsidenten ein Konzept zur Entscheidung vorgelegt werden. Ziel des Ministeriums sei es, "in den Verhandlungen mit den Ländern auf eine nahtlose Anknüpfung hinzuwirken". Das heißt: Wenn die jetzige Förderung endet, soll eine neue bereitstehen.

Doch wer soll künftig profitieren? Die Initiative hat bisher drei Förderlinien, neben dem Geldsegen für das "Zukunftskonzept" einer gesamten Universität, umgangssprachlich "Elite"-Unis, sind das Mittel für exzellente Bereiche (Cluster) und Doktorandenschulen. Kritiker hatten in der Vergangenheit meist zweierlei gerügt: erstens die aufwendigen, kleinteiligen Antragsverfahren, für das sich Wissenschaftler in ein Hamsterrad des Organisierens begeben müssten; und zweitens die Ausrichtung rein an Forschungsexzellenz, von der zudem die breite Masse der Hochschulen und oft konkret die Studenten nicht viel hätten. Im Nachfolger-Modell könnte sich einiges ändern.

Ende der Elite-Universitäten

Denkbar ist, dass die Mittel tatsächlich breiter gestreut werden - und dass nicht nur Spitzenforschung, sondern auch Hochschulen mit guter Lehre für Studenten Förderung erhalten. Das hatte der Wissenschaftsrat schon in einem Zukunftsgutachten gefordert, dessen Empfehlungen werden von der Politik oft befolgt. "Angst müssen nur die haben, die nirgendwo Qualität bieten", hatte damals ein Ratsmitglied gesagt. Wankas Haus möchte tatsächlich die Initiative "auf alle Leistungsbereiche" ausdehnen, dabei seien auch die Fachhochschulen "nicht grundsätzlich ausgeschlossen". Bis dato ist die Exzellenzinitiative Sache der Universitäten, teils im Pakt mit Forschungspartnern wie der Leibniz-Gemeinschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft.

Die Elite-Universitäten dürfte es nach 2017 wohl nicht mehr geben, zumindest deuten alle Signale darauf hin. Der Chef des Wissenschaftsrats, der Pisa-Forscher Manfred Prenzel, hatte in seinem Antrittsinterview mit der Süddeutschen Zeitung im vergangenen Sommer schon eine "Denkpause" für die bekannteste Exzellenz-Säule angeregt. Und im Bundesbildungsministerium heißt es auf die Frage, ob das Elite-Konzept noch bleibt: Aus Sicht des Ministeriums "ist die bloße Fortschreibung von Förderlinien nicht zielführend".

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