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OECD-Vergleich:Mathe-Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bleiben unverändert

Interessant wird es, wenn man Deutschlands Ergebnisse im Detail betrachtet. Pisa fragt im Bereich Naturwissenschaften einerseits Wissen ab ("konzeptuelles Wissen"), andererseits sollen die Schüler ihre Kenntnisse auch auf neue Fragestellungen und komplexe Probleme anwenden ("prozedurales und epistemisches Wissen"). Deutsche Schüler sind bei der reinen Wissenswiedergabe besser als bei der Anwendung.

Auch Pisa 2015 bestätigt wieder Geschlechterklischees: Auf der naturwissenschaftlichen Subskala schneiden die Jungen im OECD-Durchschnitt um zwölf Punkte besser ab als die Mädchen. In Deutschland liegt der Unterschied sogar bei 20 Punkten. Jungs scheinen sich also mehr als ihre Mitschülerinnen für Naturwissenschaften zu interessieren. Geht es dann allerdings an die Anwendung des eigenen Wissens, gibt es zwischen den Geschlechtern keine Leistungsunterschiede mehr.

Mathematik

2012 hatte Pisa einen Matheschwerpunkt, daher sind die Werte der aktuellen Erhebung besser mit den vorhergehenden Pisa-Studien vergleichbar. Hier wird deutlich, dass sich die Leistungen der 15-jährigen Deutschen seit 2003 im Bereich Mathematik kaum verändert haben. Auch hier zeitigen die MINT-Bemühungen offenbar keine großen Verbesserungen. Mit 506 Punkten liegt Deutschland aber weiterhin deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 490 Zählern.

Immerhin 13 Prozent der Schüler in Deutschland zählen in Mathe zur Gruppe der besonders Leistungsstarken. Zum Vergleich: Bei Pisa-Gewinner Singapur ist das bei mehr als einem Drittel der 15-Jährigen der Fall. Auch ist der Anteil der sehr guten Schüler im Bereich Mathematik in Deutschland in den vergangenen Jahren etwas stärker zurückgegangen als im Länder-Mittel. Hier ist also zumindest für die kommenden Jahre Vorsicht geboten, was die weitere Entwicklung angeht.

Dies gilt auch für den Leistungsunterschied zwischen Jungen und Mädchen. Nicht nur erzielen die deutschen Jungen im Pisa-Durchschnitt 17 Zähler mehr - Deutschland hat es in den vergangenen zwölf Jahren nicht geschafft, diese Differenz spürbar zu verringern.

Lesekompetenz

Das Volk der Dichter und Denker ist offenbar auch ein Volk der Leser. Beim Lesen und Verstehen von Texten haben deutsche Schüler seit der ersten Pisa-Studie kontinuierlich bessere Ergebnisse erzielt. Auch diesmal gelingt eine minimale Steigerung auf 509 Zähler, was einen Platz im OECD-Spitzenbereich bedeutet. Die Leistung wird noch dadurch hervorgehoben, dass sich Deutschland seit 2009 um zwölf Punkte gesteigert hat, während in den anderen OECD-Ländern im selben Zeitraum keine wesentliche Veränderung stattgefunden hat.

Auch im Bereich Lesen liegt Deutschland beim Anteil der Top-Schüler oberhalb des OECD-Durchschnitts und beim Anteil der besonders schwachen Schüler unterhalb. Dennoch gelingt es auch hierzulande 16 Prozent der Schüler nicht, im Bereich Lesekompetenz die Kompetenzstufe zwei zu erreichen. Das ist laut Pisa 2015 das Niveau, ab "dem die Schülerinnen und Schüler die Lesekompetenzen aufzuweisen beginnen, die es ihnen ermöglichen, effektiv und produktiv am Leben teilzuhaben".

Die Vermutungen bezüglich der Leistungen von Mädchen und Jungen bestätigt die Studie auch in Sachen Lesekompetenz: Schülerinnen haben hier deutliche Vorteile gegenüber ihren Klassenkameraden. Die gute Neuigkeit: Der Leistungsabstand zwischen den Geschlechtern hat sich beim Lesen seit 2009 deutlich verringert.

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