Bildungserfolge an der Rütli-Schule "Die Kinder haben jetzt eine Perspektive"

Was so einfach klingt, "war kein Sonntagsspaziergang", sagt Christina Rau, die Witwe des früheren Bundespräsidenten, die sich hier als Schirmherrin des Campus Rütli engagiert. Lehrer, Eltern, Kinder und Politiker aus dem Bezirk entwickelten das Konzept für den Campus, der mit enormen Mitteln ausgebaut wird. Zum Campus gehören schon jetzt eine große "Quartierssporthalle", neue Spielplätze, ein Freizeittreff.

Während einst Lehrer vom Rütli weg wollten, bewerben sich nun junge Pädagogen gezielt, um bei diesem spannenden Modell mitzumachen, in dem neue Ideen oft aus dem Kollegium heraus entwickelt werden. Die Schule profitiert auch davon, dass das Quartier rundum hip geworden ist. Gleich neben der Schule wirbt ein Restaurant mit einem Plakat für "japanische Maultaschen". Neue Cafés und eher schicke Läden machen auf. Junge deutsche Familien ziehen her, in den jüngeren Klassen merkt man das schon.

Dass es so viel Aufmerksamkeit gab, manche Zuwendungen, hat schon Neid ausgelöst - wohl auch an anderen Schulen, wo die Verhältnisse schwierig sind. Der Bezirk Neukölln und das Land Berlin erhoffen sich aber, dass das Projekt mit seinem "erheblichen finanziellen und personellen Aufwand eine positive Strahlwirkung auf die anderen Bildungseinrichtungen im Neuköllner Norden und Vorbildcharakter für ähnliche Projekte über Neukölln hinaus haben kann", erklärt Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey.

"Hier passiert viel ehrenamtlich"

"Es tut manchmal ein bisschen weh, wenn uns gesagt wird, es gehe uns so gut, weil wir so viel Geld hätten", sagt Schulleiterin Heckmann. Das Geld sei nicht entscheidend für den Wandel. "Hier passiert viel ehrenamtlich." Von einer Luxusausstattung kann man ohnehin nicht sprechen, der Rütli-Campus ist einfach eine Berliner Schule.

Und der Stadtteil noch immer kein Idyll. Die Mehrheit der Schüler kommt weiterhin aus ärmeren, manchmal schwierigen Verhältnissen. Fast alle haben einen Migrationshintergrund. "Meine Kinder könnten ihnen Geschichten erzählen, da wären sie sehr gerührt", sagt Heckmann. "Aber wir wissen: Auch in einem sozialen Brennpunkt gibt es große Potenziale."

Was macht den Unterschied aus? "Es sind die gleichen Kinder, aber sie haben jetzt eine Perspektive", sagt die Lehrerin Holtmanns, die den Wandel über die Jahre mitgeprägt hat und die Schüler beim Einstieg in den Beruf berät. Die Schule kooperiert mit Unternehmen wie der Bahn, die Praktikanten aufnehmen, Auszubildende hier finden. Es gibt jetzt ein Leben nach der Schule.

"Früher", so sagt die Lehrerin, "mussten sie manche von der Schule gehen lassen, ohne zu wissen, was aus ihnen wird. Das gibt es jetzt nicht mehr." So, wie es jetzt auch keine Lehrer mehr gebe, die Angst hätten, in eine Klasse zu gehen.

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