Zugverkehr Deutschland hinkt beim Brennerbasistunnel hinterher

Am Brenner schreiten die Bohr- und Sprengarbeiten für den 64 Kilometer langen Haupttunnel zügig voran.

(Foto: BBT)
  • Durch den Brennerbasistunnel sollen Züge unter dem Brennerpass hindurch fahren können und somit wesentlich schneller von Italien nach Österreich und Deutschland gelangen.
  • 2026 soll das Bauwerk fertig werden. Es würde dann den gerade eröffneten Gotthard-Basistunnel als längsten Tunnel der Welt ablösen.
  • In Bayern braucht es durch den zunehmenden Zugverkehr weitere Tunnels.
  • Die Bauarbeiten sind schon fortgeschritten - doch in Deutschland ist die Planung noch längst nicht fertig.
Von Matthias Köpf, Innsbruck

Im bayerischen Inntal soll es immer noch Leute geben, die es nicht glauben können, dass die Österreicher und die Italiener das hinkriegen. Doch tief drinnen im Berg spricht vieles dafür, dass der Brennerbasistunnel zwischen Franzensfeste in Südtirol und Innsbruck bis 2026 wirklich fertig wird.

"Wir müssen jetzt schauen, dass wir zeitlich den Anschluss nicht verlieren", sagt Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann am Montag dort unten in die mächtige Höhlung einer Querkaverne zwischen der Ost- und der Weströhre hinein. Denn der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter hat gerade gesagt, Ende dieses Jahres würden 85 Prozent aller Aufträge für das Bauwerk fest vergeben sein. "Es gibt kein Zurück", versichert Platter.

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Für die beiden Reisebusse, die Herrmann, Platter und den Südtiroler Verkehrs-Landesrat Florian Mussner sowie etwa 80 Lokalpolitiker, Bahnvertreter und Journalisten in den Berg gebracht haben, ist das Wenden in der Kaverne kein Problem. Manche Fahrgäste sind nicht zum ersten Mal im Tunnel, und doch macht der Ausflug Eindruck: "Jetzt kannst du da schon mit dem Bus hineinfahren", staunt der Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler (CSU).

Er und einige Bürgermeister aus seinem Landkreis sprechen von einer positiven Stimmung im Inntal, geben aber noch vor der Podiumsdiskussion in der Tiroler Landesregierung zu Protokoll, wie es aus ihrer Sicht ab der bayerischen Grenze weitergehen soll, wenn in zehn Jahren die Hälfte des stetig zunehmenden Güterverkehrs über den Brenner auf die Schiene verlagert wird: Mit weiteren Tunnels. In Kiefersfelden oder Oberaudorf zum Beispiel, da sei oberirdisch einfach kein Platz mehr für ein drittes und viertes Gleis.

Lokalpolitiker blicken neidvoll auf die planerische Zügigkeit der Österreicher

Der Staatsminister Herrmann und der Konzernbevollmächtige der Deutschen Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel, wollen nichts versprechen, sondern verweisen auf den Bund, der für den Ausbau des Brennerzulaufs sorgen muss und dafür auf EU-Geld hofft.

Denn Deutschland hinkt hinterher und wird im besten Fall mit der Planung fertig sein, wenn in Österreich und Südtirol alle Trassen schon gebaut sind. "Wir können das nicht ewig vor uns herschieben, sondern wir müssen zügig daran arbeiten", mahnt Herrmann. Kurzfristig müsse die vorhandene Strecke ertüchtigt werden, und das sei den Menschen im Inntal nur zumutbar, wenn der Lärmschutz wesentlich verbessert werde, wie es gerade geschehe.

Die Neubautrasse muss laut der Deutschen Bahn auch nicht zwingend 2026 fertig sein, wenn der Brennerbasistunnel die gerade eröffnet Röhre unter dem Schweizer Gotthard als längsten Eisenbahntunnel der Welt ablösen wird. Denn bis sich die Verkehrsströme umstellen, könnte die Zahl der Züge durchs Inntal sogar sinken, weil sie wegen der geringeren Steigung 740 statt bisher 450 Meter lang sein können. In diesem Sommer soll es erste Korridore für mögliche Trassen geben, die sich bis 2019 zu einer Vorplanung für das Genehmigungsverfahren verdichten sollen.

Lokalpolitiker wie der Flintsbacher Bürgermeister Stefan Lederwascher (CSU) blicken da ein bisschen neidvoll über die Grenze auf die planerische Zügigkeit der Österreicher. Die wollen - zum Ärger unter anderem Bayerns und der EU-Kommission - vom Herbst an schrittweise ein Fahrverbot nach Abgasklassen für Lastwagen durchsetzen und sind entschlossen, den Güterverkehr über den Brenner irgendwann ganz auf die Schiene zu zwingen. Derzeit liegt der Anteil der Bahn bei nicht einmal einem Drittel.

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