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Zeitungsbranche:"Passauer Neue Presse" kauft "Donaukurier"

Mit der Übernahme des "Donaukuriers" erhöht die "Passauer Neue Presse" ihre Auflage um rund 85 000 verkaufte Exemplare.

  • Zum 1. Januar 2017 geht der "Donaukurier" in den Besitz des Passauer Medienunternehmens über.
  • Der Bayerische Journalisten-Verband ist "entsetzt" über diesen überraschenden Deal. Mitarbeiter an beiden Standorten fürchten um ihre Jobs.
  • Schon jetzt ist die Lage bei der PNP angespannt: Junge Kollegen werden deutlich schlechter bezahlt als altgediente, der Haustarifvertrag ist im Mai ausgelaufen, ohne dass bisher über einen neuen verhandelt wurde.

Es ist der spektakulärste Deal in Bayerns Zeitungsbranche seit Langem: Die Verlagsgruppe der Passauer Neuen Presse (PNP) kauft den Donaukurier in Ingolstadt. Das verkündete PNP-Verlegerin Simone Tucci-Diekmann am Dienstag, nachdem sie die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung informiert hatte. Der Deal soll zum 1. Januar 2017 über die Bühne gehen, über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Das Passauer Medienhaus baut sein Verbreitungsgebiet damit enorm aus und verfügt in Zukunft über eine beachtliche Vormachtstellung auf dem Zeitungsmarkt im mittel- und ostbayerischen Raum. Mit dem Kauf des Donaukuriers schraubt die PNP ihre Auflage von gut 162 000 auf fast 250 000 Stück - und überholt damit die Nürnberger Nachrichten und den Münchner Merkur. Die Zustimmung des Kartellamts steht noch aus.

Die Übernahme kommt überraschend, weil der Donaukurier als wirtschaftlich solides Verlagshaus gilt. Gegen den allgemeinen Trend konnte das Blatt seine Auflage zuletzt leicht steigern. Die Übernahme sei ein weiterer Schritt im Rahmen der Wachstumsstrategie ihres Hauses, teilte die PNP-Verlegerin mit. "Wir sind überzeugt, dass damit die Zukunftsfähigkeit unseres Hauses insgesamt, aber auch der erworbenen Zeitungen gestärkt wird", sagte Tucci-Diekmann.

Auch Donaukurier-Herausgeber Georg Schäff bezeichnete die Übernahme als "fruchtbare und zukunftsweisende Verbindung" und versicherte: "Die redaktionellen Richtlinien des Donaukuriers gelten auch unter der neuen Herausgeberschaft unverändert fort." In einem Schreiben an die Mitarbeiter bezeichnete Schäff den Zusammenschluss als notwendig. Die überregionalen Anzeigenumsätze seien rückläufig, man verzeichne Umsatzverluste im Printbereich. Jetzt könnten zwei kerngesunde Verlage ihre gute Marktstellung dauerhaft ausbauen.

Harsche Kritik kommt dagegen vom Bayerischen Journalisten-Verband (BJV). Dessen Vorsitzender Michael Busch sagte, er sei "entsetzt" über den Verkauf des Donaukuriers an die PNP. Hauptgrund für Buschs Entsetzen ist, dass die Übernahme des Donaukuriers in einer angespannten Lage in Passau komme. Für Samstag haben Gewerkschaften mit 70 PNP-Mitarbeitern eine Kundgebung in der Passauer Fußgängerzone geplant. Sie demonstrieren dafür, dass das Verlagshaus nach elf Jahren endlich in die Tarifordnung zurückkehren solle. Ein entsprechendes Eckpunktepapier war Ende Mai ausgelaufen.

Schon jetzt, so BJV-Chef Busch, seien die Arbeitsbedingungen bei der PNP "prekär, und es ist zu befürchten, dass sich die geringe Wertschätzung der Redaktion künftig auch beim Donaukurier abbildet". Statt "massive Einkaufstouren auf dem Zeitungsmarkt zu tätigen", solle Verlegerin Tucci-Diekmann "in die Arbeitsbedingungen im eigenen Haus investieren und ihre Mitarbeiter ordentlich entlohnen".

Tucci-Diekmann stellte den Mitarbeitern am Dienstag eine Einmalzahlung von 500 Euro in Aussicht. Junge Mitarbeiter aber fürchten, dass diese Zusage nur für Altverträge gilt. Die Mitarbeiter in Passau und in Ingolstadt wurden von der Nachricht völlig überrascht. "Keiner hat davon etwas geahnt, niemand hat damit gerechnet", sagte ein PNP-Betriebsrat. "Wir waren alle ziemlich erstaunt", sagte eine PNP-Redakteurin, "aber der Zukauf ist ja nichts Schlechtes. Es ist schön, dass unser Verlag damit gestärkt wird. Trotzdem brauchen wir Angestellten Sicherheit."

Der Zukauf könne den künftigen Tarifverhandlungen auch schaden, befürchtet dagegen eine weitere PNP-Redakteurin. In der Redaktion gehe die Angst um, in die Schusslinie zu geraten. "Es gibt genügend Kollegen des Donaukuriers, die dann hierher versetzt werden könnten." Verlegerin Tucci-Diekmann hatte die Tariffrage bei der Versammlung am Dienstag mit keinem Wort erwähnt, lobte aber die treuen Mitarbeiter.

In Ingolstadt herrscht dagegen Angst vor Stellenabbau und Sparmaßnahmen. Die Übernahme von Lokalzeitungen in Trostberg und im Berchtesgadener Land durch die PNP hätten dort zu Entlassungen geführt, "da war Kahlschlag", sagen betroffene Mitarbeiter. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), selbst Abonnent des Donaukuriers, sagte, er hoffe, in seiner Heimat Ingolstadt eine inhaltlich gute Zeitung zu behalten.

© SZ vom 23.11.2016/imei

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